16. Juni 2010, 16:06 Uhr

Hungener Schüler in der Gedenkstätte Auschwitz

Hungen (pm). Seit einem Schuljahr nähern sich Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 der Gesamtschule Hungen im Wahlpflichtunterricht dem Thema »Juden in Deutschland« an. Ausgehend von der jüdischen Gemeinde in Hungen, den Schicksalen einzelner Familien, erweiterten sie ihr Wissen über die jüdische Religion, die Geschichte der Judenverfolgung seit vielen Jahrhunderten und über die Zeit von 1933 bis 1945. Zu dem Projekt gehörte auch eine Fahrt in die Gedenkstätte Ausschwitz.
16. Juni 2010, 16:06 Uhr
Schüler und Lehrer der Gesamtschule Hungen vor der Gedenkstätte Auschwitz. Foto: privat)

Allein im Konzentrationslager Auschwitz wurden zwischen 1940 und 1945 bis zu anderthalb Millionen umgebracht. Zwei Hungener Bürger, Bienchen Wallenstein aus Obbornhofen und Samuel Gerendasi gehörten zu den Opfern. 24 weitere Hungener wurden an unbekannte Orte »nach Osten« verschleppt und getötet, vielleicht auch in Auschwitz. 19 Personen wurden nach Theresienstadt gebracht. Von dort wurden oft noch 1944 Menschen nach Auschwitz transportiert und getötet. Nur drei jüdische Einwohner von Hungen kamen lebend zurück und konnten von dem Grauen berichten. Eine Studienfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz sollte nun den Zehntklässlern das unfassbare Geschehen näher bringen und dazu beitragen, vielleicht sogar weitere Einzelschicksale klären.

Unter der Leitung von Oberstudienrat Hubert Wiesenbach, begleitet von der in Polen aufgewachsenen Lehrerin Renata Soszynska sowie den früheren Lehrern Günther Reichhardt und Ingrid Meybohm erforschten alle Jugendlichen die Gedenkstätte. Meybohm ist zudem aktives Mitglied der Hungener Gruppe »Spurensuche«, welche das Schulprojekt unterstützt.

Wie sie berichtete, machen die ungeheuren Zahlenmassen, Fakten und die technokratische Sprache der Lagerleitung den Zugang zur Thematik nicht leicht. Die Arbeit im Archiv, die Beschäftigung mit Einzelschicksalen oder den Briefen der Häftlinge habe die Jugendlichen jedoch ganz intensiv gefesselt. Aus der Liste der Hungener Bürger mit unbekanntem Schicksal habe man in der kurzen Zeit niemanden in den Namenslisten des Lagers finden können. Die Suchergebnisse der Archivmitarbeiterin - nach einer Voranfrage der Gruppe »Spurensuche« - hätten sich wegen Namensgleichheit als Irrtum herausgestellt. »Ganz bürokratisch ließ die Lagerleitung ab 1940 alle Lagerinsassen auflisten, sogar fotografieren, war aber gegen 1943 von den Massen der antransportierten Menschen überfordert«, erläutert Meybohm. Erst 30 Prozent dieser Listen seien digital aufbereitet und einsehbar. Daher sei es schwer, heute noch das Schicksal weiterer Hungener Bürger zu klären.

Zum Abschluss des Schuljahres wird der Wahlpflichtkurs die Ergebnisse der Studienreise präsentieren und in einer Ausstellung zeigen. Außerdem werden vier Schülerinnen im Hungener Erzählcafé am 25. Juni von 15 bis 17 Uhr im Kulturzentrum Hungen ihre Eindrücke schildern und vom Kurs angefertigte Bilder dazu zeigen.

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