Fernwald

Gemeindebrandinspektor zieht Bilanz: Mehr Unfälle und Unwetter

Fernwald (ti). Ein einsatzreiches Jahr geht für die Fernwalder Feuerwehren in Kürze zu Ende. Gut 30 Mal mehr als im vergangenen Jahr rückten die Floriansjünger 2016 aus. Grund dafür sind laut Gemeindebrandinspektor Jens Richmann vor allem die Zunahme von Unfällen und Unwettern.
19. Dezember 2016, 18:33 Uhr
Ein umgestürzter Rübenlaster auf der A5: Einer von 134 Einsätzen, zu denen die Feuerwehr Fernwald in diesem Jahr gerufen wurden. 	(Foto: Archiv/con)
Ein umgestürzter Rübenlaster auf der A5: Einer von 134 Einsätzen, zu denen die Feuerwehr Fernwald in diesem Jahr gerufen wurden. (Foto: Archiv/con)

In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung legte er seinen Jahresbericht vor. Schwerpunkt der Einsatztätigkeit war laut Richmann erneut die Hilfeleistung, insbesondere auf der B 457 und der A5. Allein auf der Bundesstraße im Bereich der Autobahnauf- und -abfahrt hätten sich sechs Unfälle ereignet, teilweise sogar mit fast identischem Hergang und innerhalb weniger Tage (die GAZ berichtete). Insgesamt wurden die Fernwälder zu elf Einsätzen auf der A5, neun auf der B 457 und einem Einsatz auf der B 49 gerufen. Dabei handelte es sich allerdings nicht nur um Verkehrsunfälle, sondern auch um Fahrzeugbrände, die im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen hätten. Während der Gemeindebrandinspektor und seine Crew im vergangenen Jahr 16 Personen helfen konnten, waren es 2016 insgesamt
47 Menschen. Richmann: »Das ist durchaus eine beachtliche Zahl.«

Als besonders einsatzreich bezeichnete der Chef der Fernwalder Feuerwehren den Monat Juni. Grund dafür war eine außergewöhnliche Unwetterlage. Während in der Gemeinde selbst nur kleinere Hilfeleistungen anfielen, hatten die Anneröder Einsatzkräfte in Gießen 18 Mal nachbarschaftliche Hilfe zu leisten, weil man dort » nicht mehr Herr der Lage« war.

Wie vielschichtig mittlerweile das Einsatzgeschehen ist, zeigte sich für die Brandschützer Anfang Mai: Bei landwirtschaftlichen Arbeiten war eine Bombe freigelegt worden, die in der prallen Sonne lag, dieser aber nicht ausgesetzt werden durfte. Ein Kamerad verfügte jedoch als Berufssoldat über das erforderliche Fachwissen. Er konnte nicht nur den Bombentyp bestimmen, sondern auch eingreifen, bis der Kampfmittelräumdienst eintraf. »Es ist gerade dieses breitgefächerte Berufsspektrum, das die Feuerwehr stark macht«, erklärte Richmann. Meist habe man Experten oder zumindest Fachkundige in den Reihen.

Wichtig sind für die Professionalität der Einsatzkräfte natürlich auch Fort- und Weiterbildung, die in Fernwald auf einem hohen Niveau erfolgt, sagte Richmann. Dazu zählen regelmäßige Übungen und Lehrgänge. Den durchschnittlichen zeitlichen Aufwand bezifferte Richmann je Ortsteil auf rund
60 Stunden, die Vorbereitungszeiten der Ausbilder nicht inbegriffen.

Ehrenamt spart Kosten

Insgesamt sind in den Einsatzabteilungen 135 Personen aktiv, dazu kommt die 14-köpfige Tagesfeuerwehr. Fazit: »Mit 149 stehen wir sehr gut dar. Ich würde sogar sagen, dass wir eine der stärksten Feuerwehren im Landkreis Gießen sind.« Zudem sparten diese Ehrenamtlichen der Gemeinde einen Batzen Geld. Wenn Fernwald den gesetzlichen Grundbrandschutz hauptamtlich sicherstellen müsste – die Mindeststärke einer Feuerwehr beläuft sich nach der Organisationsverordnung auf neun Personen – kämen laut Richmann pro Jahr stattliche 1,26 Millionen Euro zusammen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/fernwald/Fernwald-Gemeindebrandinspektor-zieht-Bilanz-Mehr-Unfaelle-und-Unwetter;art92,182364

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