Kreis Gießen

Vielzahl an Gemeinsamkeiten

In zwei Wochen fällt die (Vor-)Entscheidung, wer am 1. Mai 2018 die Nachfolge von Rabenaus Bürgermeister Kurt Hillgärtner (FW) antritt. Drei Kandidaten stehen am 26. November zur Wahl: Christoph Nachtigall (33, FW), Ralf Lich (56, SPD) und Florian Langecker (36), der zwar CDU-Mitglied ist, jedoch als Unabhängiger antritt.
10. November 2017, 23:39 Uhr
Thomas Brückner
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Das Podium mit Christoph Nachtigall, Florian Langecker, Moderator Dr. Andreas Emmerich und Ralf Lich (von links). (Foto: tb)

In zwei Wochen fällt die (Vor-)Entscheidung, wer am 1. Mai 2018 die Nachfolge von Rabenaus Bürgermeister Kurt Hillgärtner (FW) antritt. Drei Kandidaten stehen am 26. November zur Wahl: Christoph Nachtigall (33, FW), Ralf Lich (56, SPD) und Florian Langecker (36), der zwar CDU-Mitglied ist, jedoch als Unabhängiger antritt.

Gestern Abend bot sich erstmals die Gelegenheit zur »Gesamtschau«: Bei einer Podiumsdiskussion des Gießener Anzeigers präsentierten sich in der gut besuchten Lumdatalhalle alle Bewerber dem Souverän. Ein Eindruck vorweg: Die Kandidaten teilen viele Positionen, Unterschiede waren allenfalls in Nuancen zu erkennen

Alle für Ortsteilfeuerwehren

Den Verlauf des Abends bestimmte wesentlich das Publikum, einzig mit Fragen aus dem Saal wurden die Kandidaten »gefüttert«. Wiederum ein Kardinalthema: Sicherung und Lasten des Brandschutzes, angesichts auch von Personalnöten.

Kein Bewerber stellte den 1,2 Mio. teuren Gerätehausneubau in Geilshausen, die dezentrale Struktur in Frage. Alle erachteten Nachwuchsarbeit als essenziell, was ob der großen Konkurrenz anderer Freizeitaktivitäten nicht einfach sei, wie Nachtigall meinte. Für Langecker muss die Feuerwehr stets einbezogen werden, auch was Investitionen angeht. Nicht anders Lich, der auf Forderungen des TÜV verwies, die Gemeinde komme daher um die hohen Ausgaben nicht herum.

»Wie geht es weiter mit dem Michaelismarkt?«, lautete eine weitere Frage. Lich gestand ein, da gebe es ein Problem. Den Hauptabend auf den Samstag verlegen, mit Künstlern attraktiver machen, könnte eine Lösung sein. Langecker will Vereine, Schulen, Kitas für neue Programmpunkte gewinnen. Und Nachtigall: »Erst braucht es ein stimmiges Konzept, mit dem man bei den Marktbeschickern werben kann.«

Mit den Kitagebühren kam die Sprache auf die Finanzen: Für Lich ist der jüngste Beschluss Wiesbadens eine »Mogelpackung«, die die Eltern ent-, die Kommune aber mit 45 000 Euro belaste. »Rabenau fehlen tatsächlich 400 000 Euro«, meinte Langecker. Zu den Schulden von »200 000 bis 300 000 Euro« per annum kämen die 120 000 Euro für die »Hessenkasse«. Fraglich aber auch für ihn, wie die Finanzklemme zu lösen wäre, in jedem Fall würde er beim Land anklopfen. Das will auch Nachtigall. »Ich bin schon lange für kostenfreie Kitaplätze, Hessen lässt die Gemeinden im Stich.« Um die Ertragslage der Kommune zu verbessern, brauche es mehr Bürger, mehr Gewerbe. Sonst steige auch die Gefahr höherer Gemeindesteuern.

Für alle wäre die Lumdatalbahn ein wichtiger Anreiz für Neubürger, nach Lich sollte man zudem in möglichst allen Ortsteilen Bauplätze schaffen. Für Langecker ist die Bahn gar eine von drei Säulen zur Gesundung der Finanzen. Die zweite wäre Wirtschaftsförderung, die dritte Interkommunale Zusammenarbeit.

In Sachen IKZ dürfe es keine Denkverbote geben, über den Verwaltungsverband mit Allendorf hinaus, forderte Lich. Auch darum: »Ein Bürgermeister weniger spart eine Million in zehn Jahren.« Nichts übers Knie brechen, meinten die Mitbewerber. Langecker kann sich eine Bürgerbefragung vorstellen. Dass IKZ nicht die Dienstleistungsqualität einer Verwaltung schmälern dürfe, betonte Nachtigall.

»Warum sollte ich mein Kreuz vor Ihren Namen setzen?«, lautete die Abschlussfrage. Alle hoben die politischen Erfahrungen hervor. Nachtigall zudem sein junges Alter, die sechs Jahre hauptberufliche Selbstständigkeit. Für den IT-Spezialisten gleicht eine Gemeinde einer Firma, die würde er mit »viel Herzblut« leiten und zukunftsfähig machen wollen. Langecker verwies auf seine Führungsaufgaben als Hauptkommissar, das Studium des Dipl.-Verwaltungswirts, sein Vereinsengagement. »Ich weiß, wo den Rabenauern der Schuh drückt.«

Und Ralf Lich, von Beruf Postbeamter, riet, doch auf seine Plakate zu schauen, dafür stehe er: »sozial, ehrlich, herzlich«. Schließlich: »Ich habe den Ehrgeiz, ein außergewöhnlicher Bürgermeister zu werden, das würde ich gerne beweisen.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Vielzahl-an-Gemeinsamkeiten;art457,344916

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