14. August 2013, 18:08 Uhr

Gemeindeschwestern-Projekt macht Schule

Lich (pm/age). Ratifiziert wurde am Dienstag im Rathaus ein Vertrag zwischen dem Land Hessen und der Philipps-Universität Marburg, mit dem das Hessische Sozialministerium rund 20 000 Euro zur Finanzierung der wissenschaftlichen Begleitung des erfolgreichen Projektes »Gemeindeschwester Muschenheim« zusagt.
14. August 2013, 18:08 Uhr
Dr. Erika Baum, Leiterin der Abteilung für Allgemeinmedizin in Marburg, und Ralf Pillok, Referatsleiter im Sozialministerium, unterzeichneten im Licher Rathaus den Vertrag zur wissenschaftlichen Begleitung des Muschenheimer Gemeindeschwestern-Projekts. (Foto: Geck)

Es wird nun schrittweise auf die Stadtteile Bettenhausen, Birklar, Eberstadt und Kloster Arnsburg ausgedehnt. Die dazugehörigen Unterschriften setzten Dr. Erika Baum, Leiterin der Abteilung für Allgemeinmedizin in Marburg, und der zuständige Referatsleiter im Sozialministerium, Ralf Pillok. Bürgermeister Bernd Klein zeigte sich erfreut, dass das Land den Modellcharakter des Projekts anerkenne. Anfangs habe es viele gegeben, die darüber geschmunzelt hätten. Die Stadt jedenfalls werde Räumlichkeiten dafür zur Verfügung stellen.

Die Evaluation des Modellprojekts wird im Rahmen des Hessischen Gesundheitspaktes finanziert. »Wir wollen damit neue Erkenntnisse gewinnen, wie durch die Delegation von ärztlichen Leistungen auf beispielsweise Krankenschwestern die wohnortnahe gesundheitliche Versorgung in ländlichen Regionen verbessert und die Arztpraxen entlastet werden können«, ließ der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner mitteilen.

Auch der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Dirk Oßwald lobte die Arbeit der Projektträger vor Ort: »Dem drohenden Ärztemangel im ländlichen Raum muss entgegengewirkt werden, um in den Kommunen weiterhin eine umfassende und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung gewährleisten zu können. Daher hat der Landkreis bereits ein Projektteam »Ärztliche Versorgung in Allendorf/Rabenau« eingerichtet und den Förderantrag für das Licher Gemeindeschwester-Projekt beim Hessischen Sozialministerium gestellt. Ohne das ehrenamtliche und finanzielle Engagement aus der Region wäre ein solches Projekt aber nicht möglich«, erläuterte Oßwald.

Muschenheims Ortsvorsteher und Projekt-Initiator Dr. Detlef Kuhn sagte: »Der Erhalt der kommunalen Gesundheitsinfrastruktur steigert die Attraktivität Muschenheims. Durch die Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes wird es insbesondere der älteren Bevölkerung ermöglicht, so lange wie möglich in ihren vertrauten dörflichen Strukturen zu verbleiben. Dies wirkt einer Entvölkerung des ländlichen Raums entgegen.«

Das Angebot solle nicht in Konkurrenz zu Ärzten und Pflegediensten stehen. Die Schwestern hätten bisher vorbildlich gewirkt. Die Projektkosten würden ausschließlich durch Spenden finanziert und über einen kommunalen, gemeinnützigen Förderverein abgerechnet. Nun gelte es, das Modell in die Gesundheitsversorgung zu integrieren, denn: »Muschenheim ist überall.

»Solidarität im Dorf wieder beleben«

Ein maßgeblicher Unterstützer des Projekts, Jochen Sauerborn, betonte: »Das Gemeindeschwester-Projekt Muschenheim ist dermaßen sinnvoll und einfach zugleich, dass man sich fragen muss, wieso wir es nicht schon viel früher in die Tat umgesetzt haben.« Es seien zudem nicht nur die medizinischen Aspekte, die das Projekt so wertvoll machten, sondern auch gleichzeitig die Wiederbelebung der Solidarität innerhalb einer Ortsgemeinschaft«. Auch Helga Lehmann vom Seniorenbeirat begrüßte das Projekt. Allgemein sei es wichtig, Kontakte zu schaffen.

Seit Februar 2012 bieten in Muschenheim zwei Gemeindeschwestern dreimal pro Woche eine Sprechstunde an, bei Bedarf auch Hausbesuche. Die Bürger haben hierbei insbesondere die Möglichkeit, Befunde wie Blutdruck und Blutzucker erheben zu lassen. Diese werden in einem Gesundheits-Checkheft dokumentiert. Bei abweichenden Befunden oder besonderen Problemen benachrichtigen die Gemeindeschwestern den jeweils behandelnden Hausarzt. Das Angebot der Sprechstunde wird flankiert durch weitere Dienstleistungen, wie beispielsweise Hockergymnastik, Medikamentencheck, gemeinsamer Mittagstisch und Ernährungsberatung.

Das Projekt wird von Anbeginn durch die Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin der Philipps-Universität Marburg wissenschaftlich begleitet. »In einem Vorher-Nachher-Vergleich zeigte sich die Tendenz, dass nach Beginn der Inanspruchnahme des Dienstleistungsangebots der Gemeindeschwestern die Anzahl der Arztbesuche abnahm«, so die Leiterin der Evaluation, Prof. Dr. Erika Baum. Sollte sich der statistische Hinweis erhärten, dass die Inanspruchnahme der Hausärzte sinkt und dies im Wesentlichen Beratungsanlässe betrifft, die einen Arztkontakt nicht zwingend erfordern, könne das Modell dazu beitragen, die Hausärzte sinnvoll zu entlasten, ohne die Zufriedenheit mit dem regionalen Gesundheitsangebot zu schmälern.

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