19. April 2018, 18:00 Uhr

Alpaka-Zucht

Warum die Tiere aus den Anden so besonders sind

Vor acht Jahren kauften Tatiana und Claus Henseling ihre ersten vier Alpakas. Mittlerweile zählt die Herde der beiden Züchter aus Eberstadt 31 Tiere. Und sie soll weiter wachsen.
19. April 2018, 18:00 Uhr
Bilderbuch-Idylle hinter der Eberstädter Kirche: Dort sind die Alpakas von Tatiana und Claus Henseling zu Hause. (Fotos: us)

Desdemonas Vorfahren kommen aus Südamerika. Die bald vierjährige Alpaka-stute selbst aber ist eine echte Eberstädterin. Am 14. August 2014 kam sie auf der Weide von Tatiana und Claus Henseling zur Welt. Hauptberuflich betreiben die Eheleute ein Steuerbüro. Doch seit die beiden vor acht Jahren die ersten Alpakas zu sich holten, ist die Zucht dieser majestätischen Tiere aus den Anden ein wichtiger Teil ihres Lebens. Auf 31 Tiere ist die Herde mittlerweile angewachsen. Zehn Platzierungen, darunter drei erste Plätze, haben die Hessen-Alpakas bislang bei Zuchtschauen geholt. Auch Desdemona, die rosa-graue Schönheit, ist ein Siegertyp. Bei der Zuchteignungsprüfung (ZEP) erhielt sie in der höchsten Klasse A 99 von 100 möglichen Punkten. »Das macht einen schon stolz«, sagt die Züchterin.

Liebe auf den ersten Blick

Tiere haben für die Henselings schon immer eine Rolle gespielt. Aber die Alpakas, das war Liebe auf den ersten Blick. »Wir haben im Fernsehen eine Reportage über einen Züchter gesehen und sind schon am nächsten Tag hingefahren. Eine Stunde später hatten wie den Kaufvertrag abgeschlossen«, erinnert sich Tatiana Henseling an die Anfänge. Und sie bestätigt, was auch andere Züchter immer wieder betonen: Ein tiefer Blick in die Augen dieser friedlichen Tiere, und schon ist es um einen geschehen. »So ist es wirklich«, sagt die Expertin aus Eberstadt.

Mit dem Kauf der ersten Tiere war es aber lange noch nicht getan. In Seminaren erwarben die Henselings die nötigen Kenntnisse. Erst dann, nach mehreren Monaten, holten sie die Tiere auf ihre zwei Hektar große Weide. Mittlerweile sind die Eheleute Spezialisten; Claus Henseling wurde jüngst in den Vorstand des Alpaka Zucht Verbands Deutschland (AZVD) gewählt. Der ist mit über 500 Mitgliedern und mehr als 200 angeschlossenen Betrieben des größte in Europa.

Was die Zucht angeht, so mussten die Henselings von Anfang an dicke Bretter bohren. Sie halten nicht nur Hucayas, sondern auch die viel selteneren Suris, deren gelocktes Vlies so schön glänzt. Aber von dieser Rasse gab es nur wenig Tier. Um Inzucht zu vermeiden, mussten die Eberstädter genau aufpassen, welche Stute sie mit welchem Hengst paaren. Inzwischen können sie selbst drei Deckhengste, die beiden Suris Dionys und Apollon und den Hucaya Nelson, anbieten.

Geburten bei Sonnenschein

Mit der Fortpflanzung ist das bei den Alpakas übrigens so eine Sache. Künstliche Befruchtung funktioniere nicht, erläutert Tatiana Henseling. Hengst und Stute müssten zueinander finden, denn erst die Bemühungen des Vaters in spe und die Töne, die er dabei produziert, stimulierten den Eisprung. »Eine Art Jodeln«, so beschreibt Claus Henseling den Hengstgesang, der schon mal eine halbe Stunde dauern kann.

Ist es zur Befruchtung gekommen, sind die Stuten 345 Tage lang trächtig. Und wenn es zum Zeitpunkt der Geburt regnet, eventuell noch ein paar Tage länger. »Alpakas haben kurze Zungen und können ihre neugeborenen Fohlen nicht trocken lecken«, erläutert Claus Henseling. Dass die Kleinen bevorzugt bei Sonnenschein zur Welt kommen, haben die beiden Eberstädter schon mehrfach beobachtet. »Am schönsten ist es, wenn man früh auf die Weide kommt und ein Neugeborenes in der Morgensonne liegt«, erzählt der Züchter.

 

Schlachtung in Europa verpönt

 

Im vergangenen Jahr aber sind in Eberstadt keine Fohlen geboren worden. Die Züchter mussten sich Gedanken um Zukunft ihrer wachsenden Herde machen. In Südamerika sind Alpakas landwirtschaftliche Nutztiere, die auch geschlachtet werden. »Das ist in Europa verpönt«, sagt Tatiana Henseling klipp und klar. Hier werden die Tiere zur Zucht verkauft, außerdem verwendet man das Vlies. Strickgarn von den Henseling’schen Hessen-Alpakas, das in einer Wollmühle in der Oberpfalz versponnen wird, kann man zum Beispiel im Eberstädter Dorfladen erwerben. »Das ist der Nelson«, sagt Tatiana Henseling und nimmt ein tiefschwarzes Knäuel in die Hand.

Um breitere Vertriebswege will sich künftig eine Genossenschaft bemühen, der auch die Henselings beitreten möchten. In der Gemeinschaft könnten die Fasern dann auch in größeren Mengen für die Produktion von hochwertigen Stoffen, Decken und Kissen vermarktet werden. Aber unabhängig von diesen Plänen ist eines schon entschieden: »In diesem Jahr wollen wir wieder decken lassen«, sagt Tatiana Henseling. Und so werden, wenn alles gut geht, 2019 erneut süße Alpaka-Fohlen in die Eberstädter Sommersonne blinzeln. www.hessen-alpakas.de

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anden
  • Hengste
  • Lich
  • Ursula Sommerlad
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos