12. September 2016, 11:06 Uhr

Für die Eintracht in Frankfurt

War es das, was die Eintracht vom Main im Frühjahr den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga schaffen ließ? Die zwei Heuchelheimer Medienprofis wirkten bei der erfolgreichen Nichtabstiegskampagne »Auf Jetzt! Eintracht in Frankfurt!« mit und trugen somit einen Teil zum Klassenerhalt bei. Lohn der Arbeit für Sascha de Loryn und Roman Benischke: Mit ihrer Firma »media tools« arbeiten sie weiter eng mit dem Erstligisten zusammen.
12. September 2016, 11:06 Uhr
(Foto: no)

Glücklich? »Das fühlt sich an wie ein Ritterschlag!« Im Gießener Land sind die beiden Mittvierziger bekannt wie die bunten Hunde. Sascha de Loryn, der frühere DJ, und Roman Benischke waren mit ihrer 1998 gegründeten und im Rinn & Cloos-Gewerbepark in Heuchelheim angesiedelten »media tools business communication« GmbH schon in Sachen Werbung und Außenwirkung an der seite der Gießener Bundesliga-Basketballer vom MTV 1846, als die noch »Flippers« hießen und dann den »Avitos«-Schriftzug auf dem Leibchen trugen. Seit die Münchholzhausen/Dutenhofener Handballer als HSG Wetzlar erste Liga spielen, sind de Loryn und Benischke auch da im Boot als Bewegtbildpartner und unter anderem zuständig für Fan-TV, Kinospot sowie das Entwerfen und Bespielen der LED-Banden.

In den vergangenen Wochen und Monaten jedoch hat sich für die hier in Mittelhessen sehr gut vernetzten und noch besser gebuchten Medienprofis etwas spürbar verändert. Sie trugen nämlich an einer nicht unbedeutenden Stelle ein wenig zum Klassenerhalt der Bundesliga-Fußballer von Eintracht Frankfurt bei – und spielen jetzt selbst in einer der weltweit bedeutendsten Ligen.
    
Kurzfristiger Handlungsbedarf
    
Wir erinnern uns. Am 5. März schaffen die Adlerträger gegen den FC Ingolstadt zu Hause nur ein 1:1, sie stehen in der Tabelle auf dem Relegationsplatz, haben nur Hoffenheim und Hannover 96 hinter sich und sehen nach vorn kein Land. Armin Veh wird als Trainer entlassen, und bereits Dienstag danach präsentiert man Niko Kovac als Hoffnungsträger – und dem gelingt mit der Mannschaft, was nur kühne Optimisten für möglich gehalten hatten. Damals, vor der Zäsur, gab’s alles bei der Eintracht, nur eben selbige nicht. Das galt zudem fürs Umfeld, eigentlich für die ganze Stadt. Der Zuspruch im Stadion hielt sich ungewohnt in Grenzen, die Besucherzahlen blieben – wie die Mannschaft – hinter den Erwartungen zurück.

Da kamen dann die »media tools«-Verantwortlichen ins Spiel. Eigentlich sollten de Loryn und Benischke ihre Meinung zum Thema StadionTV und Gesamtauftritt kundtun. Doch es kam anders und der frühere Mitarbeiter dieser Zeit und damalige Leiter EintrachtTV, Jan Martin Strasheim, konfrontierte beide mit einem kurzfristigen Anliegen. »Nach dem Spiel gegen Ingolstadt haben wir im Klub so etwas wie eine Lähmung im Umfeld gespürt. Die Stimmung war ähnlich wie 2011, als es bekanntlich in die zweite Liga ging. Es war klar, dass wir irgendwie den Schalter umlegen mussten. Ich wusste aus meiner Gießener Zeit und aus den ersten Gesprächen, dass wir mit ›media tools‹ einen passenden Partner haben, der auch kurzfristig mit viel Kompetenz und Flexibilität helfen kann. Für unsere Kampagne im Nichtabstiegskampf war das ebenso wichtig, wie in den Umstrukturierungsmaßnahmen, die derzeit voll im Gange sind.«

