13. März 2009, 15:50 Uhr

Die »Trockenzeit« im Langsdorfer Gemeindesee dauert an

Lich (pm). Unter Naturschutz steht der Gemeindesee von Langsdorf aufgrund seiner sehr artenreichen Tier- und Pflanzenwelt seit 1984. Da sich über viele Jahrzehnte dort eine dicke Schlammschicht aus abgestorbenem organischem Material gebildet hatte, die dringend entfernt werden musste, wurde das Wasser im letzten Herbst aus dem Teich abgelassen.
13. März 2009, 15:50 Uhr
Aus dem Schlamm des Langsdorfer Gemeindesees wurden mehrere Zentner Teichmuscheln gesammelt und umgesiedel. Sie sollen, wenn der See wieder vollgelaufen ist, zurückgebracht werden. (Foto: pm)

Lich (pm). Unter Naturschutz steht der Gemeindesee von Langsdorf aufgrund seiner sehr artenreichen Tier- und Pflanzenwelt seit 1984. Da sich über viele Jahrzehnte dort eine dicke Schlammschicht aus abgestorbenem organischem Material gebildet hatte, die dringend entfernt werden musste, wurde das Wasser im letzten Herbst aus dem Teich abgelassen. »Von Zeit zu Zeit ist dies notwendig«, erläutert die Biologin Ulrike Brockerhoff vom Gießener Regierungspräsidium. »Sonst würde die Wasserqualität zunehmend schlechter, der See stetig verlanden und zuwachsen sowie schließlich ganz verschwinden.« Derartige Stillgewässer seien in Mittelhessen oft durch Menschenhand entstanden, der Gemeindesee von Langsdorf vermutlich schon im ausgehenden Mittelalter als Fischteich angelegt worden, erläutert sie weiter. Solche Kulturbiotope bedürften in Abständen der Pflege durch den Menschen. Wegen eines defekten Ablassbauwerkes läuft der Langsdorfer Teich allerdings langsamer voll als geplant.

Normalerweise werden solche Teiche in den Herbs- und Wintermonaten abgelassen, damit die Gewässer zur Amphibien-Laichzeit wieder gefüllt sind. Problem in Langsdorf: Das vermutlich aus den 1930-er Jahren stammende Ablassbauwerk war nicht mehr funktionstüchtig und ließ sich erst nach dem Bau einer provisorischen »Vorstaumauer«“ und Freipumpen der Ablassvorrichtung öffnen. Diese Arbeiten erledigten sehr kompetent der Fischereisachverständige Thomas Hilbrich und Fischwirtschaftsmeister Michael Korb im Auftrag des Forstamts Wettenberg und der Oberen Naturschutzbehörde des RP. Die Fische wurden abgefischt. Zeitweise brusttief im Schlamm stehend, sammelten die Männer mehrere Zentner Teichmuscheln aus dem Schlamm. Sie wurden in den nahe gelegenen Pfingstweidsee (Naturschutzgebiet »Wallenberg« bei Villingen) umgesiedelt, um sie später wieder zurückzubringen.

»Vor dem Wiedereinstau muss nun zunächst ein komplett neues Ablassbauwerk - ein sogenannter Mönch - in den Damm eingebaut werden,« erläutert Erhard Knobloch vom Forstamt Wettenberg. „Damit bei diesen Arbeiten und dem Entschlammen keine Schäden am Seeboden und dem umgebenden wertvollen Grünland entstehen, sollen diese Arbeiten im Spätsommer bei starker Trockenheit durchgeführt und nach dieser Grundsanierung der neue Mönch gebaut werden.«

Ulrike Brockerhoff erwartet, dass sich diese Maßnahme nach bereits nach relativ kurzer Zeit auf die Lebensgemeinschaften des Sees und die Artenvielfalt des Lebensraumes sehr positiv auswirken wird. »Die Wasserqualität wird verbessert, der freie Wasserkörper vergrößert und geschützte Brutplätze für Vögel geschaffen.«

Für viele an das feuchte Element gebundene Kleinlebewesen und Pflanzen werde die Trockenperiode des Gewässers aber zunächst eine große Beeinträchtigung sein. Für die sogenannte Zwergbinsenflora der Schlammböden, im Gemeindesee laut einer Untersuchung aus 1984 besonders artenreich, biete die Trockenperiode jedoch die Chance, nach vielen Jahren wieder einmal in großem Umfang zur Blüte und Samenbildung zu gelangen. Auch seien etliche der im Wasser lebenden Tiere an eine solche Situation angepasst, da Trockenphasen auch an natürlichen Stillgewässern vorkommen können. So bilden manche Wasserpflanzen, wie der im Gemeindesee vorkommende Schild-Wasserhahnenfuß, Landwuchsformen, und von nahe gelegenen Gewässern (hier etwa vom Saansee) können zahlreiche Kleintiere einwandern. Ausgewachsene Amphibien können ausnahmsweise auch längere »Trockenzeiten« überstehen und weichen zum Laichen auf benachbarte Gewässer aus. Diese Entwicklung im Gemeindesee soll durch wissenschaftliche Begleituntersuchungen zur Flora und Fauna im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde dokumentiert werden, heißt es abschließend aus dem RP.



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