06. Januar 2017, 18:37 Uhr

Wohngemeinschaft mit 40 Kreuzottern

Laubach (con). Im Zimmer des Hauses in Freienseen stehen Terrarien, darin Schlangen, Echsen und Skorpione. Aus dem Wohnzimmerfenster kann man auf ein Freigehege schauen, in dem einige Damwild-Exemplare friedlich und ruhig ihre Kreise ziehen. Am Tisch sitzt Kurt Orth – Sachbuchautor und Tierfreund. Er züchtet bedrohte Arten.
06. Januar 2017, 18:37 Uhr
Kurt Orth lebt seit seiner Kindheit mit Schlangen zusammen. Auch andere Tiere faszinieren ihn. Im Afrika-Urlaub mit Frau Elke entdeckte er eine neue Skorpionart. (Foto: con)
Im vergangenen September erschien sein neuestes Buch »Artenschutz in der Sackgasse«, das von den europäischen Schlangen und von der Ausweglosigkeit des internationalen Artenschutzes handelt. Neun Bücher hat er bislang veröffentlicht – dabei ist sein Antrieb eine eher düstere Zukunftsvision: »Wir konnten noch die heimischen Natur in ihrer ganzen Vielfalt erleben«, erklärt er im Gespräch. »Doch meine Enkel werden nur noch eine verkümmerte Natur vorfinden.«
Bereits in seiner Kindheit liebte der heute 67-Jährige Tiere über alles und verbrachte seine Zeit zum Leidwesen der Eltern vorwiegend in den Wäldern des Vogelsberges. Als er dann eines Tages beim Spaziergang eine Ringelnatter bei Birstein fand, war seine Begeisterung für Schlangen geweckt: Viele Jahre lang hielt er rund 40 Kreuzottern in seinem Haus und züchtete mehr als 1000 Jungtiere. »Ich war weltweit der einzige Züchter, dem es gelang, Kreuzottern im Zimmer nachzuziehen«, erklärt Orth. Doch dann entwickelte er eine Allergie gegen diese Schlangen und so musste er schweren Herzens Abschied von seiner Zucht nehmen.
Besonders Reptilien und Amphibien haben es ihm angetan – aber im Großen und Ganzen schlägt sein Herz für alle Tiere. Die Liebe zu Schlangen konnte seine heutige Frau Elke zu Beginn überhaupt nicht nachvollziehen: »Als ich das erste Mal zu Kurt nach Hause kam, bin ich gleich wieder gegangen«, sagt sie. Doch dann gewöhnte sie sich an die Tiere. Bald war der Umgang mit ihnen auch für sie alltäglich. Gemeinsam unternahmen sie zahlreiche Reisen in ferne Länder, um die dortige Tierwelt kennenzulernen. So führten sie ihre Wege unter anderem nach Sri Lanka, Namibia, Libyen und ins ehemalige Jugoslawien. Am Oranje-River, dem Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika, entdeckten sie gemeinsam sogar eine bislang unbekannte Skorpionart – den Parabuthus villosus Oranje. Ob mit dem Kamel durch die Sahara, auf Elefanten durch Sri Lanka oder zu Fuß durch den Dschungel – gemeinsam haben sie fast alles erlebt.
Überhaupt ist er die meiste Zeit unterwegs – am liebsten im heimischen Wald – und schaut sich nach Tieren um oder macht Fotos. »Einfach zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen,ist nichts für mich.« In früheren Jahren wollte Kurt Orth eigentlich einen Jagdschein machen, doch das scheiterte an einem kleinen Problem: »Ich konnte einfach auf kein Tier schießen«, sagt er und lacht. Trotzdem ist für ihn die Arbeit der Jäger wichtig und richtig. »Viele Probleme in der heimischen Tierwelt entstehen auch durch eine irregeleitete Tierliebe.« Deshalb ist es wichtig, dass die Ausbreitung von invasiven Arten eingedämmt wird – beispielsweise von Waschbären, die sonst Vogelnester plündern und deren Bestand schädigen. »In den vergangenen Jahren ist die Tierliebe einfach über die Stränge geschlagen.«
Derzeit beschäftigt ihn besonders das Schicksal der Feuersalamander: Die Tiere haben große Probleme mit der starken Wasserentnahme aus Gewässern und vertrocknen. Daneben macht ihnen auch ein unabsichtlich mit Zuchttieren aus China importierter Pilz zu schaffen: Der Batrachochytrium salamandrivorans befällt zuerst die Haut und dann die Organe der Salamander und tötet sie schließlich. Deshalb versucht Orth derzeit eine Erlaubnis zu erhalten, Feuersalamander-Jungtiere zu fangen und in seinem Haus auf- und nachzuziehen, um den Bestandsverlust einzudämmen.
Früher verfasste er zahlreiche Fachartikel, die in mehreren Sprachen in verschiedenen Zeitschriften erschienen. Mit dem Schreiben von Büchern fing er 2007 an: Kurz zuvor verstarb die Wieseldame Susi – für zwölf Jahre eine Bereicherung für seine Familie: »Sie war wie unser zweites Kind.« Nach dem Tod des Tieres wusste er nach eigenen Angaben nicht, wie er mit seiner Trauer umgehen sollte. Er fing deshalb an, ein Buch über das Leben der Wieseldame zu schreiben. Kurze Zeit später war »Susi oder eine Hand voll Glück« fertiggestellt. Es folgten ein Buch über die verlorene Natur und Tierwelt in den letzten 50 Jahre (»Verlorene Vielfalt«), ein Buch über die Vierstreifennatter, eines über seine Reisen in die Lebensräume der Wildtiere weltweit (»Tierisches Reisefieber«), ein weiteres über eingewanderte Tier- und Pflanzenarten (»Invasion aus unserer Welt«) und sein erfolgreichstes Buch über die Kreuzotter (»Ein Leben mit der Kreuzotter«). Nun schreibt er an seinem neunten Buch – eine Biografie über sein Leben mit und für Tiere.
Alle seine Bücher können online über Amazon erworben werden. »Mein größter Wunsch ist es, dass andere meine Bücher lesen und ich vielleicht eine Zukunftswirkung erreiche – verdienen möchte ich nichts.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Amazon
  • Echsen
  • Ringelnattern
  • Terrarien
  • Tierliebe
  • Wohngemeinschaften
  • Constantin Hoppe
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.