29. Januar 2019, 22:26 Uhr

Verlässlich, pünktlich, fleißig

Carmen Magnus hat über vierzig Jahre im Pohlheimer Rathaus gearbeitet. Sie war für vier Pohlheimer Bürgermeister da, verlässlich, pünktlich, fleißig. Jetzt geht sie in den Ruhestand. Und als Pensionärin hat sie einiges vor.
29. Januar 2019, 22:26 Uhr
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Von Roger Schmidt
Carmen Magnus räumt nach 44 Jahren ihren Schreibtisch im Pohlheimer Rathaus. (rge)

Immer diplomatisch und mit einem Lächeln, aber verbindlich in ihrer Arbeit – so lernten über vier Jahrzehnte lang die Besucher und Bürger im Pohlheimer Rathaus Carmen Magnus kennen und schätzen. Die langjährige Chefsekretärin arbeitete für Karl Brückel, Hermann Georg, Karl-Heinz Schäfer und Udo Schöffmann. Nun wechselt sie ihre Position und verabschiedet sich in den Ruhestand. Letzter Arbeitstag ist der 31. Januar, dann verlässt Magnus nach fast 44 Jahren in der Pohlheimer Verwaltung in der Position der Chefsekretärin im Vorzimmer des Bürgermeisters das Rathaus.

Die 64-Jährige geht mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Dabei nimmt sie nicht nur viel Erfahrung und Wissen mit, sondern auch ihre geliebten Eulen, die die passionierte Sammlerin hinter ihrem Schreibtisch immer mit ihren großen Augen begleiteten.

Als sie 1974 ihre Karriere bei der Stadt noch unter dem verstorbenen Ehrenbürgermeister Karl Brückel im Schreibbüro begann, war alles anders als heute. Pohlheim war gerade aus sechs Stadtteilen gegründet worden. Sie selbst machte erste berufliche Schritte ab 1970 beim Landgericht als Justizangestellte. Die Schreibmaschine beherrschte damals noch das schriftliche Wort in der Büroarbeit. Briefe wurden getippt, korrigiert, unterschrieben und noch mit der Post versandt. Es dauerte in der Zeit vor Internet und E-Mails immer ein paar Tage, bis die Antwort im Briefkasten lag. Die passionierte Schreibmaschinenschreiberin, die sich 1982/83 zur Lehrerin des Maschinenschreibens ausbilden ließ, war mit ihren zehn Fingern immer blitzschnell auf der Typenhebel-Maschine, wie auch später auf der Computer-Tastatur.

Brückels Nachfolger Hermann Georg fragte sie vor seinem Amtsantritt 1979, ob sie in sein Vorzimmer wechseln wolle. »Ich kann es ja mal probieren«, lautete ihre Antwort. Wenn sie heute auf diese Zeit zurückblickt, denkt sie gerne an Georgs Wirken. Er habe immer gesagt, »wir sind ein Pohlheim«, um nach dem Zusammenschluss das Kirchturmdenken der sechs Stadtteile aus den Köpfen zu bekommen. Ein Schlaganfall riss den Bürgermeister 1995 aus seinem bisherigen Leben. Als seinen Vertreter lernte sie den Ersten Stadtrat Walter Müller ein halbes Jahr lang kennen, bevor am 1. Februar 1997 Karl-Heinz Schäfer als der erste direkt gewählte Bürgermeister Pohlheims das Amt übernahm. Schäfer arbeitete 18 Jahre lang mit Magnus zusammen. Sie sei »geradezu ein Ausbund an Engagement, Sorgfalt und Umsicht, menschlich fürsorglich, sensibel und robust zugleich, zielstrebig, charmant und bisweilen hartnäckig – so wie es ihre Funktion erforderte«.

Dass auch Schäfers Nachfolger Udo Schöffmann seit dem 1. Februar 2015 großes Vertrauen in ihre Arbeit setzte, freut Magnus. Schöffmann skizziert sie als »menschlich, und für alle immer ein offenes Ohr«. Sie habe private Belange immer hinten angestellt, sei fachlich »absolut Spitze« und immer loyal. »In einem Zeugnis würde man alle Leistungen mit einer eins bewerten.«

Carmen Magnus erlebte den Aufstieg der Limes-Stadt Pohlheim von einstmals 13 214 Einwohnern (1. Oktober 1974) zu einer prosperierenden Kommune mit inzwischen 19 380 Einwohnern zum Ende des Jahres 2018. Magnus erinnert sich gerne an schöne Momente wie die HR-Sendung »1:0 für meine Stadt«, die die Pohlheimer näher zusammengebracht habe, aber auch den erfolgreichen Kampf der Bürger gegen die Holzheimer Mülldeponie.

All ihren Chefs stellt Carmen Magnus ein gutes Attest aus. »Ich habe es immer gut getroffen, allerdings war jeder anders«, blickt sie zufrieden zurück. Dass sie in ihrer Tätigkeit viel eigenverantwortlich regeln konnte, hat ihr gefallen. Dazu gehörten Empfänge und persönliche Besuche in den Pohlheimer Partnerstädten Admont in Österreich, Zirc in Ungarn oder Strehla in Sachsen, bei denen sie in die Planung involviert war. Aus ihrer Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Menschen weiß sie zudem: »Ein kurzes Telefonat ist besser als eine E-Mail.«

Wenn Carmen Magnus jetzt ihr Büro räumt, nimmt sie ihre 180 Eulen mit. Die stammen aus allen Teilen der Welt. Einige sind Mitbringsel von Pohlheimern. Die Eulen strahlen für sie mit ihren großen Augen und der Ruhe den Überblick aus, den man manchmal bei der Arbeit im Vorzimmer des Bürgermeisters braucht.

 

CDU-Mann wird Nachfolger

 

Zu Hause will sie jetzt erst mal im Ruhestand ankommen, erzählt sie. Dann will sie auch wieder mehr ihren Hobbys nachgehen, die zu kurz gekommen sind. Dazu gehört das Lesen eines guten Buches, das Hören von Musik vor allem aus den 60er Jahren auf Schallplatte, Spazierengehen – und das Schreibmaschinenschreiben. Und auch die Kirche liegt ihr am Herzen, wo sie sich mehr engagieren möchte. »Es waren schöne Momente und eine wunderbare Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen. Ich würde alles genau so wieder machen«, sagt sie mit Blick auf ihr Arbeitsleben.

Für die Nachfolge von Magnus ist schon gesorgt. Es ist mit Tobias Breidenbach erstmals ein Mann. Er ist ehemaliger Mitarbeiter im CDU-Wahlkreisbüro von Kanzleramtsminister Helge Braun. Breidenbach, der für die Union im Kreistag sitzt, wird ab dem 1. Februar im Vorzimmer des Bürgermeisters das Büromanagement übernehmen.



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