21. Mai 2009, 13:26 Uhr

»Durchschnittlich rund 30 Prozent Umsatzrendite«

Laubach (tb). Vor zehn Jahren lief der Vertrag aus, kam es zur Trennung: Die Stadt Laubach verabschiedete sich von der laut hessischem Forstgesetz für kommunale Waldbesitzer vorgeschriebenen staatlichen Beförsterung. Eine Freistellung gewährte das Land erst ab 8000 Hektar, was nur für Frankfurt und Wiesbaden zutraf. Laubach, mit rund 2000 Hektar dennoch einer der landesweit größten (kommunalen) Waldbesitzer, beschritt im Widerspruch zum damals noch geltenden Gesetz einen Sonderweg, überführte den Wald in eine Stiftung und übertrug die Beförsterung einem privaten Dienstleister.
21. Mai 2009, 13:26 Uhr

Laubach (tb). Vor zehn Jahren lief der Vertrag aus, kam es zur Trennung: Die Stadt Laubach verabschiedete sich von der laut hessischem Forstgesetz für kommunale Waldbesitzer vorgeschriebenen staatlichen Beförsterung. Eine Freistellung gewährte das Land erst ab 8000 Hektar, was nur für Frankfurt und Wiesbaden zutraf. Laubach, mit rund 2000 Hektar dennoch einer der landesweit größten (kommunalen) Waldbesitzer, beschritt im Widerspruch zum damals noch geltenden Gesetz einen Sonderweg, überführte den Wald in eine Stiftung und übertrug die Beförsterung einem privaten Dienstleister. Motiv nicht zuletzt: das hohe Defizit in den zehn Jahren davor (laut Bürgermeister Spandau »rund 1,9 Mio. D-Mark«). Das Zehnjährige der Stadtwaldstiftung bestimmte denn auch die diesjährige Waldbegehung, zu der die Stadt soeben Mandatsträger und andere Interessierte lud.

Revierförster Ulrich Imhoff hatte die Teilnehmer zunächst durch eine Reihe sogenannter »Waldbilder« geführt, dabei schwerpunktartig die Arbeit des Forstes vor Ort erläutert (siehe Bericht oben). Bei der Abschlussrunde im Gonterskirchener »Tannenhof« nannte Joachim Busch, Gesellschafter der KB Forst GmbH (Büdingen), nüchterne, doch imponierende Zahlen. Vorweg: Die Bilanz für zehn Jahre private Beförsterung des Laubacher Stadtwaldes fällt aus Sicht des Dienstleisters sehr positiv aus.

Als »Sternstunden« der ersten zehn Jahre - nach der Gründung 1999, versteht sich - nannte der Forstoberrat i.P. die erste »stratifizierte« Stichprobenanalyse Hessens zur Ermittlung von Holzvorrat und -qualität im Jahre 2000. Es folgte zwei Jahre darauf die erste »Forsteinrichtung« (langfristige Planung) Hessens, die auf solcher Stichprobe basiert. 2004 habe die Stadtwaldstiftung wiederum eine Vorreiterrolle übernommen, als erster kommunaler Waldbesitzer einen »Natura2000«-Vertrag mit dem Land Hessen über die Bewirtschaftung im FFH- und Vogelschutzgebiet schloss.

Die wirtschaftlichen Erfolge habe der Hessische Rechnungshof 2006 bescheinigt: Im Ergebnis der Prüfung, so Busch, habe der eine Spitzenstellung in Hessens Kommunalwäldern attestiert. Letzte »Sternstunde« war schließlich im Vorjahr die Eröffnung eines »Ruheforstes« (die Nachfrage nach dieser alternativen Bestattungsform übertraf alle Erwartungen, die AZ berichtete mehrfach). Positiv nicht minder die betriebswirtschaftlichen Zahlen: Laut Busch, als dessen Spezialgebiete die KB Forst GmbH »forstliches Controlling und Organisation« nennt, verwies auf eine durchschnittliche Umsatzrendite von 30 Prozent in zehn Jahren. Die Jahresüberschüsse bewegten sich anfangs um die rund 100 000 Euro, kletterten 2002 auf 150 000 Euro, um 2007/2008, nach den Stürmen »Kyrill« und »Emma«, geradezu zu explodieren. Für das laufende Forstwirtschaftsjahr erwarten die Büdinger wieder den »Regel-Überschuss« von rund 150 000 Euro. Das Ergebnis pro Hektar bewegte sich mithin zwischen gut 50 und 250 Euro.

Busch ging näher auf einige Fakten zum Einschlag ein: Seit 1999 waren es 147 006 Erntefestmeter (Efm), die genehmigte Forsteinrichtung weist nur 139 372 Efm aus. Aufgrund von Kalamitäten (Stürme »Kyrill« und »Emma«, Käferbefall) kamen 47 309 Festmeter hinzu. Der Anteil aus der Waldpflege (Vornutzung) am Gesamteinschlag habe 75 Prozent betragen, lag damit noch 13 Prozentpunkte über der genehmigten Forsteinrichtung.

Rund 40 Kilometer Zaun gegen Wildschäden

Busch splittete im Weiteren die Investitionen auf: In Kulturen (123,5 ha) flossen seit 1999 rund 430 000 Euro, der Zaunbau gegen Wildschäden (98 ha bzw. rund 40 Kilometer) erforderte einen Aufwand von 157 000 Euro (Herstellungskosten). Hinzu kamen Maßnahmen zum Einzelschutz auf rund 13 Hektar, zur Kulturpflege auf 295 Hektar (»einzelne Flächen mussten mehrfach gepflegt werden«), zur Läuterung (Pflegehiebe ohne Holzanfall auf 389 Hektar; Kulturpflege und Läuterung zusammen kosteten 322 000 Euro. Für Wegeinstandhaltung investierte man laut Busch insgesamt 178 000 Euro. Fazit: »Insgesamt flossen weit über eine Million Euro in investive Maßnahmen.«

Dass die satzungsgemäße Verpflichtung der Stiftung (Ausschüttung für soziale, karitative Zwecke) erfüllt wurde, dafür hatte Busch eine beeindruckende Zahl parat: »Insgesamt wurden weit über eine Million Euro ausgeschüttet.«

Als Errungenschaften der ersten zehn Jahre nannte der Forstoberrat i. P. zunächst die »strategische Ausrichtung aller Betriebsabläufe und Transparenz in allen Bereichen«. Hervor hob Busch auch, das man mit dem Kuratorium eine »unabhängige Fachkompetenz« installieren konnte. Und nicht zuletzt: »nachhaltige Gewinne« (knapp zwei Mio. Euro) statt der Verluste zuvor. Einhergehend damit sei eine Waldrücklage von 403 000 Euro gebildet worden, führte Busch aus und taxierte die Eigenkapitalaufstockung (Ökopunkte) mit 187 000 Euro. Aber auch »mehr Stabilität und Vielfalt durch standortangepasste Baumartenwahl« sowie eine »konsequente Pflege« stehen auf der Haben-Seite der Stadtwaldstiftung.

Last but not least: Biotopverbesserungen. Busch nannte hier abschließend die Extensivierung auf Teilflächen, Schaffung von Altholzinseln, Hirschkäfermeiler, Horsthilfen sowie die »Totholzanreicherung«.



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