15. Oktober 2010, 10:28 Uhr

Tierschau: RuF Grünberg bot Schauprogramm rund ums Pferd

Grünberg (tb). Wenn sich die ersten Gespräche der »Gallmärtsdäppeler« - sagen wir, kurz nach dem Aufstehen - um das Gewicht eines Charolais-Bullen, um die »Probleme im Fundament« einer Burenziege oder um den Trend zu Fleischrinderrassen drehen, kann es sich nur um Gespräche bei der Tierschau handeln.
15. Oktober 2010, 10:28 Uhr

Die findet seit altersher am Gallusmarkt-Mittwoch statt, viele der besagten »Däppler« lenkten wieder am frühen Morgen schon ihre Schritte auf das Gelände des Reit- und Fahrvereins in der Au.. Bevor es später hinauf in die Stadt ging, zum Krämermarkt, bevor dann »Deppe, Boitsche, Innerhoisse« (und anderes) zum Gesprächsthema werden. Der Mittwoch also ist der Tag, an dem die (landwirtschaftlichen) Traditionen des Gallusmarktes deutlich zutage treten. Bei der Tierschau stets dabei ist auch das Pferd. Das freilich ist längst vom Zug- zum »Freizeittier« geworden. Der Reit- und Fahrverein Grünberg bot gestern ein noch attraktives Schauprogramm; mittenmang Rassen, die dereinst in der Landwirtschaft zum Zuge kamen - darunter gar der »Rolls Royce unter den Kaltblütern«!

Zurück zu kleineren Tieren: Knapp 50 »Kühe des kleinen Mannes« sind in diesem Jahr nach Grünberg gekommen. Den Löwenanteil stellen wieder die Buren- und die Weißen Deutschen Edelziegen, doch auch seltenere Rassen wie »Pfauenziege« und »Tauernschecke« lassen sich bewundern. Oder gar in puncto Zuchttauglichkeit bewerten: Wie seit drei Jahren schon, wird auch beim 530. Gallusmarkt die (späte) Gelegenheit geboten, spätgeborene Böcke kören, Ziegen ins Herdbuch eintragen lassen.

»Diana« in toller Tagesform

Helmuth Lange (Zuchtberater für Schafe und Ziegen beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen) richtet die Tiere: »korrekt im Fundament, ideale Oberlinie, Bemuskelung in Ordnung - die ganze Erscheinung ist sehr gut für dieses Alter.« So die sehr gute Benotung für »Minou« (7). Reicht aber nicht: »Diana«, erst zwei Jahre alt und ebenso eine Burenziege, läuft in einer »tollen Tagesform« (Lange) in Grünberg auf, sichert sich den Titel »Bestes Tier der Schau«. Dafür gibt’s auch noch die Bronzene Preismünze - Züchter Dietmar Stoll aus Ober-Bessingen nimmt sie voller Stolz entgegen.

Wie Oliver Schmidt, Geschäftsführer des Landeszüchterverbandes, gegenüber der »Allgemeinen« versichert, liegen Ziegen weiter im Trend. Ein Grund: Sie sind einfach »radikaler« als Schafe. Zwar haben beide Arten ihren Aufschwung nicht zuletzt dem Einsatz in der Landschaftspflege zu verdanken, doch einzig die Ziege »beißt alles weg«. Selbst die Rinde. Der Queckbörner Züchter: »Spätestens nach zwei Jahren kommt der Baum nicht wieder.« Doch nicht nur der Einsatz auf Magerrasenflächen oder zur Vermeidung des Brachfallens von Streuobstwiesen macht gerade die Burenziege immer begehrter: »Das ist eine echte Fleischrasse«, erklärt Schmidt. Heißt: Immer mehr Menschen kommen auf den Geschmack.

Ebenso wegen der Alternative für Kuhmilch-Allergiker und des leckeren Käses grasen heute wieder rund 18 000 Ziegen in Hessen.

»Royston Supreme« wiegt 800 Kilo

Auch gestern wieder Schauleiter bei den Rindern ist Dr. Hans-Joachim Herrmann, seines Zeichens Berater Tierproduktion beim Landesbetrieb für Landwirtschaft. Fünf Bauern präsentieren heuer 15 Tiere. Erstmals in der Au ist die Rasse der Piemonteser. »Die einzige europäische Rasse mit zebuösen Einschlägen«, klärt Herrmann auf. Heißt: eine Piemont-Kuh mit indischen Wurzeln. Wie der für Tierproduktions-Berater im Allgemeinen feststellt, bildet sich auch bei der Tierschau 2010 der Trend hin zu Fleischrinderrassen ab. Die Milchkuhhaltung ist weiter auf dem Rückmarsch.

Nicht nur die drei (oder vier) Gangarten des Pferdes können die Besucher nebenan in der Reithalle bestaunen. Der RuF Grünberg hat ein Schauprogramm rund ums »Pferd« und voller Abwechslung auf die Beine gestellt. Darunter die mit viel Beifall bedachte Fuchsquadrille, geritten von Elisabeth Keil, Katrin Schudt, Mareike Brunstein und Kirsten Rudrich. Auf dem Programm stehen ferner eine Fohlen- und Rassenschau: Präsentiert werden Connemara-Ponys, Welsh Partbred / Welsh Cob, Süddeutsche Kaltblüter - und schließlich ein Gigant: »Royston Supreme II. ist ein Wallach der Rasse Shire Horse mit einem Stockmaß von beeindruckenden 1,80 Meter, rund 800 Kilo schwer. Shire Horses gelten als größte Pferderasse der Welt, werden vor allem in England gehalten - »der Rolls Royce unter den Kaltblütern«, wie Moderator Klaus Biedenkopf den zahlreichen Besuchern verrät.

»Barrel-Race«: Pferd vs. Bike

Ebenso Vorführungen im Westernreiten sowie der erfolgreichen Voltigier-Teams des RuF Grünberg gehören zum »Tag des Pferdes«. Der endet spektakulär: Mit einem spannenden Barrierespringen, bei dem die Reiter im Hochsprung gegeneinander antreten, sowie mit einem »Barrel-Race« zwischen Pferd und Motorrad. Hoffnungsfrohes Resultat beim Rennen Tier gegen Maschine: Katrin Schudt auf »Fancy« ist schneller als Philip Schudt und Marvin Beinl auf ihren Motocross-Rädern.

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