17. Oktober 2008, 18:38 Uhr

Laubachs Stadtmauern sollen seinen Blick nicht begrenzen

Laubach (hjp). »In diesem Dorf könnten wir leben«, reklamiert Peter Klug vor rund 45 Zuschauern im Dorfgemeinschaftshaus Freienseen. Er wird an diesem Abend seines Wahlkampfgastspiels im (ehemals) »freien Reichsdorf« noch mehrfach ein deutliches Bekenntnis für den ländlichen Raum ablegen. Der 28-jährige Kandidat eines »Bürgerbündnisses« für das Bürgermeisteramt der Stadt Laubach findet es schön hier in Freienseen, ist beeindruckt von der Fachwerkarchitektur und vom großen Zusammenhalt in dem kleinen Vogelsbergdorf. Er mag die Überschaubarkeit und die Idylle, womöglich als Ausgleich für das Stadtleben, dem er nahezu tagtäglich als Verwaltungmitarbeiter der Stadt Frankfurt ausgesetzt ist.
17. Oktober 2008, 18:38 Uhr
Peter Klug (unabhängig) in Freienseen. (Foto: hjp)

Laubach (hjp). »In diesem Dorf könnten wir leben«, reklamiert Peter Klug vor rund 45 Zuschauern im Dorfgemeinschaftshaus Freienseen. Er wird an diesem Abend seines Wahlkampfgastspiels im (ehemals) »freien Reichsdorf« noch mehrfach ein deutliches Bekenntnis für den ländlichen Raum ablegen. Der 28-jährige Kandidat eines »Bürgerbündnisses« für das Bürgermeisteramt der Stadt Laubach findet es schön hier in Freienseen, ist beeindruckt von der Fachwerkarchitektur und vom großen Zusammenhalt in dem kleinen Vogelsbergdorf. Er mag die Überschaubarkeit und die Idylle, womöglich als Ausgleich für das Stadtleben, dem er nahezu tagtäglich als Verwaltungmitarbeiter der Stadt Frankfurt ausgesetzt ist.

Klug, obwohl von den Freien Wählern, Grünen und den »BfL« als Kandidat auserkoren, betont seine Unabhängigkeit. Nicht nur formal (er tritt nicht auf dem »Ticket« einer Partei oder Wählergruppe an). Er sei der Kandidat für alle Bürger Laubachs, also auch für die aus Freienseen, stellt er klar. Und legt seine politische Vita offen: Seine politische Karriere hat er in der CDU gestartet, sich aber von ihr abgewandt - die Entscheidungsstrukturen bei den Christdemokraten fanden nicht sein Gefallen. Er gründete in Flieden nahe Fulda die freie Liste »Bürger für Flieden«, zog in seiner Heimatgemeinde in die Gemeindevertretung ein und ist seit 2006 auch Abgeordneter im Fuldaer Kreistag (hier für die Freien Wähler).

Die Kandidatur zum Amt des Bürgermeisters in Laubach soll für den verheirateten Vater eines kleinen Sohnes ein weiterer Tritt auf der Karriereleiter nach oben sein. Seine Affinität zum ländlichen Raum teilt Klug mit Pfarrer Dr. Ulf Häbel, der seine Liebe fürs Land und vor allem für Freienseen und seine Bewohner schon vor Jahren gefunden hat, die Dorferneuerung geprägt hat.

Häbel: Es gibt hier vier Typen

Es war dann auch Häbel, den Klug gebeten hatte, ihn bei seiner Vorstellung als Bürgermeisterkandidat zu begleiten. Und der »sezierte« nun zunächst die gesellschaftliche Struktur des Seentaldorfes: es gäbe vier verschiedene Typen der Dorfbevölkerung, konstatierte Häbel. Zunächst einmal die »Alt-Dörfler«, die, alteingesessen, sich zurückhaltend zeigen bei anstehenden Veränderungen in ihrem täglichen Leben. Dann die »Neu-Dörfler«, die Ansprüche stellen, auf Veränderung eingefahrener Strukturen pochen, die selbst der krähende Hahn auf dem mit ländlichem Duft umströmten Misthaufen störe. Zudem die »Randgruppe«, der es aufgrund ihrer sozialen Situation schwer falle, sich in die Dorfgemeinschaft zu integrieren. Ganz anders die vierte Gruppe, die »Emanzipierten«. Meist Frauen, etwas ökologisch geprägt, die fortschrittliche Ideen hätten und sich für Veränderungen einsetzten, referierte der engagierte Pfarrer. All diese Gruppen gelte es zusammenzuführen. »Sie müssen miteinander reden!« Nur so könne das Dorf, der ländliche Raum gestärkt werden. Kommunikation sei alles, präge das Leben im Dorf, die Gemeinsamkeit - und sei Voraussetzung für positive Veränderung.

Ein Rezept, das auch der Bürgermeisterkandidat Peter Klug (sich selbst) verschreibt: Im Falle seiner Wahl werde er seinen Blick nicht durch die Stadtmauern Laubachs beschränken lassen, sich neben den »großen Verwaltungsaufgaben« verstärkt auch um die Dörfer der Kommune kümmern. Seine Maxime sei es, Bürgermeister für alle Laubacher zu sein - unabhängig, ob diese aus der Kernstadt oder den Dörfern kommen. Unabhängig - auch von politischen Strömungen. Er verspricht seinen Zuhörern, immer ein offenes Ohr für die Bevölkerung, für alle gesellschaftlichen Gruppen zu haben, um »alle mitzunehmen in ein lebens- und liebenswerteres Laubach«.

Das Publikum hat dem rund einstündigen Referat Häbels und den Ausführungen Klugs aufmerksam gelauscht. Was aber brennt den Freienseenern unter den Nägeln, was fordern sie von einem Verwaltungschef im Laubacher Rathaus, wie stellen sie sich etwa ein »lebens- und liebenswerteres Laubach« vor? Solcherart Fragen aber kommen an diesem Abend nicht. Brennt den Freienseenern, nachdem im Vorjahr endlich der Komplettausbau der Ortsdurchfahrt (samt neuen, durchgängigen Bürgersteigen) erfolgte, nichts unter den Nägeln? Offensichtlich nicht. Aber es ist nun auch bereits kurz vor zehn am Abend, und seit der Begrüßung sind bereits rund 100 Minuten vergangen.



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