05. Februar 2018, 22:17 Uhr

Unwiderstehlicher Zauber

05. Februar 2018, 22:17 Uhr
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Von Sascha Jouini
Das Ensemble bei der Zugabe. (Foto: jou)

Beim Winterkonzert am Sonntag in der evangelischen Kirche zu Wißmar schienen vor allem zwei Dinge als Publikumsmagnet zu wirken: das hohe Renommee der Musiker und die Beliebtheit von Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenquintett. So war der Andrang kaum geringer als beim Neujahrskonzert an gleicher Stelle.

Ulrich Büsing (Klarinette), Maximilian Junghanns, Nadine Blumenstein (Violinen), Ingrid Albert (Viola) und Maja Schwamm (Cello), allesamt Mitglieder des HR-Sinfonieorchesters, hatten indes noch weitere interessante Werke einstudiert. Bei dem 1932–36 entstandenen »Phantasy Quintet« op. 93 des englischen Komponisten York Bowen handelt es sich dem Programmheft zufolge gar um das erste Werk in der Geschichte der Kammermusik, in dem die Bassklarinette eine tragende Rolle einnimmt. In harmonischen Zusammenspiel entfaltete der leidenschaftliche Ausdruck unwiderstehlichen Zauber. Mit seinem warmen und vollen Klang fügte sich das Holzblasinstrument nahtlos ins Geschehen ein. Das Ensemble baute dichte Atmosphäre auf, so auch im lebhaft bewegten Mittelteil. Dem runden Gesamtbild spürbar zugutekam die ausgiebige gemeinsame Musizierpraxis der Künstler.

In die Wiener Klassik führte Ludwig van Beethovens Streichquartett B-Dur op. 18 Nr. 6. Ausgefeilt artikulierte das Ensemble im geistig frischen ersten Satz und setzte wohldosiert die Akzente. Der herzerwärmende Humor, der den Dialogen anhaftete, machte das kalte Winterwetter vergessen. Analytisch-klar, mit Sinn für überraschende Wendungen beleuchteten die Musiker die Durchführung. In der feinfühligen Interpretation vermochte auch das liedhafte Adagio unmittelbar zu berühren. Dazu kontrastierte das virtuos-leichte, rhythmisch auf den Punkt gebrachte Scherzo. In die Ferne zu schweifen schien die Musik in der schwermütigen, klanglich verhaltenen Adagio-Einleitung zum Finale, ehe der tänzerische Allegretto-Hauptteil das i-Tüpfelchen auf ein niveauvolles Hörerlebnis setzte.

Mozarts Quintett A-Dur KV 581 als Höhepunkt hob sich das Ensemble für den Schluss auf. Aufmerken ließ im Kopfsatz der klanglich eher schlanke, überaus elegante Vortrag. Büsing gewann der anmutigen Klarinettenmelodie intime Nuancen ab, ebenso gefühlvoll, doch ohne falsches Pathos spielten die Streicher. Selbst zarteste Piani gelangen ausdrucksvoll.

Dezente Linie

Wunderbar kantabel intonierte der Klarinettist das nachdenkliche Thema im Larghetto und wurde von den Streichern behutsam unterstützt. Dabei blieb das Ensemble auf der dezenten Linie, die es im Kopfsatz eingeschlagen hatte. Das Vergnügen setzte sich fort beim Menuett und bei den abwechslungsreichen, mal unbekümmerten, dann melancholischen Allegretto-Variationen. Für den begeisterten Applaus dankte das Ensemble mit einem Mozart’schen Quintett-Fragment als Zugabe.



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