20. August 2012, 21:58 Uhr

Daniel Peeck bei Film-Dreharbeiten immer vorn mit dabei

Lich/Lollar (nab). Lange Abspänne beim Kinofilm sind nicht jedermanns Sache. Ignoranten verlassen den Saal meist vorzeitig. Nicht so Daniel Peeck aus Lollar. Er fand auf diesem Weg zu seiner Berufung.
20. August 2012, 21:58 Uhr
Nach der Matinee von »Das Schwein von Gaza« erzählt Daniel Peeck Kinobesuchern von seiner Arbeit beim Film. (Foto: nab)

Inspiriert durch den überlangen Abspann bei Jim Jarmuschs »Night on Earth«, den er in den 1980er Jahren im Licher »Traumstern« sah, träumte er von einem Job beim Film. Seit über zehn Jahren, seit Helmut Dietls »Late Show«, ist er Set-Dresser, Carpenter und Spezialeffektler. Bei bekannten Produktionen wie »Der Vorleser« oder Sönke Wortmanns »Das Wunder von Bern« war er dabei. Nicht minder bei Oliver Hirschbiegels »Das Experiment« oder Oliver Storz’ Fernseh-Zweiteiler »Willy Brandt« – und ganz aktuell beim Studiodreh des Kinofilms »Das Schwein von Gaza« in Köln, weshalb man Peeck am Sonntag bei einer Matinee-Vorstellung in Lich treffen und sprechen konnte.

Freelancer-Salär weniger üppig

Mit seiner »Set-Baubühne« ist der gebürtige Nordrhein-Westfale aus Halver nicht nur Set-Dresser, also ein Kulissenverfeinerer, sondern auch so etwas wie ein Hausmeister. Er verleiht Oberflächen Struktur und Farbe mit Patina, trimmt Türen und Scharniere auf alt, repariert Lampen oder kümmert sich um andere dekorative Elemente. Beim Studiodreh der tragischen Komödie »Das Schwein von Gaza«, die von einem palästinensischen Fischer handelt, der ein lebendes Schwein aus dem Meer zieht und seine liebe Not hat, das bei Muslimen und Juden als unrein geltende Tier loszuwerden, war Peeck bei den Innenaufnahmen dabei, die alle in einem Kölner Studio gedreht wurden. Die Außenaufnahmen machte Regisseur Sylvain Estibal auf Malta. Im Filmstudio hat Peeck dann etwa Rohre und Leitungen für Badewanne und Waschbecken des Wohnhauses gelegt, die Hauptdarsteller Sasson Gabai im Film regelmäßig benutzt, und hatte ein Auge auf den Fernseher, in dem die Seifenopern laufen. Auf den Nachbau der Haustür aus Malta malte er einen Rostfleck, damit sie genauso aussieht wie das Original. Es gehört genauso zu seinen Job, Gegenstände ins rechte Licht zu rücken, wie er sie alt oder benutzt aussehen lässt. »Mit angebranntem Zuckerwasser wird ein Teller schmoddrig, aber der Vorteil ist, dass es nicht zu eklig ist und die Darsteller noch davon essen können«, verrät der Spezialeffektler. »Es ist eine schöne Aufgabe, weil man als Set-Dresser als eine der wenigen Personen ganz nah am Geschehen dran ist«, sagte Peeck. Kontakt zu den Künstlern vor der Kamera inklusive.

Zum Film kam Peeck mittelbar über die Besuche im »Traumstern« während seines Maschinenbau-Studiums an der Fachhochschule in Gießen. Zuvor hatte er in Lüdenscheid eine Lehre zum Heizungsbauer absolviert. »Wie es dann oft in der Medienbranche so läuft, hat man Bekannte, die wiederum Bekannte haben, die dann wieder jemanden kennen, der beim Film arbeitet«, plauderte er aus dem Nähkästchen. Bei »Das Schwein von Gaza« hatten ihn Freunde angerufen, die die Filmkulissen bauten. »Sonst kennt man Maskenbildner oder andere Leute, die irgendwo beteiligt sind.« Bei Alejandro González Iñárritus Film »Biutiful« mit Javier Bardem kannte Peeck die Filmarchitektin vom Dreh von Stephen Daldrys »Der Vorleser«, konnte durch sie in Barcelona arbeiten.

Nur die Aufträge und die Bezahlung sind in der Filmbranche für Freelancer wie ihn, also Freiberufler, nicht ganz so üppig. Deshalb kärchert Peeck zwischen den Drehtagen die heimische Terrassen oder arbeitet als Heizungsinstallateur. Aber: »Ich höre immer, wer gerade einen Dreh plant.« Aber ob und wann er dabei ist, erfährt er meist erst zwei Wochen vor dem tatsächlichen Drehbeginn. »Die Schauspieler, das Wetter oder die Finanzierung – irgendwas kann auch bei einem festen Drehtermin dazwischenkommen.«

Abgedreht ist jedenfalls Margarethe von Trottas Film über die deutsch-amerikanische Publizistin Hannah Arendt mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle. Wenn der Streifen im Januar in die Kinos kommt, kann man auch wieder das künstlerische Werk von Daniel Peeck beobachten.

»Mit langen Abspann«, verspricht Edgar A. Langer vom Kino »Traumstern«: »Denn wir legen schon immer Wert darauf, den ganzen Abspann zu zeigen – als Würdigung aller, die am Film beteiligt sind.«

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