22. August 2010, 19:06 Uhr

Rund 12 000 Besucher beim Laubacher Blues-Festival

Laubach (jhm). Ein rundum zufriedener Veranstalter, traumhaftes Wetter und musikalische Höhepunkte am Fließband: Ähnlich wie im Vorjahr ließen am Wochenende rund 12 000 Besucher Laubachs Schlosspark zu Deutschlands Hochburg der Blues-Musik werden und feierten unter dem Motto »Classic Rock trifft Blues Rock« die nunmehr 17. Auflage von »Blues, Schmus & Apfelmus«.
22. August 2010, 19:06 Uhr
Rodeo - Spannend für Kinder

Laubach (jhm). Ein rundum zufriedener Veranstalter, traumhaftes Wetter und musikalische Höhepunkte am Fließband: Ähnlich wie im Vorjahr ließen am Wochenende rund 12 000 Besucher Laubachs Schlosspark zu Deutschlands Hochburg der Blues-Musik werden und feierten unter dem Motto »Classic Rock trifft Blues Rock« die nunmehr 17. Auflage von »Blues, Schmus & Apfelmus«.

Zusätzlich zu 24 Bands auf vier Bühnen hatten die Veranstalter von der Laubacher Kultur- und Bäder GmbH dabei einmal mehr auch ein buntes Rahmenprogramm zusammengestellt. Während die Kleinen sich am Spielspektakel »Fidibus« mit Hüpfburg, Erbsenstecken, Rodeoreiten und Kinderschminken erfreuen sowie die Herausforderungen des Kistenkletterns mit der Laubacher Feuerwehr und Ponyreiten angehen konnten, lockten auf dem Apfel- und Bauernmarkt rund 40 Stände von Direktvermarktern und Vereinen.Nach Aussage vom Geschäftsführer des Kulturbüros, Klaus Hövel, spielte neben Klassikern wie der Trecker- Ausstellung das »Apfelmus« eine größere Rolle als je zuvor. Neben allen denkbaren Apfelprodukten und weiteren Leckereien an den Ständen sowie einer imposanten (Erd)-Apfeldämpfmaschine der Firma Weber aus Heuchelheim sorgte ein Sponsor an der Apfelpresse für frischen Saft, die neue Apfelweinkönigin des Landkreises Gießen, Heike Sauerbier aus Grünberg, wurde im Rahmen des Festivals inthronisiert und gab sogleich ein Fass »Ebblwoi« aufs Haus. Im Apfelweinzelt lockte zudem eine Ausstellung von Original-Cartoons des Wetzlarers Günter Henrich zu »Apfelweinglückseligkeit«. »Super angekommen« sei in diesem Jahr auch die neu eingerichtete Cocktail- Ecke, so Hövel. Die Standby- Truppe »Papa Legbas Bluesband« erwies sich ebenfalls als Gewinn. Bei ihren spontanen Einlagen auf dem Gelände durften die Zuschauer an Rhythmusgeräten mitwirken und den Blues »probieren«.

Musikalisch sorgten nach der schwungvollen Eröffnung am Freitag mit traditionellem Fassbieranstich am Samstag zunächst die »Red Bananas Blues Band« mit Wetzlarer Bluespower auf der »Gelben Pagode« und die »Hot Shot Bluesband« aus Bayern im »Zirkuszelt« für einen Auftakt nach Maß. Im Apfelweinzelt rissen »Dr. Mojo & Friends« mit typisch erdigen Blues, Gospelsongs und Klassikern im neuen Gewand die Besucher förmlich von den Sitzen. »De Guggugg« bot im Mundartzelt einen humorig-hessischen Kontrast aus irischer Musik und »Ourwäller Liesche« und »Ebblwoi«.

Auf Lokalkloritt waren wenig später auch »Lamentierholz« aus, hinter deren »Oberhessen- Folk« der Busecker Lyriker und Liedermacher Alfred Keil steckt. Eine ganz besondere Therapie für alle Blues-Süchtigen offerierte schließlich der »Bluesdoctor« mit spritzigem Chicago-Blues, bevor mit Jörg Hegemann eine echte Szenegröße im Apfelweinzelt mitreißenden Boogie am Klavier darbot. Unterstützt wurde der »Pianist des Jahres 2009« dabei vom Frankfurter Thomas Aufermann, dem wohl besten Bog-Joe- Turner-Interpreten in Europa. Die literarische Schönheit des schwarzen Blues und weißen Rock’n’Roll präsentierte schließlich der Kölner Winfried Rode im Mundartzelt. Eine lieb gewonnene Tradition des Festivals ist der Auftritt des »Blues Chor Laubach« in der einmal mehr vollbesetzten Stadtkirche unter Leitung von Rainer Geitl (ausführlicher Bericht folgt). Im Schlosspark lud derweil Norbert Lohan zum Offenen Blue- Sharp Workshop ins Zirkuszelt, bei dem die Zuschauer ihre Mundharmonikas gezielt einsetzen konnten.

Das Abendprogramm beinhaltete dann das große Highlight des Festivals: Die 79jährige Blues-Legende »Guitar Crusher« alias Sidney Selby zeigte auf der »Gelben Pagode«, wie ein Entertainer der alten Schule sein Publikum vom ersten Takt an mitreißen kann. Gemeinsam mit der Band »The Groovers«, die ihrem Namen alle Ehre machte sowie Tino Gonzales an der Gitarre präsentierte der teils einfühlsam, teils energisch singende »Crusher« aus North Carolina eine Mischung aus erdigem Blues und mitreißendem Soul, in der er von ernsten Themen wie Gewalt, Geldnot und Frauen erzählt.

Im Zirkuszelt spielen parallel dazu die Weseler »Lanko feat. Toos« (finnisch für »Schwager«) phantasievolle Gitarrensoli, die Ruhrpott-Größen »Papa Joe and the Bluesdogs« hatten aus gleich zwei Generationen Bluesleben zu erzählen, während »Bakad Kapelye« osteuropäische und jiddische Folklore mit zeitgenössischen Elementen verschmelzen ließen. Zur traditionellen Mitternachtssession nach dem offiziellen Programm trafen sich die Bands schließlich im Apfelweinzelt und heizten den Besuchern noch bis in die frühen Morgenstunden ein.

Der Sonntag, welcher traditionell mit einem Bluesgottesdienst im Zirkuszelt begann, wurde von der Gruppe »GosPop« aus Mittelhessen schwungvoll eingeleitet. »Foxchase« boten »Naherholung fürs Gemüt« mit hausgemacht- authentischem Bluegrass. Eine Mischung aus Bluesrock und Jazz spielten »Exbluesiv«, bevor »Das Endgültige südhessische Ukulelenorchester« seinen Lokalkloritt nach Hawaii verfrachtete. »Falconz Blues Band« bestätigte Szene- Vergleiche mit »Lynyrd Skynyrd«, bevor mit »Blues Lick« eine der talentiertesten Songschreiber Bayerns harten Rock mit Country mixten.

Zum Abschluss des Festivals gaben sich Blues Harp- Größe Dieter Kropp, ein Stammgast beim »Blues, Schmus & Apfelmus« und »Short Line« die Ehre, welche mit Klassikern von B.B. King, Muddy Waters und J.J. Cale das Festival abrundeten und sich dabei auch von den allmählich herannahenden Gewitterwolken nicht abschrecken ließen.



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