Die Filmemacher Karin Kaper und Dirk Szuszies sind seit gut zwei Jahren mit ihrer Dokumentation »Wir sind Juden aus Breslau« international unterwegs. Dabei legen sie großen Wert darauf, dass der Film auch in Schulen vorgeführt wird. Denn Fremdenhass und Verfolgung sind Themen, die aktueller sind denn je, machte Regisseur Szuszies bei einer Matinée am Sonntag im Kino Traumstern deutlich.

»Wir sollen nicht denken, wir können uns zurücklehnen und die Vergangenheit bewältigen«, sagte Szuszies. Gerade auch weil der Film zeige, wohin die Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt.

Auch die Protagonisten des Films, zu denen Szuszies weiterhin Kontakt hält, seien erschrocken über das, was sich in Deutschland und in anderen Ländern abspiele, machte der Filmemacher mit Blick auf die »braune Welle« in Europa deutlich, wo Populisten das Nationale ins Nationalistische treiben. »Wegschauen oder wegrennen darf nicht sein. Diesen Menschen muss man sich entgegenstellen«, forderte der 62-Jährige im anschließenden Filmgespräch.

Die Dokumentation »Wir sind Juden aus Breslau« dreht sich um vierzehn jüdische Frauen und Männer die in Breslau ihre Kindheit und Jugend verbracht haben. Sie waren Juden deutscher Nationalität, der Großvater kämpfte im Deutsch-Französischen Krieg, der Vater für Deutschland im Ersten Weltkrieg. Von den 20 000 Juden in Breslau waren nur zehn Prozent polnischer Staatsangehörigkeit. Breslau war nach Berlin und Frankfurt die drittgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland.

Die Protagonisten wurden Mitte der 1920er Jahre geboren - und haben noch deutliche Erinnerungen an die Geschehnisse. Sie beschreiben, wie sie als Kinder in der Schule plötzlich ausgegrenzt werden. Und sie berichten von der Reichspogromnacht. Manchen von ihnen gelang die Flucht nach Palästina oder Amerika. Andere hingegen - wie die Schwestern Lasker - mussten miterleben, wie die Eltern deportiert wurden. Nach Inhaftierungen kamen auch sie nach Auschwitz und überlebten.

Appell zur Europawahl

Es sind eindrucksvolle Schilderungen, die die Filmemacher nicht kommentieren und für sich stehen lassen. Archivmaterial, private Fotos und Dokumente sowie Filmaufnahmen aus dem heutigen Breslau illustrieren immer wieder Erinnerungen und Schicksale der älteren Menschen, von denen mittlerweile vier nicht mehr leben.

Hauptaufgabe des Kinofilms sei, ein Generationenporträt zu erstellen, erläuterte Szuszies. Bis heute habe eher das Schicksal deutscher Vertriebener im Vordergrund von Dokumentationen gestanden. Auch in Polen habe man indes wenig Interesse daran gehabt, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Zwar sei die jüdische Gemeinde in Breslau nach dem Krieg wieder auf knapp 20 000 Mitglieder gewachsen, doch sorgte Antisemitismus dafür, dass heute maximal nur noch 2000 Juden in ganz Polen leben.

Im Gespräch mit den Zeitzeugen, so berichtet der Regisseur, sei immer wieder deutlich geworden, dass diese die Zuschauer des Films nicht mit einem miesen Gefühl nach Hause gehen lassen wollen. Sie hätten gesagt: »Genießt das Leben. Aber passt auf, dass dies in Würde für alle geschieht.«

Zu der Matinée hatten das Traumstern, die Jugendförderung und der Ausländerbeirat des Kreises eingeladen. Dessen Vorsitzender Tim van Slobbe betonte, wie wichtig es sei, dass Holocaust und Judenverfolgung nicht vergessen werden. Man müsse auch die anstehende Europawahl als Chance sehen, gegen rechtsextreme und nationalistische Tendenzen etwas zu unternehmen. (Foto: nab)

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