06. Mai 2019, 22:18 Uhr

Zonta Club hat eine Mission

06. Mai 2019, 22:18 Uhr
Im Dokumentarfilm »Female Pleasure« stellt Barbara Miller fünf Frauen aus unterschiedlichen Kulturkreisen vor. Jede von ihnen hat im Rahmen ihrer Religion Unrecht erfahren. (Foto: X Verleih AG)

Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig. Sie findet auch im Landkreis Gießen statt und ist nicht nur ein Problem ferner Länder. Mit einer Filmmatinée und einer Podiumsdiskussion haben die Mitglieder des Zonta Clubs Burg Staufenberg-Gießen im Kino Traumstern das Thema am Sonntag in den Blickpunkt gerückt. Die Besucher kamen zahlreich, um die Benefizveranstaltung zugunsten der »Medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung« zu unterstützen.

»Unsere Mission ist es, auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene die Lebensverhältnisse von Frauen und Mädchen zu verbessern«, sagte Ursula Herrmann, Präsidentin des Zonta Clubs. Gegründet 1992 habe der Club schon viele soziale Projekte für Frauen unterstützt. Die internationale Dachorganisation feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen.

Dass dies nach wie vor aktuell ist und es auf vielen Ebenen Handlungsbedarf gibt, hatte der Dokumentarfilm »Female Pleasure« bewiesen. In ihm stellt Barbara Miller fünf Frauen aus unterschiedlichen Kulturkreisen vor. Jede von ihnen hat im Rahmen ihrer Religion Unrecht erfahren, was aber von den übrigen Mitgliedern gar nicht als solches anerkannt wurde.

Da ist zum Beispiel die somalische Psychotherapeutin Leyla Hussein, die gegen die Beschneidung junger Mädchen kämpft. Da ist die ehemalige Nonne Doris Wagner, die von einem Priester vergewaltigt wurde und von der katholischen Kirche im Stich gelassen wird. Oder da ist die indische Aktivistin Vithika Yadav, die mit einer Onlineplattform über Liebe und Sexualität aufklärt – in einem Land, in dem alle zwei Stunden eine Frau vergewaltigt wird. Was die Protagonistinnen vereint: Sie haben begriffen, dass sich erst etwas ändert, wenn ihre Stimme erhört wird.

Wie sieht es in der Region aus?

Die Podiumsdiskussion unter der Moderation von Patricia Ortmann griff das Thema auf. Julia Birnthaler, Geschäftsführerin und Gründungsmitglied der Gießener Beratungsstelle »Wildwasser« gegen sexuellen Missbrauch, berichtete, dass im Gegensatz zu vor 30 Jahren heute niemand mehr daran zweifelt, dass es sexuellen Missbrauch gibt. Doch der Gedanke »Ich bin selber schuld« mache es den Opfern nach wie vor schwer, darüber zu sprechen.

Auch in der Gesetzgebung hat sich ein Wandel vollzogen, sagte Staatsanwältin Yvonne Vockert: »Der Maßstab in der Gesetzgebung ist nun das sexuelle Selbstbestimmungsrecht.« Seit 2016 gilt das neue Sexualstrafrecht mit dem Grundsatz »Nein heißt Nein«. Für die Strafbarkeit eines sexuellen Übergriffes kommt es nicht mehr darauf an, ob der Täter dem Opfer mit Gewalt gedroht oder diese angewendet hat. Und es kommt nicht mehr darauf an, ob sich die betroffene Person gegen den Übergriff körperlich gewehrt hat. Jedoch machte Vockert auch deutlich, dass Verfahren sehr aufwendig sind. Häufig stehe Aussage gegen Aussage und von der Anzeige bis zu einem rechtskräftigen Urteil dauere es ungefähr vier Jahre.

»In der Regel halten Frauen siebenmal Übergriffe aus, bis sie den Mann verlassen«, erläuterte Yvonne Fritz, die Geschäftsführerin des Sozialdienstes Katholischer Frauen, der auch das Frauenhaus in Gießen unterhält. Viele Frauen kommen mehrfach in die Einrichtung, weil sie immer wieder zu ihrem Mann zurückkehren.

Zum Thema Missbrauch in der Kirche sagte Fritz, dass die Kirche an Glaubwürdigkeit verliert. Und Pfarrerin Anette Bill von der Jugendwerkstatt in Gießen ergänzte, dass eine lückenlose Aufklärung und der Austausch der Verantwortlichen die einzige Art sei, damit umzugehen.

Deutlich wurde, dass das Thema nichts an Aktualität einbüßt und es wichtig ist, es auch in den Blickpunkt zu rücken.

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