18. November 2019, 22:16 Uhr

Wenn der Platz weniger wird

18. November 2019, 22:16 Uhr
Westlich von Ruttershausen wird zurzeit durch ein Planungsbüro geprüft, ob sich eine insgesamt 21 Hektar große Fläche von der Wißmarer Straße (Bildmitte) hangaufwärts zum Hellenberg als Baugebiet eignet. Über die Notwendigkeit dieses Flächenverbrauchs (Grünland, Äcker) wird derweil heftig gestritten. (Foto: vh)

In den 80er Jahren hatte die Stadt Frankfurt noch 600 000 Einwohner und die meisten Leute auf der Suche nach Bauland oder Wohnungen zog es ins Umland. Das aktuelle Bevölkerungswachstum kehrte diesen Trend um. Im Rhein-Main-Gebiet herrscht nun Siedlungsdruck verbunden mit Zunahme von Gewerbeansiedlungen und Verkehrsflächen.

Weiter nördlich in Mittelhessen gibt es momentan überwiegend Landwirtschaft und Wald. Gewerbetreibende und Investoren schielen jedoch herüber, denn es gibt hier zwei Autobahnen (A 5, A 45) und die Nähe zu Rhein-Main sowie günstigere Grundstückspreise. Die Grünen im mittelhessischen Raum sorgen sich um den Fortbestand der Lebensqualität.

Ende September hatten sie anlässlich einer Zusammenkunft in Grünberg das Projekt »Zukunftswerkstatt Mittelhessen« mit fünf Themenbereichen beschlossen. Die Auftaktveranstaltung zum Bereich »Wohnen, Flächenentwicklung und Siedlungsökologie« besuchten jetzt 30 Teilnehmer. Der Arbeitskreis Lumdatal-Grüne hatte Frank Bernshausen als Referent in den Lollarer »Mühlenhof« bestellt. Diplom-Biologe Bernshausen, selbstständiger Umweltplaner in Hungen, vertritt die Grünen seit 25 Jahren im Stadtparlament und ist seit vier Jahrzehnten im NABU aktiv.

Er verdeutlichte den Zwiespalt. Einerseits gebe es Wohnungsnot und steigende Immobilienpreise auch im erweiterten Speckgürtel der Städte. Wenn jedoch der Trend von Rhein-Main künftig hier Schule mache, führe das zu einem Flächenfraß auf Kosten der Landwirtschaft. Die Landschaft insgesamt verändere ihr Gesicht, »wenn wir nicht aufpassen«.

Grundsteuer C im Spiel

Durch Versiegelung gingen Böden auf großer Fläche verloren und somit deren Eigenschaften für nachhaltiges Leben. Neben dem Verlust von Anbaufläche fehle der Boden als Puffer bei starker Wärmebelastung und Überschwemmungen. Klimaausgleichende Faktoren des Bodens würden einfach ausgeblendet, es gebe dafür keinen politischen Plan. Die verminderte Grundwasserneubildung sei heute schon »dramatisch«, gesundheitliche Probleme insgesamt zu befürchten.

Bernshausen nannte Vorschläge zur Verminderung großer Neubauflächen. Es bedürfe des politischen Willens und angepasster rechtlicher Vorgaben. Günter Muhly (Allendorf/Lumda) ergänzte: »Wir können nicht mit der Bürokratie von gestern die Zukunft gestalten«. Zunehmend diskutierte die Versammlung nun über Nachverdichtung (Schluss von Baulücken, ungenutzte Gebäude zu Wohnraum), Aufstocken von Gebäuden, kompaktes Bauen oder Belüftung von Siedlungsflächen mit mehr Vegetationsanteil.

Der Referent brachte auch die Grundsteuer C ins Spiel, zu bezahlen auf unbebaute Grundstücke und leer stehende Wohnungen. Gerhard Born (Lollar) wusste, die habe es zuletzt 1961/1962 gegeben. In Lollar lägen 42 unbebaute Grundstücke im Innenbereich brach. Born fragte, ob die in Arbeit befindliche Neuregelung der Grundsteuern auf diese Steuerart zurückgreife.

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