07. Februar 2019, 22:26 Uhr

Unterwegs mit Free Jazz

07. Februar 2019, 22:26 Uhr
Die »Mount Meander« auf der Bühne des »Traumstern«. (Foto: usw)

Ein Konzert im Kino in Kombination mit einem Film, das versprach Ungewöhnliches. »Mount Meander« heißt die Kölner Band, die nun im »Traumstern« gastierte. Ein internationales Quartett junger Musiker. Als Film folgte eine Dokumentation über den Schlagzeuger Milford Graves – auch nicht gerade gewohnte Kost. Das Publikum war vom Kontrastprogramm hörbar angetan.

»Wir haben uns als Gruppe an der Hochschule kennengelernt«, sagte Schlagzeuger Thomas Sauerborn. Der geborene Licher erwarb seine »Leidenschaft fürs Schlagzeug« an der hiesigen Musikschule, sein ehemaliger Lehrer und Schulleiter Andreas Kühr lauschte im Parkett aufmerksam, genau wie die anderen Besucher.

Karlis Auzins (Saxofon), Lucas Leidinger (Piano), Tomo Jacobson (Kontrabass) und Sauerborn waren angetreten, um ein von einigen bereits vergessenes Kapitel der modernen Musikgeschichte erneut zu öffnen: Freie improvisierte Musik, auch »Free Jazz« genannt, wollten sie spielen. Eine Dreiviertelstunde lang, dann Pause, dann der Film.

Die erste Überraschung des Abends war der zusätzliche Bildhintergrund: Auf der Leinwand lief ein impressionistischer Film des polnischen Filmemachers Malwa Grabowska, »California Psychedelic«.

Es ging ganz verhalten los, derweil kullerten die Bilder, teils gespiegelt als symmetrische Darstellung, unaufdringlich über die Leinwand, die Band spielte in schwammigem Rotlicht. Sehr ruhig, nachdrücklich und musikalisch eher ästhetisch war das, und, ganz deutlich, ohne aggressive expressive Überspitzung. Natürlich steigerte sich die Intensität, es gab eine abgegrenzte, drängende Free-Phase, bevor das Musizieren dann wieder zurückhaltender wurde.

Schlagzeuger Sauerborn fügte zuweilen eine fragile perkussive Phase ein, während die anderen vor sich hin musizierten – man nahm Rücksicht. Natürlich gab es Annäherungen an Grenzbereiche: Plötzlich erklang ein Pfeifen, ob vom Saxofon oder jemand anderem, war unklar, dann wieder melodische Themen vom Sax. Dazu gestrichener Bass, gestrichenes Becken – es fehlte nicht an klanglicher Vielfalt, musikalischer Diversität.

Vor allem jedoch herrschte eine erfrischende Leichtigkeit des Tuns: Zwar gingen die Musiker handwerklich durchaus herzhaft zur Sache, aber niemand hatte den selbstdarstellerischen Nachbrenner in Betrieb. Dabei fügten sich die Bilder überraschend passend ins Geschehen und schufen eine optische Ebene, die man sinnlich als ergänzend und unterstützend, zuweilen aber auch ein bisschen entlastend wahrnahm – von den Musikern war bei dem Licht ja nicht viel zu erkennen. Das Publikum applaudierte dieser selbstbewussten, doch bescheidenen Performance kraftvoll und anerkennend.

Im zweiten Akt erwies sich die Doku »Milford Graves Full Mantis« von Jake Meginsky aus 2018 als überaus interessante Kost. Etwas holperig gefilmt von Neil Young, erlebte man den renommierten Schlagzeuger Graves, wie er klanglich und intellektuell Neuland betrat und von seinem Leben erzählte; ziemlich intensiv. Der Film kam zu seiner zweiten öffentlichen Aufführung in Deutschland.

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