15. Mai 2017, 20:15 Uhr

Theater im Backhaus

15. Mai 2017, 20:15 Uhr
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Von Klaus Waldschmidt
Zur Eröffnung der Sonderausstellung »Biebertaler Backhäuser« wird in einer Theaterszene das »Luseln« im Backhaus für die Backreihenfolge nachgespielt. Akteure sind (v. l.) Ortsdiener Helmut Failing, Feldwebel Leo Köster und die Frauen Marie Reinhardt (Morrie), Janine Buchberger (Wiesche), Lisa Knecht (Hanna) und Doris Bader (Jieche). (Fotos: ws)

In früheren Tagen glich das Brotbacken zunächst einer Art ortseigener Lottoziehung. Denn die Reihenfolge, in der die Bürger das Backhaus der Gemeinde nutzen durften, wurde per »Luseln« entschieden. Daran, und an viele weitere Erinnerungen des Brotbackens in der Vergangenheit, erinnert die Sonderausstellung »Biebertaler Backhäuser« des Heimatvereins Rodheim-Bieber.

Eröffnet wurde die Ausstellung mit einer Theaterszene zum »Luseln« im Backhaus. Schon immer war das Festlegen der Backreihenfolge durch das »Luseln« (Verlosen) im Backhaus ein notwendiger organisatorischer Vorgang, der durch einen Gemeindebediensteten – meist durch den Ortsdiener – vorgenommen wurde. In Zeiten ohne Radio und Fernsehen war es auch ein Kommunikationstreffpunkt, insbesondere für Frauen, die vorwiegend an der Verlosung, dem Luseln, im Backhaus teilnahmen. Präsentiert wurde diese »Zeremonie« im Kurztheaterstück, das vor 100 Jahren – 1917 – während des Ersten Weltkrieges spielte.

Private Backhäuser erst im Mittelalter

Leo Köster verkörperte den Feldwebel und Helmut Failing war als Ortsdiener mit Ortsschelle in Aktion. Doris Bader, Lisa Knecht, Marie Reinhardt und Janine Buchberger spielten die backwilligen Frauen. Zum »Luseln« kam der Feldwebel, um die Nachricht von der geplanten Beschlagnahme des Rodheimer Backhauses durch den »Königlichen Kreisrat« anzukündigen, um 1000 Kommissbrote für die Frontsoldaten zu backen. Vom Ortsdiener wurde aber auch gefordert, Backzeiten für die hungernde Rodheimer Bevölkerung bereitzustellen. Zum Schluss wurden die Lose für die Backreihenfolge aus der Schürze des Ortsdieners gezogen.

Zum Brotbacken brauchte man aber damals auch schon Backöfen. Erst im Mittelalter sind vorwiegend private Backhäuser in adligen und gut bürgerlichen Häusern bekannt. »Gemeindebackhäuser sind erst aus dem 15. /16. Jahrhundert bekannt«, erläuterte Failing weiter. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden auch in den Dörfern gewerbliche Bäckereien und das Brotbacken in den Familien nahm stark ab. Heute ist es fast zum Erliegen gekommen. Die meisten dörflichen Backhäuser werden heute vorwiegend nur noch zum Kuchenbacken bei Dorf- und Vereinsfesten genutzt. Damit geht zwangsläufig die Kunst des Brotbackens verloren.

Mit der Ausstellung wird an das Brotbacken in der Vergangenheit erinnert. »Vielleicht greift der momentane Trend zum Selbstmachen auch auf das Brotbacken über. Es gebe schon einige Familien, die sich einen kleinen Backofen in ihrem Keller gebaut haben und dort ihr Brot backen, so Failing. Vielleicht wird der Fellingshäuser einen Backkurs anbieten, mal Hilfestellung leisten. Interessenten an einem Backkurs mit Bäckermeister Helmut Mattig sollen sich beim Heimatverein melden.

Neben den gemeindlichen Backhäusern wird auch an die privaten Backhäuser, die historischen Backordnungen, die Rezepte und Backbräuche erinnert. Ein besonderes Highlight sind die über 50 historischen Backformen, die Dr. Peter und Petra Mayser präsentieren. Sie stammen auch aus dem Siegerland und Schlesien und sind in den Vitrinen zu sehen. 15 Tafeln informieren in Wort und Bild über die Ausstellung.

Dank galt Karl-Heinz Reeh, Klaus Schmidt, Peter und Petra Mayser, Manfred Rustler und Hans Werner Schmidt für die Vorbereitung und den Aufbau der Ausstellung sowie Dieter Prinz aus Vetzberg, der Unterlagen, Bilder und Dokumente bereitstellte. Die Sonderausstellung ist auch in den 2. Biebertaler Museumstag am Sonntag, 21. Mai, eingebunden, der unter dem Motto »Versorgung auf dem Lande« steht.

Die Ausstellung ist bis zum 13. August jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Sonderführungen können unter der Telefonnummer 0 64 09/92 15 vereinbart werden.



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