Kreis Gießen

Wie tragfähig ist der Boden?

Was steckt im Boden? Diese Frage beschäftigt Bauherren nicht nur, wenn sie auf einem ehemaligen Industriegrundstück ein Haus errichten möchten. Auch beim Bauen auf einem normalen Acker ist es wichtig, den Boden zu kennen.
19. Juli 2019, 22:23 Uhr
Patrick Dehnhardt

Was steckt im Boden? Diese Frage beschäftigt Bauherren nicht nur, wenn sie auf einem ehemaligen Industriegrundstück ein Haus errichten möchten. Auch beim Bauen auf einem normalen Acker ist es wichtig, den Boden zu kennen.

Diplom-Ingenieur Uwe Heinze vom Hungener Erdbaulaboratorium Tropp-Neff und Partner hat schon zahlreiche Grundstücke untersucht. Was der Laie als Bodengutachten bezeichnet, unterteilt sich in »Baugrunderkundung« und »Gründungsbeurteilung«.

Bei letzterer wird untersucht, wie tragfähig der Boden ist. Je nachdem, ob man in einem Meter Tiefe auf eine Basaltschicht trifft oder es sich um Sandboden handelt, müssen Architekt und Statiker das Fundament, Kellerwände und die Bodenplatte anpassen. »Der Statiker braucht unsere Gutachten, um die Fundamente tragfähig zu bemessen«, sagt Heinze. Außerdem erkennt man hierbei, ob man beim Ausheben der Baugrube auf Grundwasser treffen wird. Denn dann muss man sich im Vorfeld bereits Gedanken machen, wie die Baugrube trocken gehalten und die Wände abgedichtet werden.

Kataster mit Altablagerungen

Um die Böden zu untersuchen, wird mittels Kleinrammbohrung eine Hohlsonde in die Erde getrieben. Wenn ein Wohnhaus gebaut werden soll, wird in der Regel fünf Meter tief sondiert. Damit man nicht zufällig den einzigen Steinklumpen auf der ganzen Fläche aufspürt und auf diesen dann das Gutachten stützt, wird an mehreren Stellen sondiert. Die »fünf Meter Erde am Stück« werden dann auf die Zusammensetzung der einzelnen Schichten untersucht.

Im Vogelsberg findet man dabei auch auf einem normalen Acker Schwermetalle. Durch den Vulkanismus sind sie in den Boden gekommen. Für den Menschen ist dies nicht weiter gefährlich. »Man muss es aber bei der Entsorgung berücksichtigen«, erklärt Heinze. »Ohne den Nachweis, was da drin ist, bekommen sie ihren Aushub nicht mehr los.«

Denn die Erddeponien sind in verschiedene Klassen unterteilt, - wie stark der Boden belastet sein darf, der bei ihnen abgeladen werden darf. Zudem richtet sich danach auch, was die Entsorgung kostet.

Rund 40 verschiedene Parameter werden bei der Analyse erfasst. Eine DIN-Norm gibt vor, wie die Untersuchungen abzulaufen haben, damit vergleichbare Werte herauskommen. Das braucht seine Zeit: Rund fünf Tage vergehen, bis die Ergebnisse feststehen. Wer in einem Neubaugebiet einen Bauplatz erwirbt, braucht sich in der Regel über eine unbekannte Schadstoffbelastung keine Sorgen zu machen, erklärt Heinze. »Das wurde im Bebauungsplanverfahren beprobt.«

Geht es jedoch um seit Jahrzehnten freie Baulücken in Ortszentren oder Flächen, auf denen früher Industrie, Tankstellen oder andere Betriebe ihren Standort hatten, sollte man vorsichtig werden. »Da wundert man sich etwa, warum es ein nicht bebautes Grundstück gibt. Und dann ist es ein verfüllter Teich und die Frage ist: Was wurde da reingekippt?«, sagt Heinze. »Wenn man ein Grundstück kaufen will, auf dem gewerbliche Nutzung war, sollte man einen Experte zu Rate ziehen.« In solch einem Fall lohnt es sich, dass sich Verkäufer und Käufer auf eine Voruntersuchung der Fläche einigen.

Früher hatte jedes Dorf mehrere Mülldeponien. Den Satz »Da liegen ganze Autos drin« und »Da wurde jeder Dreck reingekippt« hört man immer wieder. Heinze hat in den 1990er Jahren miterlebt, wie diese Müllkippen intensiv recherchiert und erfasst wurden. Im Altablagerungskataster sind diese Flächen erfasst, inklusive ihres möglichen Gefährdungspotenzials. Wenn im Bebauungsplan nichts verzeichnet ist, kann man als Bauherr beim Regierungspräsidium die Information kostenpflichtig anfordern.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Wie-tragfaehig-ist-der-Boden;art457,612906

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