03. April 2019, 22:12 Uhr

Tradition und Moderne

03. April 2019, 22:12 Uhr
Das Arbeiten mit Holz übt auf junge Menschen Reiz aus, das Zimmererhandwerk steht nach wie vor hoch im Kurs. (Symbolfoto: dpa)

Tradition spielt im Zimmererhandwerk eine wichtige Rolle. Äußerlich schon daran erkennbar, dass die Mitglieder der Zimmererinnung aus Stadt und Kreis Gießen die Innungsversammlung ausnahmslos in Zimmermannskluft besuchen. Ehrensache sozusagen. Das war jüngst in der Zusammenkunft in der »Ratsstube Edelweiß« in der Fernwaldhalle in Steinbach nicht anders. Zugleich hat die Moderne in Form von Technologisierung und Digitalisierung längst Einzug gehalten in eines der ältesten Handwerke der Menschheitsgeschichte. Das Zimmererhandwerk ist also für die Zukunft gerüstet, erklärte der Gießener Obermeister Christopher Rinn aus Heuchelheim, der die Versammlung leitete.

Der Zimmererinnung Gießen, eine von insgesamt 17 in Hessen, gehören 21 Mitgliedsbetriebe an. Das Zimmererhandwerk steht bei jungen Menschen nach wie vor hoch im Kurs. Das Arbeiten mit dem natürlichen Rohstoff Holz übe, analog dem Tischlerhandwerk, einen gewissen Reiz auf junge Menschen aus, sagte Rinn.

Ausgebildet wird der Zimmernachwuchs im bewährten dualen System in Betrieben und in der Berufsschule zugleich. An der Theodor-Litt-Schule werden aktuell rund 100 Lehrlinge unterrichtet, darunter auch jene aus der Innung Gießen.

Im Rahmen seines Rechenschaftsberichtes sprach der Obermeister die seit 2012 gültigen DIN-Norm für umweltgerechtes Bauen an, mit der das Verbauen chemisch imprägnierter Hölzer in Dachstühlen eigentlich kein strittiges Thema mehr sein sollte. Die seit sieben Jahren gültigen Vorschriften enthielten eindeutige Vorgaben, in welchen Fällen und Bereichen ein besonderer, chemisch vorbeugender Holzschutz erforderlich und erlaubt ist. Unnötig imprägnierte Dachstühle zählen laut Innungsobermeister Rinn jedenfalls nicht dazu. Gerade für tragende Bauteile, wie es Dachstühle sind, habe die Norm verbindlichen, für nicht tragende Teile empfehlenden Charakter.

In einem Fall lässt die Innung nun durch die Bauaufsicht des Landkreises und die Bauberufsgenossenschaft überprüfen, ob das – von keinem Mitgliedsbetrieb der Innung ausgeführte – Aufschlagen eines Dachstuhls mit imprägnierten Hölzern in einer Kreiskommune den DIN-Vorschriften entspricht. Wenn kein chemischer Holzschutz vorgeschrieben sei, stelle die »Begiftung« des Holzes einen Mangel im Sinne der Vergabeordnung dar. Ein Bauherr könne Schadensersatz fordern, wenn Holzteile entgegen dem Stand der Technik mit Holzschutzmitteln behandelt wurden.

Als Gastreferentin informierte die Justitiarin der Kreishandwerkerschaft, Dr. Sandra Scheuermann, über Neuerungen im Bauvertragsrecht, die für Verträge gelten, die ab dem 1. Januar 2018 zwischen Handwerksunternehmen und Auftraggebern abgeschlossen wurden. Neu gestaltet sei vor allem die Möglichkeit, als Bauunternehmer den Lieferanten eines mangelhaften Baustoffes auch für die Ein- und Ausbaukosten haftbar zu machen, Kosten, auf denen bislang der handwerkliche Bauunternehmer »sitzen blieb«. Rechte des Bauherrn wie auch der bauausführenden Firma wurden gestärkt.

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