30. April 2019, 13:00 Uhr

Wollschweine

Villinger Wollschweine sind sowohl im Fernsehen als auch in der Gastronomie gefragt

Die Villinger Wollschweine von Andrej Babitz sind begehrt. Im Mai haben sie einen Fernsehauftritt im KiKA. Das Fleisch der Tiere wird man demnächst auch in der Gastronomie genießen können.
30. April 2019, 13:00 Uhr
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Von Ursula Sommerlad
In Villingen ist Hessens einzige Wollschwein-Zucht zu Hause. Die Herde ist mittlerweile auf über 70 Tiere angewachsen. (Archivfoto: us)

Das Wollschwein ist vom Aussterben bedroht. Aber nicht in Villingen. Dort vermehrt sich diese alte Haustierrasse munter weiter, denn hier leben die einzigen Wollschweinzüchter Hessens. Seit dem jüngsten Wurf ist die Herde der Familie Babitz auf über 70 Tiere angewachsen. Die Ferkelchen, die jetzt zur Welt gekommen sind, werden dreimal länger leben dürfen als andere Mastschweine. Erst nach eineinhalb Jahren unter freiem Himmel werden sie den Gang zum Schlachter antreten müssen. So ist der Plan von Andrej Babitz, seiner Partnerin Michaela Behnke und seiner Mutter Gisela Babitz-Koch, die mit ihren besonderen Tieren in den letzten Monaten ordentlich für Furore gesorgt haben.

Mit ihren Wollschweinen waren sie nicht nur in der Lokalpresse und im HR-Fernsehen präsent, sondern auch auf der Grünen Woche in Berlin. Und Ende Mai wird man Andrej Babitz auf KiKA, dem Kinderkanal, in einer neuen Folge von »Die beste Klasse Deutschlands« sehen können. Doch bei den Dreharbeiten im März stand nicht der Züchter im Mittelpunkt. Unbestrittene Stars für die 80 teilnehmenden Kinder waren vier Ferkel, die in einem Transporter Marke Eigenbau und mit einer Sondergenehmigung des Veterinäramtes den Weg ins Kölner Fernsehstudio angetreten hatten. Wichtiger aber als alle mediale Aufmerksamkeit war ein Schreiben, das am 20. März – ausgerechnet am »Tag des Glücks« – bei den Villinger Züchtern eingetroffen ist. Es enthielt die langersehnte naturschutzrechtliche Genehmigung für die Errichtung eines Doppel-Zaunes an der Wollschwein-Weide. Damit hat die Familie Babitz eine wichtige Hürde genommen und kann nun die Vermarktung des Wollschweine-Fleischs ins Visier nehmen.

Für Andrej Babitz, der im Hauptberuf einen Malerbetrieb in Bad Nauheim führt, war die Mast nie das primäres Ziel. Eigentlich hatten seine Partnerin und er die Schweinezucht eher als Hobby gedacht. Sie waren in die Villinger Hofreite des verstorbenen Großvaters gezogen, und dort gibt es einen Schweinestall. So entstand die Idee. Die Entscheidung für das Wollschwein, das auch Mangalitza genannt wird, fiel dann ganz bewusst, weil der Fortbestand dieser alten Haustierrasse gefährdet ist. Doch je mehr sich die frischgebackenen Tierhalter in das Thema einarbeiteten, desto klarer wurde ihnen: Um das Wollschwein zu erhalten, muss man es essen. Von dieser Erkenntnis war es nicht mehr weit bis zum Nebenerwerbsbetrieb, den Andrej Babitz gemeinsam mit seiner Mutter betreibt.

Was die Nachfrage angeht, so sieht er keine Probleme. Das stark marmorierte Fleisch, das reich ist an ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, erfreut sich steigender Beliebtheit. Womit Babitz und seine Mutter aber nicht gerechnet hatten, war das komplizierte Genehmigungsverfahren. Mehr als zehn verschiedene Gremien und Behörden mussten ihr Einverständnis geben. Größtes Hindernis war besagter Doppel-Zaun um die Wollschwein-Weide, den das Veterinäramt aus Gründen des Seuchenschutzes gefordert hatte. Für den Bau ist eine naturschutzrechtlichen Genehmigung nötig, und der hatte der Magistrat der Stadt Hungen zunächst sein Einvernehmen verweigert. Erst im dritten Anlauf stimmte er zu. »Wir haben Bedenken diskutiert, wollten dem Projekt aber letztlich nicht im Wege stehen«, sagt Bürgermeister Rainer Wengorsch auf Anfrage.

Jetzt will die Familie Babitz die Vermarktung angehen. Erste Erfolge sind zu vermelden. »Wir haben Hof Grass als Partner gewonnen«, berichtet Andrej Babitz. Auch andere Restaurants hätten Interesse gezeigt. »Aber soviel Fleisch können wir zunächst nicht liefern.« Anfangs will der Züchter lediglich ein Schwein pro Woche schlachten lassen. Später einmal könnten es sechs bis acht sein. Doch ehe das erste Tier zum Metzger kommt, muss Babitz eine lückenlose Kühlkette nachweisen können. Im Kühlhaus auf dem Hof sind noch einige Arbeiten zu erledigen. Wohl bis zum Sommer können sich die Wollschweine ihres Lebens auf der Weide sicher sein.

Am Freitag, dem 31. Mai, sind Hessens einziger Wollschwein-Züchter und vier seiner Ferkel in der neuen Staffel von »Die beste Klasse Deutschlands« im Vorabendprogramm des KiKA zu sehen. Die Sendung wird am folgenden Samstagmorgen in der ARD wiederholt.



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