01. November 2018, 18:00 Uhr

Öko-Trend

Wie ein Saasener Landwirt seinen Hof auf Bio umstellt

Er will nicht die Welt retten, aber er will von seiner Arbeit wieder vernünftig leben können. Deshalb stellt der Saasener Landwirt Peter Stark seinen Betrieb auf Bio um.
01. November 2018, 18:00 Uhr
Es sind die letzten Kühe, die Peter Stark für die Familie Görlach in Eberstadt aufzieht. Ab nächsten Herbst tut er das für einen Biobauern, denn der 42-Jährige stellt seinen Betrieb auf dem Wirberg auf ökologische Erzeugung um. (Foto: ti)

Insgesamt 215 Hektar Boden rund um den Wirberg bewirtschaftet Peter Stark mit seiner Familie. 90 Hektar davon sind Grün-, 125 Hektar Ackerland. Außerdem hat er fast 20 Jahre das Jungvieh für die Görlachs aus Eberstadt aufgezogen, nachdem die eigene Milchkuhhaltung 1999 aufgegeben worden war. Das ist jetzt vorbei, denn die Starks wollen die konventionelle Landwirtschaft auf Bio-Produktion umstellen.

Damit liegen die Saasener im Trend. »Die Anzahl der Biobauern ist in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen«, sagt Peter Weber, Pressesprecher des hessischen Bauernverbandes. Rund 2100 Biobauern gibt es derzeit in Hessen, das sind 13 Prozent. Sie bewirtschaften etwa 105 000 Hektar, also 13,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen. 2013 waren es noch 1763 Ökobetriebe (10 Prozent).

 

Öko ist im Trend

Als Gründe für den Zuwachs nennt Weber die intensive Förderung seitens des Landes – die schwarz-grüne Regierung hatte vor fünf Jahren einen Öko-Aktionsplan ins Leben gerufen – sowie die erhöhte Nachfrage bei den Verbrauchern. Weber: »Früher waren Bio-Erzeugnisse nur im Reformhaus zu bekommen, heute gibt es sie auch im Lebensmitteleinzelhandel, sogar bei den Discountern.«

Mit Trends hat die Veränderung auf dem Hof Wirberg allerdings wenig zu tun. Es sind vielmehr finanzielle Aspekte, die Peter Stark und seine Frau Ivonne zum Umdenken bewogen haben.

Wir stellen nicht auf Bio um, weil wir denken, dass wir damit die Welt retten, sondern weil es konventionell nicht mehr funktionier

Peter Stark

»Wir stellen nicht auf Bio um, weil wir denken, dass wir damit die Welt retten, sondern weil es konventionell nicht mehr funktioniert«, erklärt Stark, der den Familienbetrieb in fünfter Generation führt und eigentlich nie vorhatte, Biobauer zu werden.

Seit 20 Jahren ist er im Geschäft, 2004 hat er den Hof von seinem Vater übernommen, der damals 65 wurde und nach der Übergabe weiter mit anpackte. Ebenso wie seine Frau. Doch mittlerweile gehen Peter Starks Eltern auf die 80 zu, den Großteil der Arbeit übernimmt das junge Paar. Fällt einer von beiden aus, ist das ein Problem. An längere Urlaube ist gar nicht zu denken. Und Personal? Das können sich die Starks nicht leisten.

Doch es gibt einen weiteren Grund, der sie dazu bewog, sich für Bio zu entscheiden. Die zahlreichen Weisungen, denen Landwirte unterliegen, machen ihnen zu schaffen. Ob Düngemittelverordnung oder Pflanzenschutzauflagen – es gibt immer mehr Einschränkungen. Stark: »Das ganze System der konventionellen Landwirtschaft ist krank, und deshalb sehen wir darin keine Zukunft.« Ein halbes Jahr lang wurde überlegt, im Frühjahr fiel die Entscheidung.

 

Umstellung dauert zwei Jahre

Von heute auf morgen ist eine Umstellung auf ökologische Landwirtschaft allerdings nicht möglich. Es dauert drei Jahre, bis der Bauer die erste reine Bioernte einfahren kann. Im April schloss sich der 42-Jährige einer Öko-Kontrollstelle an.

»Das ist der erste Schritt«, sagt er. Im Mai begann er auf dem Grünland mit der Umstellung, auf den Äckern zwei Monate später. Seitdem dürfen dort keine mineralischen Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel mehr eingesetzt werden. Stattdessen kommen Mist und Gülle auf den Boden, außerdem verwendet Stark Zwischenfrüchte zur Düngung.

Im kommenden Jahr kann der Bauer die sogenannte Umstellungsware ernten, die aber nur als Futter eingesetzt werden darf. Pflanzen wird Stark wie bisher Ackerbohnen, Weizen, Gerste und Hafer. Neu auf seinen Feldern werden Triticale (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Kleegras sein. Letzteres fungiert ebenfalls als Dünger, weil es dem Boden Nährstoffe zuführt.

Was die Jungtieraufzucht angeht, müssen sich die Starks einen neuen Partner suchen. Einen Biobetrieb, versteht sich. »Ab nächsten Herbst werden wir keine konventionellen Kühe mehr auf dem Hof haben«, sagt der dreifache Vater.

Glück für ihn: Seine Stallungen sind bereits biotauglich. An dieser Stelle muss Stark also nicht investieren. Dafür an anderer. Er hat sich bereits eine Hackstriegel zugelegt, denn künftig muss er mit ihr unliebsames Grün auf seinen Feldern entfernen, weil Unkrautvernichter tabu sind.

 

Andere Arbeitszeiten

Auch mit dem Pflug wird er wieder regelmäßig unterwegs sein. Ansonsten ändert sich wenig an seinem Arbeitsalltag. »Nur der zeitliche Schwerpunkt wird sich verschieben«, sagt er. Während – abgesehen von der Ernte – konventionelle Landwirte vor allem im April und Mai zu tun haben, sind die Biobauern im Herbst stärker im Einsatz.

Neu sind auch die Besuche seitens der Kontrollstelle. In regelmäßigen Abständen wird der Hof Wirberg überprüft, einmal im Jahr kommen die Kontrolleure unangemeldet. Jede Veränderung ist anzugeben. Bleibt zu hoffen, dass die Rechnung aufgeht und der Biobetrieb auch der sechsten Generation auf dem Traditionshof die Zukunft sichert.

Info

Fünf Generationen, ein Hof

In fünfter Generation bewirtschaftet die Familie Stark mittlerweile den Hof Wirberg. Der erste war Peter Stark (II.), der ursprünglich aus Saasen stammte. Er heiratete 1882 Anna Elisabeth Köhler, deren Familie zuvor auf dem Hof gelebt hatte. Ihr Sohn Wilhelm (III.) Stark begann 1922 eine Rinder- und Schweineherdbuchzucht und gehörte damit zu den ersten organisierten Schweinzüchtern Oberhessens. Von ihm übernahmen sein gleichnamiger Sohn und dessen Ehefrau Lina 1957 den Hof. Dieser Wilhelm war 46 Jahre Organist des Kirchspiels Wirberg. Er starb 1981. Auch sein Sohn, wieder ein Wilhelm Stark, wurde Landwirtschaftsmeister, ebenso wie dessen Sohn Peter, der den Hof heute betreibt.

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