17. Juli 2019, 22:02 Uhr

Von Seidenraupen und Maulbeeren

17. Juli 2019, 22:02 Uhr
Cornelia Maul (hintere Reihe, M.) präsentiert ihren Maulbeerbaum, ihr Vater Heinrich (vorn, 2. v. l.) steuert die passenden Erinnerungen bei. (Foto: la)

»Unser Dorf lebt und wächst in Vielfalt«: So lautete das Motto eines Wettbewerbes in Kooperation mit dem Landkreis Gießen und dem hessischen Kultusministerium, bei dem das »Team Bänkchen« des Sportvereines 1949 Hattenrod den 1. Preis errang. Mit dem Preisgeld in Höhe von 5000 Euro wurde im Frühjahr 2017 auf dem Friedhof in Hattenrod eine Begegnungsstätte geschaffen. Sinn einer solchen Begegnungsstätte ist es, Erinnerungen aus der Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, wenn Ältere über Sitten, Bräuche und Erlebnisse aus früheren Jahrzehnten informieren. Das »Team Bänkchen« war fortan mit der Pflege der Anlage beschäftigt. Nun kann der Wunsch auf, das Wettbewerb-Motto wieder einmal aufleben zu lassen.

Neuer »Input« mit alten Geschichten

Cornelia Maul hatte vor Jahren im Vorgarten des Hauses einen Maulbeerbaum gepflanzt, der nun im Mittelpunkt der Begegnung stand. Doch die Veranstaltung war mehr als nur ein Treffen. Das »Team Bänkchen« war mitsamt dem »Wanderbänkchen« aus der ersten Aktion erschienen. Cornelia Mauls Vater Heinrich ließ Erinnerungen aus der Vergangenheit aufleben, die für fast alle der zahlreichen Besucher völlig neu waren.

Eine aufmerksame Zuhörerin war auch Christa Launspach, die stellvertretende Vorsitzende der Heimatgeschichtlichen Vereinigung Reiskirchen und Sprecherin der HGV- Ortsgruppe Hattenrod. In Hattenrod gab es einst eine Seidenraupenzucht, die Heinrich Mauls Urgroßvater, Heinrich Balser I., von 1883 bis 1903 betrieb. Gegenüber von seinem Haus hatte er einen Garten, in dem ein großer Maulbeerbaum das Futter für die Tiere spendete. Doch die Seidenraupenzucht war auch noch vier Jahrzehnte später, in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, aktuell. Im kleinen Saal des Rathauses der Gemeinde Hattenrod gab es sogar eine Seidenraupenaufzucht. Junge Insekten wurden geliefert und dann aufgezogen bis zur Reife des Kokons. Die Firma, die die heranwachsenden Seidenraupen lieferte, nahm auch die Kokons ab. Die Schüler der örtlichen Volksschule mussten die Blätter der Maulbeersträucher als Futter sammeln. Davon gab es inzwischen auf dem Weg zum »Kuhtriebswald« eine ganze Menge. Hintergrund der Aktion während des Krieges war, dass man für einen Fallschirm etwa 15 000 Kokons benötigte. So dürfte die Aktion auf einen Runderlass vom Reichsminister für Wissenschaft und Erziehung zurückgehen, wonach in den Volksschulen Seidenraupen gepflegt und versorgt werden sollten.

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