14. August 2014, 14:18 Uhr

Tagespflege für Senioren: Bedarf kreisweit steigend

Fernwald (tb). Die Pflege alter, zumal dementer Menschen zu Hause ist anstrengend, viele Angehörige sind überfordert. Mit der wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen wächst der Bedarf nach Entlastung, wie sie in der Tagespflege für Senioren geboten wird. Kreisweit gibt es gerade mal 66 Plätze – es sollten mehr sein.
14. August 2014, 14:18 Uhr
Sozialdezernent Dirk Oßwald (r.) im Gespräch mit Besuchern der Tagespflegeeinrichtung im Anneröder Gewerbegebiet. (Foto: tb)

Meist ist solcherart Betreuung an Alten- und Pflegeheime »angedockt«, eigenständige Einrichtungen gibt es bis dato nur drei im Gießener Land. Seit Februar am Start ist die Tagespflege von Irmgard Buss in der Industriestraße 5 in Annerod. Die gelernte Altenpflegerin betreibt eine von bis dato gerade mal zwei privaten Einrichtungen im Landkreis. Warum es nicht mehr sind? Buss: »Das ist bisher wenig lukrativ.«

Fremde Umgebung motiviert

Die Frage hatte Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent Dirk Oßwald gestellt, der sich soeben über die ersten Erfahrungen der Betreiberin wie der Patienten informieren mochte. Mit dabei zwei Kolleg(inn)en aus der Kreisverwaltung: Achim Szauter, Teamleiter »Senioren und Pflege«, und Altenhilfe-planerin Ruth Hoffmann.

Am Rande des Anneröder Gewerbegebiets findet sich das ehemalige Wohnhaus einer Unternehmerfamilie. Nach dem altersgerechten Umbau – neue Sanitäranlagen und breitere Türen vor allem – umsorgen die sechs Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes »LebensFreude« täglich bis zu zwölf Senioren. Insgesamt nutzen 25 Männer und Frauen das Angebot, meist zwischen einem und drei Tagen die Woche. Dass auch die Tagespflege der Heimaufsicht unterliegt, sei der Vollständigkeit halber angemerkt.

50 Prozent »ihrer« Senioren, schätzt Buss, wären ohne dieses Angebot bereits in stationären Einrichtungen. Und: »Vier von fünf sind dement«. Jedoch: Die Vorgabe fester Strukturen, das breite Spektrum an Beschäftigungen, von Erinnerungsarbeit über Gymnastik, Spaziergänge, Gedächtnistraining, sowie – nicht zu unterschätzen – die fremde Umgebung würden so manche verloren geglaubte Aktivität neu zum Vorschein bringen. Um sich auf einen neuen Gast einzustellen, besucht Buss stets dessen Zuhause, informiert sich über seine Biografie.

Dass so mancher zaudere und den Angehörigen nicht weggeben möchte, berichtet an dieser Stelle Altenhilfeplanerin Hoffmann. »Doch bald merkt man, welche Ruhe das in die Pflegesituation zu Hause bringt.« Der Aufenthalt in der Tagespflege tue den Alten wie der gesamten Familie gut. »Entscheidend ist, dass sich die Senioren wohlfühlen«, ergänzt Szauter. Wie es im Weiteren hieß, kommen Tagespflegestellen den Kostenträger günstig – schon gar im Vergleich zur Heimunterbringung. »Das ist ein Schnäppchen«. Was die Betroffenen/Angehörigen angeht: »Für acht bis neun Tage im Monat«, informiert die Betreiberin, reiche der Satz, den die gesetzliche Pflegekasse zahle. Bei Demenz noch zwei, drei Tage länger (seit 1. Januar 2013 legt die Kasse beim Pflegegeld 100 bis 200 Euro drauf).

Wie die Senioren am Ende dem Sozialdezernenten versichern, fühlten sie sich wohl im Haus in der Industriestraße. Oßwald würdigt die Breite der Betreuungsangebote, macht darauf aufmerksam, dies sei auch ein Beitrag, häusliche Pflege und Beruf leichter unter einen Hut zu bringen und die Unterbringung im Heim hinauszuzögern. Sein Fazit mit Blick auf das Haus in der Industriestraße 5: »eine vorbildliche Einrichtung.« Dass es grundsätzlich mehr Tagespflegestellen für Senioren brauche, das fügt er an.

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