Sascha de Loryn, der hauptsächlich die Kontakte mit der Eintracht pflegt, und Benischke entwickelten ein Konzept, welches gemeinsam mit den beiden kreativen Fans Dominik Dresel und Mathias Weinfurter verfeinert und umgesetzt wurde. Deren Kern ist eine am Main redensartlich bekannte Forderung, die nachgerade in der Fan-Szene der Adlerträger implementiert ist.
Da war er dann, der Slogan: »Auf jetzt! Eintracht in Frankfurt.« Daraus machte man eine Erfolg versprechende Kampagne – buchstäblich auf allen Kanälen. Standbilder, Bewegtbilder, Videos, Facebook-Einträge. »Wir kennen die Formate, wir kennen ihre Nutzer, zu denen wir Nähe herstellen wollen.« Das erleichtere es, alle möglichen »Erlebnisräume« für Mitteilungen zu nutzen, für motivierende Botschaften
    
Menschen begegnen der Marke
    
Wie das erste »media tools«-Video mit um die 340 000 Aufrufen ging auch das »Auf jetzt!«-Video »durch die Decke«. »Das ist eine Riesenzahl«, konstatierte de Loryn dieser Tage im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Zu jedem Spiel machten die Heuchelheimer ein Video, durften zudem vorhandenes Material nutzen, beschworen den Zusammenhalt – die »Eintracht in Frankfurt«. Der Erfolg der Kampagne spiegelt sich messbar an der Abrufzahl von über zwei Millionen wider. Das war und das ist ihr Ding: Menschen motivieren, um einen Wert zu unterstreichen, den zu verlieren verlustreich sein kann.

Das zweite Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg war gerade abgepfiffen, da begann die ganz große Herausforderung: Nach Gewinn einer Ausschreibung machten sich de Loryn und Benischke an die Neuaufstellung der medialen Eintracht-Präsentation. Auch dies im engen Schulterschluss mit dem Bundesligisten und dessen Medien-Leuten. Am Anfang stand das komplett neu entwickelte Layout und Erscheinungsbild. Dann daraus abgeleitet die Social-Media-Auftritte und deren Platzierung: »Das ist eine ständige Begegnung der Menschen mit der Marke Eintracht Frankfurt und deren Werte. Das muss aus einem Guss sein«, sagt Benischke, der das Thema »Marke und Medien« als Gastdozent an der Technischen Hochschule Mittelhessen lehrt.
    
Im Herzen von Europa …
    
Erst waren die Heuchelheimer mit drin im Abstiegskampf, dann begleiteten sie seit Mai den Neuanfang. Letzteres auf allen Ebenen, in vielen erdenklichen Formaten – von der Visitenkarten übers Stadionmagazin bis zum Mannschaftsbus. Dessen Design in den Farben »Schwarz und Weiß, wie schee« plus rotem Adler und Mainhatten-Skyline stammt aus de Loryn/Benischkes Feder.

Bei »media tools« spielten sie mit dem vom Polizeichor Frankfurt 1959 eingesungenen Stadionhymne »Im Herzen von Europa« und mit dem eben zitierten SGE-Lied. Da stecke viel Authentizität drin, sagen sie, man dürfe mit dieser internationalen Drehscheibe sehr wohl argumentieren. Bemerkenswert auch: Das neue Eintracht-Trikot, das den eigentlichen Vereinsfarben Vorrang einräumt, hat vielleicht gerade deshalb eine so schnelle Akzeptanz erfahren, weil die Vorstellung medial gescheit eingefädelt war, weil – dank der Profis aus dem Gießener Land – niemand den Eindruck haben musste, hier werde etwas aus Jux und Dollerei verändert. Das habe alles Sinn und Verstand, und die Farben seien Tradition.
    
40 Entwürfe für Bus-Lackierung
    
Dabei hat der Erfolg, das messbare Echo, gewiss die Überzeugungsarbeit erleichtert: »Wir erreichen die Leute«, betonte Benischke. »Das war im Abstiegskampf der Fall, und es ist jetzt spürbar.« Zudem liefert »media tools« nicht den ultimativen Entwurf, sondern unterbreite Material zur Meinungsbildung, für die Debatte. Allein für den Bus lagen 40 Entwürfe vor.
Erste Liga sind die Heuchelheimer gewohnt. Aber was ist anders, wenn man für die Frankfurter Eintracht und in Ableitung davon auch für den Sportartikelhersteller Nike arbeitet? »Der mediale Faktor ist überwältigend, die zu erzielende Aufmerksamkeit kann mit Basketball oder Handball bei uns nicht verglichen werden.«

Heute werden Sascha de Loryn und Roman Benischke »ihrer« Eintracht wieder die Daumen drücken. Drei Punkte in Darmstadt wären schön, dann fällt das Motivieren beim Heimspiel am 17. September gegen Bayer Leverkusen umso leichter.



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