28. Juni 2014, 13:18 Uhr

Sängerbund Ruppertsburg feiert 125-jähriges Bestehen

Laubach (gjo). Ein großer Tag in der Geschichte des Sängerbundes Ruppertsburg naht: Am Samstag, 5. Juli, feiert der Gesangverein sein 125-jähriges Bestehen. Anlass für die Gießener Allgemeine Zeitung, einen Blick in die Chronik zu werfen, einen Überblick über das Vereinsleben von der Gründung bis heute zu vermitteln.
28. Juni 2014, 13:18 Uhr
125 Jahre Sängerbund Ruppertsburg. Das Foto zeigt den Männerchor 1964. (Repro: gjo)

Im Frühjahr 1889 war es, dass in dem Dörfchen Ruppertsburg eine zweite Schulstelle eingerichtet, diese mit Lehrer Ludwig Schmidt besetzt worden war. Der neue »Pauker« erklärte sich bereit, die Leitung eines Gesangvereins zu übernehmen. Und so lud Bürgermeister Wilhelm Lehr für den 1. November 1889 zu einer Versammlung ein.

Wilhelm Lehr erster Vorsitzender

43 Personen folgten seinem Aufruf, und schon eine Woche später war der Verein gegründet. Den Vorsitz übernahm der Bürgermeister höchstselbst. Laut Vorstandsbeschluss nannte man sich »Sängerbund«. Mit viel Eifer waren die Sänger dabei. Bereits nach kurzer Zeit erfolgte das erste Singen in der Öffentlichkeit, und bald genossen die Ruppertsburger bei ihren Auftritten in Nachbargemeinden großes Ansehen.

Auf Höhen folgten aber auch Tiefen. So war 1900 die Zahl der Sänger auf 30 gesunken. Der Dirigent war in den folgenden Jahren mit den Leistungen nicht mehr zufrieden und legte 1905 sein Amt nieder. Danach übernahm Jakob Fritz aus Langsdorf. Die Anschaffung einer Fahne wurde beschlossen, diese am 19. Juni 1908 geweiht. An dem Fest nahmen 20 Vereine teil, die zum großen Teil mit einem Sonderzug angereist kamen.

Im Vorfeld der Feier gab es einige Schwierigkeiten zu überwinden: Mit der Fahnenfabrik war vereinbart, die eine Seite als Sinnbild des Gesanges mit einer Lyra, die andere Seite mit dem neuen hessischen Wappen zu besticken. Doch weder der Fahnenfabrik noch dem Vorstand war bekannt, dass dieses Großherzogliche Staatswappen nur vom Hoheitsträger geführt werden kann. Eine andere Verwendung bedarf einer Genehmigung. So beantragte der Vorstand beim Kreisamt Schotten eine Sondergenehmigung, und vom Ministerium des Innern kam ein ablehnender Bescheid.

Nach persönlicher Vorsprache des Vorsitzenden Jakob Böcher, begleitet von einem Anwalt, beim Ministerium des Innern am
16. Mai kam nach langem Warten am 10. Juni die Genehmigung durch S. E. Königliche Hoheit, dem Großherzog, die Fahnenweihe konnte erfolgen. Der Sängerbund Ruppertsburg ist damit wohl der einzige Verein mit dem Staatswappen in seiner Fahne.

Im selben Jahr legte krankheitsbedingt Chorleiter Fritz sein Amt nieder. Die Leitung übernahm der aus Münzenberg versetzte neue Lehrer Philipp Debus. Während des Ersten Weltkrieges musste der Unterricht ausfallen, denn von 32 Aktiven waren 21 eingezogen. Bereits 1919 aber konnte die erste Singstunde aufgenommen werden, und am Jahresende waren es wieder 41 Aktive. Gute Leistungen und Erfolge wurden unter dem Dirigenten Debus erbracht. 1926 trat der Verein dem Horloff-Wettertal-Sängerbund bei, der 1933 durch das NS-Regime aufgelöst wurde. Die Vereine wurden nun dem Chattia-Sängerbund zugeordnet. Die politischen Verhältnisse dieser Zeit wirkten sich aufs Vereinsleben aus, sodass sich Debus genötigt sah, nach 28-jähriger Tätigkeit sein Amt als Dirigent niederzulegen.

