16. Oktober 2014, 09:48 Uhr

Gallusmarkt Grünberg: TSE ein Thema bei Tierschau

Grünberg (tb). Die Prionenerkrankung BSE – umgangssprachlich auch Rinderwahnsinn genannt – ist der breiten Masse noch heute, über 20 Jahre nach dem Ausbruch, ein Begriff. Aber TSE? Wohl kaum. Nur wenige dürften auch wissen, dass Scrapie zu den TSE-Erkrankungen zählt.
16. Oktober 2014, 09:48 Uhr
Bester äußerer Bedingungen erfreute sich die Nutztierschau in der Au. (Foto: Thomas Brueckner)

Ganz anders aber sieht die Sache bei Schaf- und insbesondere Ziegenhaltern aus. TSE – »Transmissible Spongiforme Enzephalopathie« oder zu deutsch: »Übertragbares schwammartiges Hirnleiden« – bereitet ihnen erhebliches Kopfzerbrechen. Die Seuche und ihre Folgen waren das Thema bei der gestrigen Gallusmarkt-Tierschau.

Lämmer als Löwenfutter

Wie Züchter Oliver Schmidt und Zuchtberater Helmuth Lange (Landesbetrieb Landwirtschaft/LLH) erklärten, hat die »BSE-Verwandte« gravierende Folgen: Von 2015 an dürften nurmehr Tiere aus nachweislich TSE-unverdächtigen Beständen ein- und ausgeführt werden. Nur: Anders als bei Schafen (Gentests) sei diese »Unbedenklichkeitsbescheinigung« bei Ziegen bisher nicht möglich. Festzustellen ist die Krankheit nur pathohistologisch, also durch Untersuchung bei bereits »gefallenen«, das heißt verendeten Tieren. Böse Erinnerungen an die Blauzungenkrankheit werden da wach.

Wie der Queckbörner Oliver Schmidt, seines Zeichens Geschäftsführer des Hessischen Ziegenzuchtverbandes, betonte, resultiere aus einem Importverbot zum einen ein Problem für die Zucht: Gerade bei selteneren Rassen – dazu zählen etwa die gestern in Grünberg gezeigten Pfauenziegen – fehle es an »frischem Blut«.

Damit nicht genug: Große Milchbetriebe gehe ein Absatzmarkt flöten. Aber wohin dann mit den Lämmern? Schmidt, der darauf hofft, dass spätestens 2016 eine Lösung/Diagnose gefunden wird, verweist auf einen schon einmal praktizierten Ausweg: »Einfrieren und als Löwenfutter in den Zoo.« Unschöne Vorstellung.

Piemont: Mehr als »Mon Cherie«

Bestens stellte sich dagegen gestern »Aristokrat« vor: LLH-Vertreter Lange kürte den Bock zum besten Tier der Schau und überreichte der Züchterfamilie Stoll (Nieder-Bessingen) entsprechende Preismünze. Leer ging diesmal Geschlechtsgenosse »Obama« aus. Dessen »Dienstzeit« endet übrigens – anders als beim noch berühmteren Namensvetter – nicht erst nach acht, sondern schon nach vier bis fünf Jahren, klärt Schmidt auf. Aber: »Eine Ziege wird ja auch nicht so alt wie
ein Mensch.«

Die Redewendung »So alt wird kei’ Kuh« fällt derweil ganz in der Nähe der Ziegen (mit 29 Exemplaren stellen sie diesmal mit Abstand den Löwenanteil): Die Abteilung »Rinder« der Nutztierschau hat dafür eine größere »Artenvielfalt« zu bieten. Tiere der Rassen Deutsch Angus, Charolais, Limousin und Rotes Höhenvieh werden präsentiert. Und ein recht seltener Gast: Piomenteser. Wie der Name schon sagt, stammt die Rasse aus Italien, wurde nach 1840 aus mehreren Rinderschlägen zusammengefasst. Wie der Laie auch lernt (außer dass der Landstrich im westlichen Oberitalien mehr als »Mon Cherie« zu bieten hat ): Ursprünglich als Drei-Nutzungs-Kuh gezüchtet (Arbeit, Fleisch, Milch) trat in den letzten 25 Jahren auch bei der »Razza Piemontese« die Fleischleistung in den Vordergrund.

»Willi« wiegt 973 Kilo

Der dreijährige Bulle »Willi« aus dem Besitz von Ingo Hensel ist auch ein Piemonteser, ihn galt es gestern zu schätzen. Martha Bonarius (Grünberg) lag mit 972 nur ein Kilöchen daneben, erhielt aus den Händen von Bürgermeister Frank Ide und Marktfrau Susanne Gerdewitz den Hauptpreis. Auf den weiteren Plätzen landeten Karl-Otto Peppler (seine Schätzung: 970 Kilo) aus Grünberg und Kerstin Döring (979 Kilo) aus Harbach. Bei den Rindern handelt es sich um eine Demonstrationsschau, Prämierungen gibt es schon rund 20 Jahre nicht mehr. Dennoch hat sie ihre Berechtigung, wird doch vor allem den diesmal zahlreichen Schul- und Kindergartenkindern (keine Ferien) aufgezeigt, wo die Wurzeln auch dieses Herbstmarktes liegen: in der Landwirtschaft.

+++ Mehr Bilder von der Tierschau in der Mediathek

Auch in diesem ein starker Anziehungspunkt war der »Tag des Pferdes« des Reit- und Fahrvereins Grünberg. In der Halle lief vor voll besetzten Zuschauerbänken ein attraktives Schauprogramm ab, die Moderation lag wiederum in den Händen von Klaus Biedenkopf. Auf dem Programm stand zunächst eine Fohlenschau, gefolgt von einer Quadrille, die Eva Richter, Merle Gerdewitz, Lea Göbel, Katrin Schudt, Mina McSherry, Lea Hoscher, Hannah Rinker und Kirsten Rudrich präsentierten. Es folgte eine »Freiheitsdressur«, einstudiert und vorgeführt von Christine Konrad. Sie hatte zwei Nachwuchspferde, darunter eine kleine »Mohrenkopfschimmelstute« mitgebracht.

Mit Pferd über Tische und Wannen

Weiter ging’s im Programm mit einer Dressur-Kür, die Kirstin Seidel aus Greifenstein mit ihrem Connemara-Pony »Nick« zeigte. Ebenso den Beifall des Publikums verdienten sich die Voltigiergruppen I und II unter Longenführung von Kirsten Rudrich. Schließlich das »Vielseitigkeits-Springen«: Michaela Messerschmidt und Katrin Schudt bewältigten auf »Benson« und »Gallegos« einen etwas anderen Parcours, galt es doch eine Badewanne und einen gedeckten Tisch zu überwinden.

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