06. Oktober 2019, 20:02 Uhr

Wenn Yggdrasil auf der Couch sitzt

06. Oktober 2019, 20:02 Uhr
Unerwarteter Besuch: Yggdrasil (Mitte) macht es sich im Wohnzimmer der Familie Schmitt bequem. (Foto: nab)

Ab sofort treibt Yggdrasil sein Unwesen auf den Bühnen der Region. Wobei Unwesen gar nicht das richtige Wort für den sympathischen Weltenwandler ist, der der neuesten Produktion des Hungener Hinterhoftheaters (H²T) seinen Namen gibt. Sie stammt aus der Feder von Flo Röhrich, der sich nicht nur die Komödie für die ganze Familie ausdachte und Regie führte, sondern auch noch in die Rolle der Märchenfigur schlüpfte.

»Yggi« ist eine Mischung aus einer gewaltigen Zimmerpflanzen und einem Mensch gewordenen Busch und gleicht auch ein wenig dem Wesen »Bigfoot«. Yggdrasil wandelt durch die Welten, ist das personifizierte Gute und saugt alles Schlechte auf. Das hat aber auch zur Folge, dass je länger er in einer Welt ist, sie ihn desto mehr verändert. Was im Laufe der Handlung noch zu Turbulenzen führt.

Werbeslogans aus dem TV

Doch zunächst einmal steht Yggdrasil plötzlich mitten im Wohnzimmer von Vera Schmitt (Andrea Etzold, Claudia Sperling). Die alleinerziehende Mutter lebt zusammen mit ihrer Tochter Luna (Edjan Uhlmann, Juliette Jekov) und ihrer esoterisch-durchgeknallten Schwester Melanie Zimmermann (Charlotte Kuczera, Svenja Geißler), die Samsara genannte werden will, in einer Kleinstadt. Luna steckt am liebsten ihre Nase in Märchenbücher, während Mutter Vera finanzielle Probleme hat und kurz davor steht, das Haus ihres verschollenen Ehemanns Rolf zu verlieren. Samsara widmet sich unterdessen der babylonischen Duftkerze. Yggdrasil nimmt also vor dem Fernseher Platz, wo er allerlei Werbeslogans und Zitate aus dem TV aufsaugt.

Als sich die Handlung zuspitzt, dann auch noch auf der einen Seite Rumpelstilzchen, Rotkäppchen und ein Löwenkopfkaninchen auftauchen und auf der anderen Seite neugierige Nachbarn, eine Dame der Tierschutzbehörde, der Kredithai Peter Gauner (Brit Rein, Susanne Wieseke) und die Polizei vor der Tür stehen, tut sich plötzlich eine neue Spur zum vermissten Familienvater auf.

Fast 30 Leute sorgen in Doppelbesetzung der Rollen vor und hinter der Bühne dafür, dass die Komödie tatsächlich ein Spaß wird.

»Yggdrasil« ist schon das vierte Stück, dass die Laienschauspieler aus der Feder Röhrichs auf die Bühne bringen. Zuvor zeigten sie seine Version von »Robin Hood«, »2066 - Außer die Irdischen«, und »Weihnachten ante Portas«. Im vergangenen Jahr war die Truppe, die sich 2011 aus Lust am Spielen zusammengefunden hat, und sich mit dem Schauspielern einen Kindheitstraum erfüllt, mit Sebastian Fitzeks »Die Therapie« auf Mittelhessen-Tournee gegangen.

Auch wenn die meisten Darsteller wenig Bühnenerfahrung mitbringen, ist es dem Hinterhoftheater bei der Premiere in der Aula der Gesamtschule Hungen gelungen, seinem Anspruch gerecht zu werden und mit einer Komödie die Zuschauer bestens zu unterhalten. Ein großer Pluspunkt: Man merkt den Mitgliedern des Ensembles die Freude an, die sie bei dem haben, was sie tun.

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