Jubiläen kriegsbedingt ausgefallen

Nachfolger wurde 1937 Wilhelm Lenz aus Villingen. Im Zweiten Weltkrieg wurden wieder viele Sänger eingezogen, sodass 1943 die Chortätigkeit eingestellt werden musste. Leider kamen acht Aktive nicht mehr zurück.

Im März 1946 konnte wieder die erste Singstunde abgehalten werden. 30 neue Sänger kamen hinzu, sodass mit 60 Aktiven der höchste Stand in der Vereinsgeschichte erreicht wurde. Auch wenn nach und nach wieder Sänger ausschieden, konnte sich der Sängerbund weiterentwickeln.

Nach einem Schlaganfall musste Dirigent Lenz 1958 seine Tätigkeit aufgeben. Hans Träger aus Wetterfeld übernahm die Leitung. 1964 feierte der Verein erstmals ein Jubiläum, denn das 25- und 50-Jährige waren wegen der Weltkriege ausgefallen. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung konnte das Jubiläum mit einem Festumzug gefeiert werden. 40 Aktive standen auf der Bühne, und der neu gegründete Frauenchor trat erstmals auf. Hans Träger leitete den Männer- und Frauenchor, und öfters trat man gemeinsam als gemischter Chor auf.

Als Hans Träger 1978 nach fast 20 Jahren den Dirigentenstab niederlegte, sah man sich aus finanzieller Sicht gezwungen, einen gemischten Chor zu bilden. Neuer Chorleiter wurde Heinz Peter Hitschmann aus Lich, der heute noch Dirigent ist. Zur Nachwuchsförderung bildete sich 1980 ein Kinderchor, der aber nicht den gewünschten Erfolg brachte und nach einiger Zeit wieder eingestellt werden musste. Die 100-Jahr-Feier 1989 wurde mit Kommersabend, Fahnenweihe und Festumzug mit über 50 Gruppen gebührend gefeiert. Mit 46 Aktiven erlebte der Chor nochmals einen Aufschwung.

Samstag Feier im Pfarrgarten

Danach machten sich auch die Zeichen der Zeit bemerkbar. Chorgesang war nicht mehr »in«. Die Zahl der Sängerinnen und Sänger nahm altersbedingt und durch Tod immer weiter ab. In den vergangenen Jahren stellte sich oft die Frage, »wie lange können wir noch singen.« Um diesen Trend zu stoppen, entschlossen sich Vorstand und Dirigent, mit einem »Kleinen Chor« neue Wege mit modernem Liedgut, Pop und Gospels, zu gehen. So gründeten 2012 einige Gleichgesinnte den Chor. Der Wunsch des Vorstandes ging in Erfüllung, denn mehrere Aktive verstärken den gemischten Chor. Der Abwärtstrend der letzten Jahre konnte gestoppt werden.

Eine Besonderheit in der 125-jährigen Vereinsgeschichte dürfte sein, dass mit Hans-Georg Diehl erst der fünfte Rechner und mit Heinz-Peter Hitschmann erst der sechste Dirigent tätig ist.

Am Samstag also wird das Jubiläum gefeiert. Und der Vorstand mit Gretel Enenkel an der Spitze und Dirigent Hitschmann erhoffen sich, dass diese kleine Feier Interesse am Chorgesang weckt, bald neue Sängerinnen und Sänger in den Proben begrüßt werden können. Nur so könne der Verein mit passenden Gesangsbeiträgen bei Vereinsfeiern, kirchlichen Festen und privaten Feiern seinen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Lebens innerhalb des Dorfes leisten.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten beginnen am 5. Juli um 14 Uhr im Pfarrgarten hinter der Kirche mit Liedvorträgen, Ehrungen und einem kleinen Unterhaltungsprogramm, bevor es zum gemütlichen Beisammensein übergeht.

Mitte September folgt ein Dorfsingen, bevor als Abschluss des Jubiläumsjahres am 3. Advent ein Konzert der beiden Chöre und eines Gastvereins in der Kirche stattfindet.

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