02. Februar 2017, 18:44 Uhr

Und was ist mit Tee?

Die Liebe der Ostfriesen zu ihrem Tee ist sprichwörtlich. Rund drei Kilogramm pro Jahr trinkt jeder an der Waterkant. Doch was ist ein Kluntjeknieper und was hat es mit dem »Teekrieg« auf sich? Die Landfrauen Albach wissen es nun – dank Petra Roth. Die Langsdorferin offerierte bei ihrem Besuch auch noch die eine oder andere Anekdoten.
02. Februar 2017, 18:44 Uhr

Die Albacher Landfrauen lernten am Dienstag die ostfriesische Teekultur kennen. Petra Roth aus Langsdorf brachte sie ihnen näher. Sie ist selbst ein bekennender Ostfriesland-Fan. Bei einem ihrer Besuche im deutschen Nordwesten wurde ihre Begeisterung für die dortige Teekultur geweckt. Zunächst besuchte sie Kurse, nun lässt sie andere an ihrem dabei erworbenen Wissen teilhaben.

Im Gepäck hatte Roth alles, was man braucht, wenn man einen Ostfriesen-Tee richtig zubereiten möchte: Porzellan-Service, Kluntje, Sahnelöffel, reichlich Gebäck und Kuchen – und natürlich ganz viel Tee.

Vor dem Eingießen legt man einen Kluntje, ein großes Stück Kandiszucker also, in die Tasse. Der Tee wird nun auf den Kluntje in die Teetassen gefüllt. Charakteristisch ist hier das Knistern des Zuckerstücks. Anschließend gibt man mit dem Sahnelöffel einen Tropfen Sahne hinzu, möglichst so, dass ein »Sahnewölkchen« entsteht.

Der Tee wird traditionell ohne Umrühren getrunken, sodass erst das herbe Teearoma vom Tassenrand, dann der milchige Teegeschmack der Tassenmitte und zum Schluss die Süße des gezuckerten Tees auf dem Tassengrund geschmeckt werden. Dieses Verfahren rührt noch daher, dass man früher den teuren Kluntje möglichst lange, sogar über mehrere Tassen Tee hinweg verwendete.

Auch einige amüsante und interessante Anekdoten hatte Roth rund um den Ostfriesen-Tee im Gepäck: Die Liebe der Ostfriesen ging schon kurz nach seiner Einführung Mitte des 18. Jahrhunderts sogar so weit, das ab 1768 ein regelrechter »Teekrieg« geführt wurde, als Friedrich II. von Preußen versuchte, ihnen das liebgewonnene Ritual abzugewöhnen. Im Zuge dieses »Krieges« kam es verstärkt zu zivilem Ungehorsam, Schmuggel und heimlichen Teetrinken, bis der König etwa 1781 frustriert sein Vorhaben aufgab und den Tee gestattete. Auch in anderen »Teenotzeiten«, wie der napoleonischen Kontinentalsperre (1806-1814), wussten sich die Ostfriesen durch den Schmuggel zu behelfen.

Heute noch ist es in Ostfriesland üblich, Gästen bei der Ankunft eine Tasse Tee anzubieten. Dabei spielt die Dauer des Besuchs keine Rolle – es ist einfach die traditionelle Art, einen Gast willkommen zu heißen. Und bei der Teilnahme an einer Teerunde sind drei Tassen das absolute Mindestmaß, das man trinken muss.

Und der Kluntjeknieper? Das ist eine spezielle Zange, mit der früher die Männer den Zucker in passende Stücke zerbrochen haben. Zwar kann man sich heute seine Kluntje gleich in der richtigen Portionsgröße kaufen. Ganz in Vergessenheit geraten ist der Knieper aber noch nicht. Er kann etwa bei der Einteilung von Zuckerstücken verwendet werden. Der echte Ostfriese verwendet ihn auch heute noch zum Zuckerzerbrechen.

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