31. März 2017, 13:00 Uhr

Großgemeinde

Wie wäre es mit Heuchelbach und Kinzenheim?

Vor 50 Jahren wurde eine der ersten Großgemeinden begründet. Welche Namen damals im Gespräch waren, warum es bei Heuchelheim blieb und wie alles begann, erfahren Sie hier.
31. März 2017, 13:00 Uhr
Eine Heuchelheimer »Schokoladen-Ansicht«: »Nussbaum-Neidels« Hof und dahinter die Martinskirche. (Foto: so)

Groß-Heuchelheim, Lahnau, Biebertal, Bieberau, Bölzdorf, Großlahneck, Heuchelbach, Kinzenheim oder Hessenpreuß – es waren schon interessante und teils zukunftsträchtige Vorschläge dabei, als die Bürger von Heuchelheim und Kinzenbach im Februar 1967 um Ideen gebeten wurden, wie die neue Großgemeinde denn heißen könnte. Biebertal und Lahnau sollten nur wenig später ganz in der Nähe zu Ehren kommen.

Die Kläranlage - eines der frühen Bindeglieder der Dörfer. (Foto: kim)
Die Kläranlage - eines der frühen Bindeglieder der Dörfer. (Foto: kim)

Denn es war etwas Besonderes, ein historisches Ereignis, als sich die beiden bis dato selbstständigen Gemeinden Heuchelheim und Kinzenbach freiwillig auf einen Zusammenschluss mit Wirkung zum 1. April 1967 verständigten – etliche Jahre, bevor dies landauf, landab in einer Gebietsreform praktiziert wurde. Zumal die Ortschaften zu zwei verschiedenen Kreisen und zwei verschiedenen Regierungsbezirken (Darmstadt und Wiesbaden) gehörten und die »Ehe« per Landesgesetz vollzogen wurde.

Ein weiteres Bindeglied: die Wilhelm-Leuschner-Schule. (Foto: so)
Ein weiteres Bindeglied: die Wilhelm-Leuschner-Schule. (Foto: so)

Seit dem 8. Jahrhundert bis zum Jahre 1585 gehörten beide Gemeinden zum gemeinen Land an der Lahn, das dann nach langjährigen Streitigkeiten zwischen der Landgrafschaft Hessen und Nassau-Weilburg geteilt wurde. Heuchelheim wurde hessisch und Kinzenbach nassauisch – eine Trennung in der Landesherrschaft auf bald 380 Jahre.

Info

Feierstunde am 1. April

Die Gemeinde hat Geburtstag: Zu einer Feierstunde zum 50-jährigen Bestehen von Heuchelheim wird am morgigen Samstag, 1. April, um 10.30 Uhr ins Mehrzweckgebäude am Blumenring in Kinzenbach eingeladen. Der Kulturring hat dort eine Ausstellung zur Geschichte der Gemeinde arrangiert. Die Veranstaltung ist öffentlich; Eintritt frei.

Beide Dörfer verbanden seit 1964 Zweckverbände zum Bau und Betrieb der Wilhelm-Leuschner-Schule und zum Bau der Gruppenkläranlage, die 1967 in Betrieb ging und an die Kinzenbach zwischen 1967 und 1970 angeschlossen wurde. Zudem gab es den Wunsch nach einem Hallenbad, den gemeinsamen Anschluss an die Trinkwasser-Fernleitung, ein neues Rathaus. Das alles machte den Kommunalpolitikern das Zusammengehen leichter – zumal der langjährige Kinzenbacher Bürgermeister Richard Leukel 1966 aus Altersgründen in den Ruhestand trat.

Zigarrenfertigung war ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. (Foto: Archiv)
Zigarrenfertigung war ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. (Foto: Archiv)

Was verband die Dörfer noch? Der Heuchelheimer Bürgermeister Otto Bepler war gebürtiger Kinzenbacher. Er amtierte auch in der Großgemeinde, bis diese 1977 für zweieinhalb Jahre in der Stadt Lahn aufging. An Otto Bepler († 2005) erinnert heute eine Straße im Neubaugebiet »Auf der Bölz« zwischen Heuchelheim und Kinzenbach. Mit Neubildung der Großgemeinde 1979 wurde der Freie Wähler Adolf Menges Bürgermeister. Ihm folgten 1985 bis 1997 Willi Marx, dann bis 2009 Helmut Fricke (beide SPD) und seit 2009 Lars Burkhard Steinz (CDU). Das Miteinander funktioniert, gleichwohl gibt es hier und da immer wieder mal Konfliktpotenzial.

Und wie war das letztlich mit dem Namen anno 1967? Heuchelheim-Kinzenbach hatten die beiden Gemeindevertretungen als Doppelnamen im September 1966 beschlossen. Doch das wurde vom Innenausschuss des Hessischen Landtages als zu lang abgelehnt. Vor Ort konnte man sich nicht einigen. Letztlich fiel die Entscheidung in Wiesbaden zugunsten von Heuchelheim – und in Kinzenbach trugen die Ortsschilder den lokalen Namenszusatz.

Meinung

Es braucht noch Zeit

Von Vernunftehe wurde bei der Gründung der Großgemeinde gerne gesprochen. Da ist was dran: Viel Verbindendes gibt es – aber eine richtige Liebesbeziehung habe ich in den vergangenen Jahren nicht beobachten können.
Der Streit zwischen den Bürgern beider Dörfer um die gemeinsame Nutzung des Waldes geht zurück ins 16. Jahrhundert, ist mithin Geschichte. Dennoch: Es gibt – ungeachtet aller Gemeinsamkeiten – bis heute Trennendes. Beispiele gefällig? Die beiden großen Sportvereine tun sich schwer im Miteinander, sodass letztlich zwei Kunstrasenplätze gebaut wurden. Es gibt eine eigene Kinzenbacher »Partei«, ehedem gegründet aus der Sorge heraus, die Interessen des Dorfes und seiner Vereine nicht gebührend berücksichtigt zu sehen. Und wird in einen Ortsteil investiert, so wird aus dem anderen schon genau hingeschaut, ob denn auch alles gerecht zugeht. Aber ähnliches kennt man auch andernorts: In Krofdorf und Wißmar, in Alten- und Großen-Buseck, in Linden und Leihgestern…
Insofern bin ich geneigt, die Besonderheiten zu verbuchen unter dem Stichwort »Bewahren lokaler Identität«. Das Zusammenwachsen braucht eben seine Zeit. Zwei Generationen sind gerade mal vergangen seit 1967, vielleicht bedarf es einer dritten und vierten. (Von Rüdiger Soßdorf)

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