28. Dezember 2016, 18:23 Uhr

Hungens kleiner Rewe schließt

Hungen (pad). Nach Weihnachten sind die Regale leer – doch im Rewemarkt am Bürgerpark in Hungen werden sie nicht mehr mit Ware aufgefüllt. Der Markt schließt am 31. Dezember seine Türen. Arbeitsplätze sollen dabei nicht verloren gehen.
28. Dezember 2016, 18:23 Uhr
Noch hängen die Reweschilder am Bürgerpark. Ab Mitte Januar zieht hier Penny ein. (pad) (Foto: Patrick Dehnhardt)

In der 12 500-Einwohner-Stadt Hungen gab es bisher zwei Rewe-Märkte: Einen in der Gießener Straße und einen am Bürgerpark, der im Volksmund »kleiner Rewe« genannt wurde. Beide Märkte werden seit Januar von Kaufmann Timo Nies betrieben, der das Geschäft von seinem Vater übernahm. Doch während der »große« Markt läuft, hatte der »kleine« schon seit vielen Jahren mit den Umsätzen zu kämpfen, sagt Nies im Gespräch mit dieser Zeitung.

Dabei waren aber nicht etwa die Discounter oder der Internethandel die Ursache: »Unsere größte Konkurrenz waren wir selbst«, sagt Nies. Zwei Märkte mit gleichem Grundkonzept und Produktangebot auf so kurzer Distanz machten sich gegenseitig die Kundschaft streitig. Über Jahre hinweg hat Nies die Zahlen beobachtet. Wenn der kleine Markt mehr Umsatz machte, verlor dies in gleichem Umfang der große Markt – und umgekehrt.

Besonders 2005, als der Markt in der Gießener Straße abgerissen und neu gebaut wurde, brummte am Bürgerpark das Geschäft, wurde er sogar als Umsatzsieger von der Rewe-Gruppe ausgezeichnet. Nach der Neueröffnung in der Gießener Straße war dies wieder Geschichte. Auch die Einweihung der Umgehungsstraße habe man deutlich gemerkt. Denn vorher sei die Innenstadt belebter gewesen. »Damals hatte der Bürgerpark einen anderen Stellenwert«, sagt Nies. Danach war man nur noch Nahversorger.

Dass 2008 der kleine Rewe-Markt erweitert wurde, die Verkaufsfläche sich auf 900 Quadratmeter verdoppelte, war letztlich der Anfang vom Ende. Denn die Umsätze stiegen nicht in dem Verhältnis wie die Kosten. Der Markt fuhr ein Minus ein. »Es ist mit der Kaufkraft in Hungen so, dass es nur einen Kuchen gibt«, erklärt Nies. »Und wenn da einer ein Stück mehr bekommt, verliert ein anderer dies in gleichem Umfang.« Als Takko und Rossmann am Bürgerpark ihre Filialen eröffneten, brachte dies noch einmal eine Belebung. Doch letztlich reichte es nicht aus. »Den kleinen Markt weiterzuführen, war für uns nicht mehr wirtschaftlich«, sagt Nies. Schnäppchenjäger brauchen sich nun aber keine Hoffnungen zu machen: Einen Ausverkauf wird es zum Jahreswechsel nicht geben. Nach Marktschluss am 31. Dezember werden die Mitarbeiter die Ware aus den Regalen ausräumen und in den großen Markt bringen. Dort findet auch ein Teil der Belegschaft ihren neuen Arbeitsplatz. Der andere Teil wechselt zu Penny. Der Discounter will dort Mitte Januar eine neue Filiale öffnen.

Damit schließt sich auch ein Kreis: Als das Bürgerparkareal einst in der Altstadt angelegt worden war, hatte hier zunächst ein Direkt-Markt, ebenfalls ein Discounter, sein Domizil. Die Bäckereifiliale im Supermarkteingang ist von der Schließung übrigens nicht betroffen.

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