15. Juni 2016, 18:53 Uhr

Hermann, dem Hessen, ganz nah

Langgöns (tan). Es ist schon lange kein Geheimnis mehr: Südlich von Lang-Göns und in Holzheim existieren zwei der größten Feldhamsterpopulationen Hessens. Diese Tatsache und die Ausrufung zum »Tier des Jahres 2016« waren Grund genug für die NABU-Ortsgruppe Dornholzhausen, den Feldhamster in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.
15. Juni 2016, 18:53 Uhr
Tobias Reiners mit einem Feldhamster. (Foto: Reiners)

Diplom-Biologe Tobias Reiners vom Senckenberg-Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, der auch Gebietsbetreuer bei der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz in Hessen (AGF) ist, referierte über »Hermann, den Hessen«, wie der Feldhamster hierzulande auch gerne genannt wird. In den Vereinsräumen der »Zwitscherstube« begrüßte der Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe, Prof. Axel Wehrend, den Referenten.

Reiners berichtete über die spannende Lebensweise des Nagers und beleuchtete die Geschichte der Tierart von der Ankunft in Westeuropa, über die Zeiten von Massenvermehrungen bis hin zur aktuell traurigen und alarmierenden Situation des possierlichen Feldgesellen: »In den letzten 20Jahren sind die Bestände europaweit dramatisch zusammengebrochen und vielerorts ist der bunte Nager bereits vollständig aus unseren Feldern verschwunden«, beschrieb er die derzeitige Lage.

Die Rote Liste Deutschland führt den Feldhamster seit 2009 als »vom Aussterben bedroht«. Nur wenige Glückliche könnten heutzutage noch von sich sagen, einem Feldhamster begegnet zu sein, sagte Reiners. Die versteckt lebende Art, die einst als Schädling der Landwirtschaft verfolgt wurde, sei heute leider weitgehend aus der Erinnerung der Bevölkerung verschwunden. Der erhöhte Schutzstatus habe leider auch zur Folge, dass der Feldhamster immer wieder in die Schlagzeilen kam, weil bei Bauprojekten Feldhamster betroffen waren. Dies sei jedoch meist auf eine Fehlplanung zurückzuführen. »Feldhamster haben bis heute kein Bauprojekt verhindert«, betonte Reiners. Es sei meist »nur« zu Verzögerungen gekommen.

Die historische Bejagung, der immense Flächenverlust und die Zerschneidung des Lebensraumes hätten bis heute starke negative Einflüsse auf den Feldhamster. Zusätzlich habe sich seit den 70er-Jahren die Agrarlandschaft, Lebensraum des Nagers, massiv verändert. Immer weniger Fruchtarten, immer frühere Ernten mit großen Maschinen hätten zur Folge, dass der Feldhamster innerhalb kurzer Zeit seinen Lebensraum verloren habe.

Die AGF und das Land Hessen bemühten sich deshalb seit über einem Jahrzehnt, den Feldhamstern auch nach der Ernte Schutz und Nahrung zu bieten. In Kooperation mit Landwirten werde Getreide auf den Feldern stehen gelassen. Das Land Hessen fördere derzeit rund 360 Maßnahmen. Jedoch zeigten auch aktuelle Bestandszahlen, dass es dem Feldhamster weiter schlecht gehe, so dass die Arbeit der AGF auch zukünftig wichtig sei.

Erfolgreicher Feldhamsterschutz findet in Lang-Göns und in Holzheim statt: Dort existieren zwei der größten Feldhamsterpopulationen Hessens, die von Martin Wenisch mit einigen örtlichen Landwirten und der AGF seit Jahren sehr erfolgreich betreut werden. Von 2004 bis 2013 wurden 2384 Feldhamsternachweise erbracht, von 2007 bis 2012 wurden insgesamt 216 Schutzmaßnahmen nach dem Artenhilfskonzept umgesetzt, es gibt u.a. auch regelmäßig Exkursionen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alarme
  • Fehlplanungen
  • Getreide
  • Landwirte und Bauern
  • Lang-Göns
  • Lebensweisen
  • Schädlinge
  • Senckenberg Naturmuseum
  • Tierarten
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.