02. November 2014, 20:18 Uhr

Dreiakter »Gute Lügen leben länger« in Fellingshausen

Biebertal (m). Das neue Stück der Fellingshäuser TSV-Theatergruppe hat wieder jede Menge hervorragende Unterhaltung zu bieten.
02. November 2014, 20:18 Uhr
Szene mit Gertrud Gerlach, Torsten Lang und Christel Schmidt. (Foto: m)

Vom Erfinderreichtum eines eher verträumt anmutenden Zeitgenossen, über das langsame Sterben eines Familienunternehmens bis hin zum Vorwurf der Industriespionage und dem ständigen In-Angst-Leben, dass das Beschäftigungsverhältnis eines Schwarzarbeiters auffliegen könnte. »Gute Lügen leben länger« – der Titel macht neugierig, und für insgesamt 400 Gäste wurde am Sonntag und bei der Premiere am Samstag diese Neugierde bereits gestillt. TSV-Vorsitzender Volker Reeh hieß die Gäste willkommen, die später vom Dreiakter restlos begeistert waren.

Wohnbereich als Werkstatt

Fast liebevoll werden die guten deutsch-polnischen Beziehungen herausgearbeitet, in erster Linie durch den Schwarzarbeiter, der aber das Herz am rechten Fleck hat und der gute Geist der Autowerkstatt ist. Diese wird vom Ehepaar Monika und Manfred Müller (Ilona Böhm, Oliver Reeh) betrieben. Außer reparierten Reifen läuft nichts rund und den beiden steht das Wasser bis zum Hals. Dem Expansionswunsch für die Werkstatt scheinen zunächst unüberwindbare Hürden in den Weg gestellt, und der Platzmangel führt dazu, dass längst auch der Wohnbereich zur Werkstatt werden muss.

In dieser Mischung aus einem Rest von Behaglichkeit und ungemütlichem Werkstattmief spielen sich die Verwechslungs-, Beziehungs- und Liebesdramen ab, gelangen die Charaktere zur vollen Blüte. Dies inmitten einer kreativ gestalteten Bühnendeko. Der illegal beschäftigte Kasimir (Hans Ulm) freut sich nicht nur, dass er mit dem verlorenen Handy des Bankdirektors jetzt günstig in die Heimat telefonieren kann, sondern hadert auch mit der deutschen Bürokratie. Trickreich entkommt er, auch Dank der Unterstützung der Müllers, immer wieder den Nachstellungen des dienstbeflissenen Beamten Heinrich Haargenau (Torsten Lang), der die Schwarzarbeit bekämpfen soll, diesen Kampf aber ebenso verliert, wie den gegen den Genuss polnischen Wodkas. Als Wolf im Schafspelz tritt Dr. Peter Profitlich (Heiner Marx) auf. Seinen falschen Charakter kehrt er nach außen, als er dem Schwindel einer Erfindung auf den Leim geht, wonach angeblich Autoabgase wieder in Kraftstoff umgewandelt werden können. Diese von ihm als ökopolitische Sensation definierte Erfindung entpuppt sich als Seifenblase. Sie entstammt dem Forscherdrang von Matthias Müller (Markus Waldschmidt), der als schmarotzender Mietschuldner mit dem Ehepaar Müller nur den Nachnamen teilt.

Dann ist da noch Bürgermeisterin Sabine Kleinschmidt-Großhans (Silke Burghard): Kühl, energisch, arrogant blockiert sie zunächst das wirtschaftliche Vorankommen der kleinen Autowerkstatt. Gleich und Gleich gesellt sich gern, und da ist ihre heimliche Beziehung zum Bankdirektor nicht verwunderlich. An einer solchen Beziehung arbeitet hartnäckig auch Paula (Heike Kienholz) – die Briefträgerin stellt zu jeder sich bietenden Gelegenheit dem liebenswerten Schwarzarbeiter nach. Was wäre das Ganze ohne die Würze, die Kasimirs Tanten Stanislava (Gertrud Gerlach) und Olga (Christel Schmidt) mit ihrem Besuch beisteuern? Eigentlich wollen sie ihrem Neffen das Erbe übergeben, rufen aber die schwarzhaarige Elvira Blond (Elias Gerlach) auf den Plan. Als Mitarbeiterin des BND glaubt sie sich dem Zerschlagen eines Schmugglerrings und der Aufdeckung von Industriespionage schon sehr nahe.

Erlöse zugunsten der Tagespflege

Wie die zurückliegenden Aufführungen im Saal des Gasthauses »Zur Post«, so sind auch die noch folgenden vier bereits ausverkauft. Der Erlös aus dem Verkauf von DVDs – inzwischen sind alle Aufführungen der vergangenen 15 Jahre erhältlich – sowie die erbetenen Spenden und die Einnahmen aus dem noch bevorstehenden Waffelverkauf der Theatergruppe kommen diesmal der Arbeit der Tagespflege in Biebertal zugute, wie der Leiter der Laienschauspielgruppe, Markus Waldschmidt, ankündigte.

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