29. März 2019, 13:00 Uhr

Bauland

Wird sich die Einwohnerzahl von Ruttershausen verdoppeln?

In Ruttershausen sollen in den nächsten Jahrzehnten 21 Hektar Bauland ausgewiesen werden. Die Einwohnerzahl könnte sich so verdoppeln. Bürgermeister Wieczorek sagt, der Bedarf ist da.
29. März 2019, 13:00 Uhr
Binnen Jahrzehnten könnte abschnittsweise am Ortsrand von Ruttershausen und Odenhausen in Richtung Wißmar ein insgesamt 21 Hektar großes Neubaugebiet (braune Fläche) mit rund 200 Bauplätzen entstehen. Es zöge sich von der Landesstraße L 3093 (Betrieb Weimer) hangaufwärts bis zur Odenhäuser Lützelbergstraße. (Repro: vh)

Bildhaft gesprochen könnte binnen weniger Jahrzehnte am Ortsrand von Ruttershausen ein Ort neben dem Ort in Richtung Wißmar entstehen. Die Stadt Lollar plant in Abschnitten die Ausweisung von insgesamt 21 Hektar Neubaufläche. Rund 200 Bauplätze könnten dort Platz finden. Die Einwohnerzahl von Ruttershausen könnte sich im Extremfall fast verdoppeln.

Das auszuweisende Bauland ist momentan landwirtschaftlich genutzte Fläche und erstreckt sich zwischen der Landesstraße L 3093 (Betrieb Weimer), führt hangaufwärts entlang des Rosenwegs, der Hellenbergstraße, hoch bis zum Klinkgraben am Ortsrand von Odenhausen und endet an der Odenhäuser Lützelbergstraße.

Dem städtischen Bauausschuss stellten Cathrin Ferber (Planungsbüro Fischer) und Helge Hessler (Ingineurbüro Zick-Hessler) eine Machbarkeitsstudie zur möglichen Baugebietsentwicklung vor. Der Ausschuss fasste einstimmig den Grundsatzbeschluss für das Vorhaben. Kommende Woche steht das Thema auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung.

 

Kein Bauland mehr in der Kernstadt

Für die einzelnen Bauabschnitte ist jeweils die Aufstellung eines Bebauungsplan und Änderung des Flächennutzungsplans notwendig. Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek möchte mit Weitsicht nachhaltig Vorrat für Neubauten schaffen.

Die Kernstadt Lollar hat ihre verfügbaren Bauflächen vollständig ausgenutzt (Lumdaaue in der Daubringer Straße, die letzten Bauplätze entstehen just hinter dem AWO-Heim am Holzmühler Weg). Auch ist die Nachverdichtung im bebauten Stadtgebiet wohl ausgereizt. Wieczorek sagte, nicht jeder wolle in Leerstände einziehen, daher sollte die Stadt auch Neubauflächen vorhalten.

Norman Speier (SPD) mahnte, den tatsächlichen Bedarf im Auge zu behalten. Benjamin Ochs (CDU) stellte den zusätzlichen Verkehr in den Mittelpunkt. Angesichts der Flächengröße im Endausbau wäre auch öffentlicher Nahverkehr (Bus) notwendig.

Klar ist, dass sämtliche Infrastruktur wie Erschließungsstraßen, Kanalleitungen und separate Regenwasserentsorgung von der jeweiligen Kapazität auf den Ort neben dem Ort (Wieczorek) auszulegen wäre. Das träfe vor allem auf den Verkehr zu, der nicht über vorhandene Straßen in Ruttershausen und Odenhausen geleitet würde, sondern, von der Landesstraße bei Weimer aufwärts innerhalb der 21-Hektar-Fläche, hieß es in der Sitzung.

 

Bürgermeister sieht hohen Bedarf

»Die Fläche ist Baumasse für die nächsten 20 bis 40 Jahre«, sagte Bürgermeister Wieczorek gegenüber dieser Zeitung. Angedacht sei, abschnittsweise je 30 bis 40 Bauplätze auszuweisen. Die Gesamtzahl von 200 halte er aber auf Dauer für realistisch, sofern die Nachfrage sich entsprechend entwickeln werde. Im Regionalplan sei dieser Bereich schon jetzt als Vorranggebiet für Wohnbebauung ausgewiesen. Die Grundstücke in diesem Gebiet seien größtenteils in privatem Besitz, teils auch Eigentum der Kommune. Wer für die Erschließung aufkommen werde, müsse zu gegebener Zeit das Parlament entscheiden.

Wird der Bedarf an Bauplätzen ausreichen, um eine so große Fläche zu besiedeln? »Momentan ja«, sagt der Bürgermeister. »Im Speckgürtel um Gießen«, zu dem Lollar gehört, »ist der Zuzug erheblich. Ob es auf Dauer so bleiben wird, muss man sehen.« Die Nachfrage werde bestimmen, wie viel Bauland tatsächlich ausgewiesen wird. Die ersten beiden Bauabschnitte könnten laut Wieczorek »relativ leicht« entwickelt werden. Insgesamt aber wolle man die Fläche nicht in einem Schritt überplanen, sondern abschnittsweise vorgehen, »das kriegt man nicht in wenigen Jahren erschlossen«. Seine Einschätzung: »Wenn wir Ende nächsten Jahres Baurecht hätten, wäre ich zufrieden.« Auch mit Flächen-Eigentümern gelte es bis dahin noch zu verhandeln.

Falls tatsächlich das komplette Gebiet in den kommenden Jahrzehnten besiedelt wird, dürfte die Bevölkerung also kräftig wachsen. Von 2012 bis 2016 gab es laut Demografie-Atlas des Landkreises eine leichte Abwanderung aus dem Dorf. Bis 2030 prognostiziert der Kreis demnach einen Bevölkerungszuwachs um gut sieben Prozent für Lollar insgesamt. Genug Platz dafür wäre mit dem ins Auge gefassten Baugebiet vorhanden.

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