07. November 2008, 19:44 Uhr

Dorferneuerung sollte Augenmerk auf den Menschen richten

Laubach (pm). »Was kommt, wenn die Millionen verbaut sind«, lautete das Motto der sechsten Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Ortsteiltour des unabhänigen Bürgermeisterkandidaten Peter Klug am Donnerstag im Bürgerhaus Wetterfeld.
07. November 2008, 19:44 Uhr
»Wie sieht die Zukunft in unseren Dörfern aus?« Darüber diskutierten Oliver Meermann, der unabhängige Bürgermeisterkandidat Peter Klug, Erster Kreisbeigeordneter Stefan Becker, Kurt Hillgärtner (Verein »Gießener Land«) und Dr. Ulf Häbel im Wetterfelder Bürgerhaus (Foto: pm)

Das in Anspielung auf die Dorferneuerung in dem Ortsteil gestellte Thema bezog sich auf die Zukunft des Lebens in ländlich geprägten Dörfern. Martin Mignon, stellvertretender Ortsvorsteher, hatte - wie der AZ geschrieben wird - die Gäste im Publikum und auf dem Podium begrüßt: neben Klug noch Ersten Kreisbeigeordneten Stefan Becker, Johanniter-Regionalvorstand Oliver Meermann und Dr. Ulf Häbel, Pfarrer, Landwirt und gefragter Experte in Sachen ländlicher Raum.

Ebenfalls auf dem Podium Rabenaus Bürgermeister Kurt Hillgärtner (FW), der als Vorsitzender des Vereins »Gießener Land« teilnahm. Er stellte das mit EU-Mitteln gespeiste Förderprogamm »IREK« vor, erwähnte unter anderem den Förderantrag Laubachs für eine Fahrradstation am alten Bahnhof.

In der zweistündigen angeregten Diskussion stellten die Teilnehmer des Podiums zunächst ihre Vorstellungen, Erfahrungen und Thesen auf. Zunächst machte Klug seine Vorstellungen von der Stärkung der Ortsteile deutlich. Zentrales Element sei für ihn die Stärkung der Ortsbeiräte und Ortsvorsteher. Sie wüssten am besten, was vor Ort nötig und wichtig sei, könnten in vielen Fällen viel besser, schneller und wirtschaftlicher entscheiden und handeln als eine zentrale Verwaltung. Er werde den Ortsbeiräten mehr Verantwortung und höhere eigene Budgets geben, sie künftig nicht nur gleich zu behandeln, sondern ihre Ideen und Anregungen ernst nehmen. »Protokolle und Anfragen gehören nicht in die Schublade, sondern zügig beantwortet und erledigt.« Dass seit geraumer Zeit Anfragen der Ortsteilgremien aus Kostengründen aus dem Rathaus nicht mehr schriftlich beantwortet werden, empfinde er als herabwürdigend für Menschen, die sich ehrenamtlich einsetzen. Weitere Punkte auf Klugs Liste zur Stärkung der Dörfer: den Familienrabatt für Neubauplätze (maximal 6000 Euro) auch bei Kauf und Sanierung leerstehender Häuser in Ortskernen gewähren und regelmäßige Bürgermeister-Sprechstunden in allen Ortsteilen.

Der Sozial- und Jugenddezernent des Kreises, Stefan Becker, stellte im Vergleich zum Stadtleben die auf dem Dorf meist noch intakten Vereinsstrukturen als Lebensqualität und Standortvorteil heraus. Er zeigte aber auch auf, dass ein messbarer Zuzug von Langzeitarbeitslosen wegen billigeren Wohnraums von den Städten auf die Dörfer zu verzeichnen sei. Die Sozialstruktur ändere sich und mithin die Fallzahlen etwa der Jugendhilfe. JUH-Chef Meermann stellte die Bedürfnisse der zunehmend älteren Bevölkerung mit Blick auf ärztliche Versorgung, Pflege, aber menschlicher Zuneigung im Alter in den Fokus. Fachärzte zögen sich immer stärker in die Zentren, selbst Hausarzt-Praxen hätten es auf dem Land immer schwerer und Vereinsamung von Menschen - einst ein Großstadtproblem - sei zunehmend selbst im Dorf zu verzeichnen. Hier könne mit neuen Ideen wie Patenschaften für Alte entgegen gewirkt werden, ebenso wie Vereine aus purer Selbsterhaltungsnot stärker auf Integration ausländischer Mitbürger setzen sollten.

Häbel war sich sicher: »Dörfer haben Zukunft!« Allerdings mit der Einschränkung »wenn Menschen in ihnen beheimatet sind«. Sein Appell in Richtung Dorferneuerer: »Stellt nicht den Parkettboden oder das Straßenpflaster in den Mittelpunkt, sondern die Menschen im Dorf!« Wenn die verschiedenen Gruppen im Dorf in »versöhnter Verschiedenenheit« zusammen lebten, Treffpunkte hätten, die Selbstgestaltungskräfte aktiviert werden könnten, etwa in Form rüstiger Renter, dann werde Dorfleben attraktiv auch für junge Menschen oder Zuzügler. »Dafür müsst Ihr die Leute aber ernst nehmen und ihre Leistungen anerkennen«, appellierte der engagierte Pfarrer an die anwesenden Kommunalpolitiker.



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