25. Januar 2010, 18:00 Uhr

»Politischer Erfolg braucht auch Glück«

Hungen (dv). Zum Neujahrsempfang in der Volkshalle Utphe hatte die CDU Hungen mit Dr. Christian Schwarz-Schilling einen bekannten Gastredner gewonnen. Er war von 1982 bis 1993 Bundespostminister, also zu einer Zeit, in der sich die Post von einer staatlichen Institution zu einem Dienstleistungsunternehmen wandelte.
25. Januar 2010, 18:00 Uhr
Schwarz-Schilling

Hungen (dv). Zum Neujahrsempfang in der Volkshalle Utphe hatte die CDU Hungen mit Dr. Christian Schwarz-Schilling einen bekannten Gastredner gewonnen. Er war von 1982 bis 1993 Bundespostminister, also zu einer Zeit, in der sich die Post von einer staatlichen Institution zu einem Dienstleistungsunternehmen wandelte. Unter seiner Ägide wurde das Kabelfernsehen eingeführt und gegen viele Wiederstände das Privatfernsehen zugelassen. Nach Forschungsarbeiten in Kooperation mit Frankreich wurde zudem der Mobilfunk GSM eingeführt.

Der CDU-Vorsitzende Joachim Heinzerling begrüßte neben dem Redner auch Bürgermeister Klaus Peter Weber und die Vertreter der verschiedenen Gremien und Parteien sowie viele Gäste. »Wie steht es mit uns im Jahre 2010 nach 60 Jahren Bundesrepublik und 20 Jahren Mauerfall ?« fragte er eingangs einer kurzen Ansprache. Laut Allensbach seien die Deutschen gelassen selbstbewusst, stolz auf das Erreichte und sähen das Land als stabile freiheitliche Demokratie und als anerkannten Partner in der Weltgemeinschaft. Für die Zukunft überwiege die Hoffnung gegenüber einer gewissen Bangigkeit. »Dabei dürften wir aber die Augen nicht verschließen vor den großen Anforderungen, die mit Klimawandel, Energieversorgung und Altersstruktur auf uns zukommen«, schloss Heinzerling.

Er sei vor 40 Jahren zum ersten Mal in Hungen gewesen, erinnerte sich Schwarz-Schilling, der heute in Büdingen lebt. Anlass war damals der Landtagswahlkampf. Seine Ausführungen waren in der Folge eine gestraffte Zeitgeschichte von 1949 bis heute. Zu allem politischen Wirken gehöre auch etwas Glück, um erfolgreich zu sein. Ein solcher Glücksfall sei der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer gewesen, der mit Weitsicht die Entwicklung der Bundesrepublik mit der Westbindung richtig gesteuert habe.

Als weiteren Glücksfall bezeichnete Schwarz-Schilling, dass sich die USA nicht auf grund ihrer Stärke isoliert hätten, sondern die Bedeutung Europas erkannten. Ein wichtiger Baustein hin zur Wiedervereinigung sei auch Willi Brandts Ost- und Europapolitik gewesen. Mit Michail Gorbatschow kam die Einsicht, dass die damalige UdSSR mit ihrer schlechten Wirtschaft nicht mithalten konnte. Wieder sei es einer der politischen Glücksfälle gewesen, dass sich mit Reagan, Helmut Kohl und Gorbatschow drei »vernünftige« Leute gegenüber gestanden hätten. Ausführlich befasste sich Schwarz-Schilling mit der Finanzkrise. Sie sei so nicht vorstellbar gewesen und bei den Möglichkeiten der Globalisierung und Digitalisierung selbst mit der Krise 1929 bis 1932 nicht zu vergleichen. Die EU habe richtig und schnell gehandelt, was nur in dem Zusammenschluss der Länder möglich und mit ein Verdienst von Angela Merkel gewesen sei. Mehrfach stellte der ehemalige Minister die Notwendigkeit und Bedeutung der europäischen Union heraus. Ferner betonte er den langen Weg, der zur Demokratie geführt habe. Es sei daher nicht möglich, zu glauben, im Irak und Afghanistan, einer völlig anderen Welt, in wenigen Jahren diese zu erreichen. In der Vergangenheit sei zu oft abgewartet worden, beispielsweise auf dem Balkan. Das habe seinerzeit auch zu seinem Rücktritt geführt und dem Einsatz als Bosnien-Vermittler. Abschließend stellte er am Beispiel seiner Enkel fest, dass es bei der Jugend Interesse gibt, zu erfahren, wie war es früher. Damit käme den Großeltern als Zeitzeugen eine wichtige Rolle zu.

Nach einem deftigen Heringsessen unterhielt die Shanty-Crew des Gesangvereins »Liederkranz«, die bereits am Anfang mit ihren Seemannsliedern erfreut hatte. Danach wurden langjährige Mitglieder durch den Vorsitzenden Heinzerling geehrt. Etliche gehören der CDU seit 35 Jahren an, so auch Karl Ludwig Brück, der seit 1985 Ortsbeiratsmitglied und noch heute Stadtverordneter ist. Dieter Rützel war von 1977 bis vor wenigen Jahren im Ortsbeirat, Parlament und Magistrat und Erster Stadtrat. Ebenfalls 35 Jahre CDU-Mann ist Horst W. Bopf. Sieglinde Dickel und Otfried Heckmann gehörem seit 30 Jahren dazu. Für 25 Jahre wurden ausgezeichnet Christel Hahn und Alfred Beltrup. 20 Jahre gehört Maria Seibert zur CDU. Sie arbeitet im Vorstand und bei vielen Anlässen mit. Die gleiche Zeit ist Adolf Neubauer kommunalpolitisch engagiert.

Seit zehn Jahren gehören Helmut Schombert, Darius-Adam Duda, Arnold Reichhardt, Manfred Gellert, Christian Gellert, Andreas Stingl, Jörg Boßlau und Heinz Wanschura zur Partei.



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