16. Dezember 2018, 18:00 Uhr

Hilfsaktion

»TierfreundLich« sucht Futter und neue Helfer

Seit 2001 kümmert sich der Licher Tierschutzverein »TierfreundLich« um verwaiste, verletzte und kranke Tiere. Dabei nehmen die ehrenamtlichen Pfleger nicht nur Haustiere in ihre Obhut.
16. Dezember 2018, 18:00 Uhr
Michael Zimmermann zog fünf Waschbär-Baby auf. Nun sind sie bereit für ein neues Zuhause. (Foto: kge)

»Ohrringe bitte ablegen!«, warnt Michael Thielemann: »Die Kleinen spielen gerne damit«. Dann schließt er ein großes Gehege auf und tritt behutsam an eine selbstkonstruierte Waschbären-Wiege: »Wir müssen sie erst aufwecken.« Obwohl Waschbären eigentlich nachtaktiv sind, dauert es nicht lange und vier schwarz-weiß-graue Köpfe lugen neugierig aus dem schwebenden Bau.

Die vier Racker scheinen Thielemann eindeutig zu erkennen, klettern seine Arme hinauf, spielen an seinen Ohren, halten ihm die Augen zu. Der 31-Jährige ist so etwas wie ihr Adoptivvater. Anfang März nahmen er und seine Frau die wenige Wochen alten Tiere zu sich nach Hause. Fabrikarbeiter fanden ihr Nest in einem Material-Sack. »Im Regelfall wird noch gewartet, ob die Mutter zurückkommt«, sagt Thielmann. Die wäre aber leider nicht mehr aufgetaucht.

 

Auffang- und Quarantänestation

Solche Fälle sind im Tierschutzverein Alltag. Rund 500 Tiere werden jährlich in den Pflegestellen von TierfreundLich versorgt. Davon circa ein Drittel Wildtiere.

Das Problem dabei: Wildtiere dürfen nicht ohne weiteres wieder ausgewildert werden. Wildschweine und Waschbären überhaupt nicht. »Waschbären sind allgemein unerwünscht in der Region«, erklärt Vorstandsmitglied Andrea Viehl.

 

Kräfte sammeln

Dennoch brauchen sie ein Zuhause. Einen Ort, an dem sie aufwachsen und neue Kräfte sammeln können und versorgt werden. Thielemann und Viehl sind zwei von rund 15 ehrenamtlichen Tierpflegern, die sich dieser Aufgabe annehmen und täglich rund 50 Tiere versorgen. »Die Aufzucht fängt im Januar mit Feldhasen-Babys an und endet mit untergewichtigen Igel-Babys im Herbst«, sagt Viehl.

Dazwischen gibt es alle möglichen Tiere – von Vögeln, über Rehe und Wildschweine bis zu Siebenschläfern.

Die jüngsten Tiere, die noch mit der Flasche aufgezogen werden müssen, leben zunächst in Familien, bevor sie dann vorübergehend in einer der Pflegestellen untergebracht werden. Ziel ist es, die aufgepäppelten Tiere dann zu vermitteln. Das gilt auch für die Waschbären.

Viele der neu aufgenommenen Tiere sind häufig krank und in einem schlechten Zustand. 2010 wurde für diese Fälle eine Auffang- und Quarantänestation errichtet, um die Tiere auf den Pflegestellen vor Infektionskrankheiten und Parasiten zu schützen.

 

Schafe gerettet

Seit der Fertigstellung im Sommer 2011 ist die Station in Lich für viele in Not geratene Tiere ein vorübergehendes Zuhause geworden, auch für Thielemanns Waschbärkinder.

Auf dem circa 5000 Quadratmeter großen Gelände grasen im Moment auch Emma, Erika und Elly: »Das sind unsere Rasenmäher«, sagt Viehl lachend. Diese Aufgabe rettete die drei Schafe vor dem Schlachter.

Derzeit ist TierfreundLich der einzige Tierschutzverein im Regierungspräsidium Gießen, der sich um Wildtiere in Not kümmert. Doch nicht nur: Auch Haustieren nimmt sich der Verein an.

In der Kleintierpraxis von Vorstandsmitglied und Tierärztin Dr. Cornelia Konrad werden diese untersucht, verarztet und versorgt. Außerdem unterstützt TierfreundLich hilfsbedürftige Menschen bei der Versorgung ihrer Tiere – kein Tier soll wegen finanzieller Not leiden müssen.

 

Nahrung über Spenden finanziert

Genügend Nahrung für alle Tiere aufzubringen, ist eine der Herausforderungen, denen sich der Verein stellen muss. Teilweise würden die Mitarbeiter frisches Obst für die Tiere aus eigener Tasche bezahlen, wie Viehl berichtet.

»Die Waschbären mögen am liebsten Datteln. Die sind schön süß«, sagt Thielemann und kann gerade noch verhindern, wie einer seiner Findlinge ihm das Handy aus der Tasche stielt. »Im letzten Jahr gaben wir über 1000 Euro für Aufzuchtmilch aus«, erzählt Viehl.

Der Verein TierfreundLich sucht Futter für die Tiere: Getrocknetes Brot und Brötchen, Haferflocken, Obst, Kartoffeln, unbehandelte Nüsse und Katzenfutter.

Unterstützt werden kann TierfreundLich außerdem über Spenden: In Form einer Mitgliedschaft oder einmaligen Zahlung. Darüberhinaus freut sich der Verein immer über neue Ehrenamtliche und liebevolle Familien, die den Hunden, Katzen, Waschbären und anderen Tieren ein langfristiges Zuhause geben können. Kontakt zum Verein per E-Mail: info@tierfreund-lich.de.

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