15. Mai 2018, 22:01 Uhr

Treffpunkt Backhaus

15. Mai 2018, 22:01 Uhr
Elke Lepper (Foto oben) gibt Einblick in die Historie des Königsberger Backhauses. Helmut Mattig (r.) überreicht eine »Bäcker-Fahne« an den Vorsitzenden der Vereinsgemeinschaft Königsberg, Guido Rothe. (Fotos: ws)

»Was lange währt, wird endlich gut«: Das sagte Bürgermeisterin Patricia Ortmann bei der offiziellen Schlüsselübergabe für das Backhaus an die Königsberger Vereinsgemeinschaft. Diese habe »mit einer liebenswerten Hartnäckigkeit« für die Übernahme des Backhauses gekämpft. »Tradition braucht Orte der Rituale wie dieses Backhaus. Dass das Backen wie früher erhalten wird, ist wichtig«, sagte die Bürgermeisterin. Die Übergabe war ein besonderes Ereignis in der Ortsgeschichte Königsbergs. Ortmann überreichte auch ein Körbchen mit Backzutaten wie Mehl, Eier, Salz und ein Tuch.

Der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft, Guido Rothe, konnte gut 80 Besucher, darunter die Vertreter der Gemeindegremien, zum Ereignis der Schlüsselübergabe auf der »Weet«, dem Backhausvorplatz, als »Ort der Kommunikation« begrüßen. Im Januar 2018 war der Vertrag unterschrieben worden, im April das Eigentum am Königsberger Backhaus in der Schlossstraße 44 an die Vereinsgemeinschaft Königberg übergegangen.

Im Jahr 2000 wurde das Backhaus im Rahmen der Dorferneuerung gründlich renoviert und der Backhausvorplatz, die Weet als »Ort der Kommunikation« neu gestaltet.

Nachdem bekannt wurde, dass die Gemeinde Biebertal das Backhaus an einen Privatmann verkaufen wollte, erhob sich Widerstand im Dorf. Die Vereinsgemeinschaft, die sich aus allen Königsberger Vereinen zusammensetzt, beantragte im September 2012 bei der Gemeinde die Verpachtung an die Vereinsgemeinschaft. So wollte man das für den Ort wertvolle Kulturdenkmal für die Nachwelt erhalten. Leider zogen sich die Verhandlungen über mehrere Jahre bis zur Übergabe an die Vereinsgemeinschaft hin.

Elke Lepper ließ die Historie des Backhauses Revue passieren. Das unterhalb der Kirche gelegene Rathaus/Backhaus wurde ursprünglich als Pfarrhaus nach dem 30-jährigen Krieg wieder aufgebaut. Am 2. Juni 1647 war das an gleicher Stelle befindliche Pfarrhaus von den Schweden samt aller schriftlichen Unterlagen zerstört worden. »Vom Keller dieses Pfarrhauses führte ein Gang in die Krypta der Kirche«, erläuterte Elke Lepper.

Der als Ratssaal für Sitzungen genutzte Raum im hinteren Obergeschoss wurde vor und während des Schulhausneubaus in 1913 auch als Schulsaal genutzt, da es im alten – gegenüber gelegenen – Schulhaus zu eng geworden war. In den vorderen Räumen wurden Versammlungen und Heimatabende abgehalten. Auch als Wahllokal ist es den älteren Königsbergern noch bekannt. Im Jahr 1943 ließ Bürgermeister Heinrich Lepper das Obergeschoss umbauen. Es entstanden zur Südseite hin je ein Büro für den Bürgermeister sowie den Gemeinderechner. Bürgermeister Gustav Walch ließ schließlich Ende der 1950er Jahre die rund 40 Stufen hohe Außentreppe zum Obergeschoss von der Katergasse auf die Seite zu »Weet« hin verlegen und sorgte für den Einbau einer Toilette.

Heute ist das inzwischen auf vier gleichgroße Räume umgebaute Obergeschoss als Wohnung vermietet. Im Untergeschoss befindet sich die Backstube, in der sich zwei Backöfen befinden. Der linke stammt aus dem Jahr 1911, über der rechten Ofentür ist die Jahreszahl 1928 zu lesen.

Lepper ging auch auf das Backen und die besonderen Regeln in früheren Zeiten im Backhaus ein – von der Backreihenfolge über das Brotteigherstellen bis zum »Ausschießen« von Brot und Kuchen. Auch an Festtagen wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten und zur Kirmes wurde die Reihenfolge festgelegt. Oftmals wurde von Freitag während der ganzen Nacht und am Samstag Kuchen gebacken, um für die Festtage, an denen man Besuch erwartete, gerüstet zu sein.

»Ich hoffe, dass die Bürger sich weiterhin für das Backhaus einsetzen, sich an den Renovierungsarbeiten beteiligen werden und, was noch wichtiger ist, dass das Backhaus wieder fürs Dorf zur Verfügung steht. Bei den anstehenden Arbeitseinsätzen ist jeder gefragt, mit anzupacken«, appellierte Elke Lepper an die Königsberger.

Für das Fellingshäuser Bäckerteam des Backhauses überreichte Bäcker Helmut Mattig eine Bäcker-Fahne, auch »Huttel« genannt, an die Königsberger Vereinsgemeinschaft. Mit dem an einem Stab befestigen nassen Sack wird der Backofen von Glut- und Ascheresten gereinigt. Guido Rothe dankte für die das Präsent der »Fellingshäuser Füchse«. Bei kühlen Getränken und Schmalzbroten feierten die Besucher die Schlüsselübergabe für das Backhaus.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Eier
  • Kommunikation
  • Mehl
  • Ortsgeschichte
  • Biebertal
  • Klaus Waldschmidt
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 12 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.