29. Dezember 2016, 18:33 Uhr

Betriebswirtschaft im Schafstall

Hungen (us). Hirte – das ist einer der ältesten Berufe der Welt. Doch heutzutage kommt auch diese Branche nicht ohne betriebswirtschaftliche Überlegungen aus. Das zeigt sich gerade in Hungen.
29. Dezember 2016, 18:33 Uhr
Alle zwei Jahre ist das Schäferfest für Hungen ein Riesending. Der Stadtschäfer ist als Werbebotschafter immer mit dabei. Nun überträgt ihm die Stadt die finanzielle Verantwortung. (Foto: Archiv)

Dort soll die
städtische Schafherde künftig in Form von Public-private-Partnership (PPP) gehütet werden. Grundlage dazu soll ein Vertrag zwischen der Stadt als öffentlichem Träger und dem privatwirtschaftlich organisierten Betrieb des Stadtschäfers bilden.

Hungen schmückt sich mit dem Label »Schäferstadt« und beschäftigt als einzige Kommune weit und breit einen Stadtschäfer. Dessen Schafherde setzte sich bis vor wenigen Jahren ausschließlich aus Tieren privater Besitzer zusammen, die Stadt selbst besaß keine Schafe. Doch im Laufe der Zeit gaben immer mehr Landwirte die Schafhaltung auf. Vor gut zwei Jahren sah sich die Stadt zum Handeln gezwungen. Sie kaufte insgesamt fast 500 Tiere, die abgegeben werden sollten, auf. Die Gelder dafür kamen größtenteils von der EU.

Doch die Stadtschäferei ist seit jeher ein Zuschussgeschäft. Vor der Übernahme der Herde betrug das Defizit 58 000 Euro. Im Wirtschaftsjahr 2014/15 wurde ein Minus von über 39 000 Euro ermittelt, im Jahr darauf lag es bei gut 13 600 Euro.
Die öffenlich-prvivate Partnerschaft soll nun helfen, die Stadtschäferei auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen.

Wie Bürgermeister Rainer Wengorsch kürzlich in der Sitzung der Stadtverordneten erläuterte, hat das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) in Frankfurt verschiedene Modelle durchgerechnet. Zur Debatte standen ein Eigenbetrieb, ein Dienstleistungsvertrag mit dem Stadtschäfer bei gleichzeitiger Überlassung der Herde oder die Anstellung des Schäfers in verschiedenen Teilzeit- und Vollzeitvarianten. Auch bei dieser Variante würde man die Herde dem Schäfer quasi als Produktionsmittel zur Verfügung stellen.

Die Stadtverordneten entschieden sich einstimmig für das Modell 3c, die dem Schäfer mehr Verantwortung überträgt: Die Stadt überlässt die Herde dem Schäfer, der weiterhin mit einer Dreiviertelstelle bei der Stadt angestellt bleibt und damit wirtschaftlich abgesichert ist. Alle Kosten, die mit der Führung der Herde anfallen, soll künftig der Schäfereibetrieb tragen. Allerdings gehen auch die Erlöse auf sein Konto. Die Stadt erhält für die Herde ein Überlassungsgeld, hinzukommen Pachteinnahmen und Weidegeld. Vorteil dieser Variante: Ein privater Schäfereibetrieb hat Anspruch auf Agrarförderung und auch auf Zuschüsse für Investitionen. Die Stadt bekommt diese Zuwendungen nicht.

Auf ihren Stadtschäfer wollen die Hungener Politiker auf keinen Fall verzichten, denn er erfüllt wichtige Aufgaben nicht nur zur Pflege kommunaler Flächen. Seine Herde sorgt dafür, dass die Magerrasen der »Wetterauer Hutungen« mit ihrer Artenvielfalt erhalten bleiben. Und auch bei zahlreichen Veranstaltungen, etwa bei Tourismus-Messen, will die Schäferstadt auf ihren Werbebotschafter nicht verzichten. Die genauen Vertragsmodalitäten soll der Magistrat nun mit dem Stadtschäfer aushandeln. Eine mit fachkundigen Mitgliedern besetzte Kommission soll laut Beschluss der Stadtverordneten den Vertragsabschluss begleiten.

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