28. März 2019, 08:54 Uhr

Waldschwimmbad

Waldschwimmbad Lich: Zukunft in Gefahr!

Das Waldschwimmbad gehört zu Lich wie das Kino Traumstern oder die Licher Brauerei. Doch nun ist die Zukunft fraglich.
28. März 2019, 08:54 Uhr

Das Waldschwimmbad gehört zu Lich wie das Kino Traumstern oder die Licher Brauerei. Seit 1937 steht das Bad für alle Besucher offen, und eine Stadt ohne das Waldschwimmbad können sich die meisten nicht vorstellen – doch genau dazu könnte es bereits nach der kommenden Saison kommen: Die Wasserversorgung des Waldsees ist derzeit nicht auf Dauer gewährleistet und »ohne Wasser gibt es auch kein Schwimmbad«, sagte der Vorsitzende des Vereins »Sport Erholung & Kultur« (SEK) Waldschwimmbad Lich, Joachim Siebert, während der Jahreshauptversammlung am Dienstagabend.

Aber der Reihe nach: Das Problem begann im August 2018, als eine Allgemeinverfügung des Fachdienstes »Wasser- und Bodenschutz« des Landkreises Gießen beim Verein einging. Darin wurde dem SEK untersagt, das Waldschwimmbad weiterhin mit Wasser zu versorgen. Bei Nichteinhaltung der Verfügung wäre ein Strafzahlung von 100 000 Euro fällig geworden. In Folge dessen sperrte der Licher Fürst als Besitzer des Grundstücks den Zulauf zum Albach, durch den das Bad mit Wasser versorgt wird.

 

Waldschwimmbad Lich: Badebetrieb 2019 ist gesichert

Seit Gründung des Waldschwimmbads 1937 wird das Wasser für dessen Betrieb aus dem Albach entnommen und durch den Waldsee geleitet, 600 Meter weiter wird das Wasser dann wieder in den Bachlauf eingeleitet. Die Folge des Versorgungsstopps für das Waldschwimmbad: Der Wasserstand sank um drei bis vier Millimeter pro Tag, höhere Wassertemperaturen sorgten für die Vermehrung von Blaualgen und schließlich zu schlechterer Wasserqualität.

So musste der SEK die Saison bereits zu Septemberbeginn vorzeitig beenden. Seitdem kämpft der Verein für eine neue Genehmigung im Hinblick auf die Wasserversorgung des Schwimmbads. Dabei gab es auch Unterstützung durch Bürgermeister Bernd Klein, der die Angelegenheit an den Landkreis trug.

Landrätin Anita Schneider schuf daraufhin eine eigene Zuständigkeit innerhalb der Unteren Wasserschutzbehörde, die sich nun mit dem komplexen Thema befassen wird. »Fest steht: Es gab nie eine Genehmigung für die Wasserentnahme für das Waldschwimmbad – aber es wurde über die gesamte Zeit geduldet«, erklärte Udo Liebich vom Landkreis Gießen. Er wurde von der Landrätin mit der Koordination der gesamten Angelegenheit beauftragt.

Doch in der fehlenden Genehmigung liegt nicht das eigentliche Problem, wie Liebich ausführt: »Durch den trockenen Sommer fiel der Stand des Albachs ab. Das wenige Wasser, das noch floss, ging dann ins Bad«. Dadurch fiel das 600 Meter lange Teilstück des Bachverlaufs um das Bad trocken.

Der Albach hat aber nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie einen besonderen Schutzstatus und darf nicht trockenfallen. So blieb der Unteren Wasserschutzbehörde nichts anderes übrig, als die Allgemeinverfügung anzuwenden. Aber das Problem ist auch zu einem gewissen Teil hausgemacht. Liebich: »Durch die vielen Großveranstaltungen der vergangenen Jahre ist der Bereich um das Waldschwimmbad verstärkt in den Blick der Naturschutzverbände und damit auch der Naturschutzbehörden geraten. Diese Veranstaltungen gefallen nicht jedem«.

 

Waldschwimmbad Lich: Wie geht es 2020 weiter?

Gemeinsam sucht man Lösungen. Mittlerweile hat auch der SEK beantragt, die Wasserversorgung wiederherstellen zu dürfen. Anfang 2019 ging eine vorläufige Genehmigung ein: Für die kommende Saison darf der Verein Wasser aus dem Albach entnehmen, die Zuleitung ist bereits geöffnet. Doch wie das 2020 aussehen wird, ist noch ungewiss.

Eine Möglichkeit, der derzeit nachgegangen wird, ist die Bohrung eines Grundwasserbrunnens auf dem Gelände des Waldschwimmbads. »So könnte sauberes Grundwasser ins Bad geleitet werden, das auch die Wasserqualität deutlich verbessern würde«, erklärte Liebich.

Doch der Brunnen kann vermutlich nicht die gesamte Wassermenge liefern, die das Bad für den Betrieb benötigt. Allein ein Durchfluss von zwei Litern pro Sekunde wird benötigt, um den Wasserschwund durch Verdunstung auszugleichen. Zusätzlich kämen so weitere laufende Kosten für den Betrieb der Pumpenanlagen auf den Verein zu.

Aber ein Brunnen könnte die Situation trotzdem deutlich entspannen. »Ohne einen Brunnen wird der Landkreis keine Gewährleistung des Badebetriebs übernehmen«, erläuterte Liebich, und: »Ein gesundes Miteinander zwischen Mensch und Natur muss hier gefunden werden«.

Derzeit läuft die geologische Untersuchung des Untergrunds im Licher Waldschwimmbad. Von deren Ergebnis dürfte ganz wesentlich auch die Zukunft der beliebten Freizeiteinrichtung abhängen.

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