12. Dezember 2014, 18:53 Uhr

Martin Tingvall bei »artist’s view« im Traumstern

Lich (nab). Der schwedische Jazzpianist Martin Tingvall spielte bei »artist’s view« im Kino Traumstern. Anschließend zeigte er seinen Lieblingsfilm.
12. Dezember 2014, 18:53 Uhr
(Foto: pv)

Martin Tingvall nackt am Piano? Unbekleidet jedenfalls fühlte sich der schwedische Jazzpianist am Donnerstag bei der »artist’s view« im Kino Traumstern. »Wenn man solo spielt, ist es, wie nackt zu sein«, sagte der Komponist des preisgekrönten Tingvall Trios. »Da hat man keinen, der hilft.« Trotzdem hatte es das kleine Konzert in sich, das der in Hamburg lebende Schwede am Flügel gab, bevor er dem interessierten Publikum im gut besuchten Kinosaal seinen Lieblingsfilm vorstellte.

Doch vor der Musik gibt es ein Gespräch. So steht’s im Drehbuch der Reihe, die es seit 1998 gibt und die bislang rund 60 Konzerte zu Filmen brachte. Nach fast zweijährigem Stillstand war sie Mitte September neu aufgelegt worden – eben inklusive Künstlergespräch. Grandios der Auftakt damals mit dem Jazzpianisten Roman Wasserfuhr und dessen Bruder, dem Jazztrompeter Julian Wasserfuhr, und mit einem Film über das Leben Michel Petruccianis. Helmut Fischer als Gastgeber und Gesprächspartner musste am Donnerstag allerdings krankheitsbedingt ersetzt werden.

So fragte Uwe Hager von »O-Tone Music« Tingvall nach seinen musikalischen Anfängen. Mit elf habe er seine erste Band gehabt, berichtete der 40-jährige Schwede. Vorher habe er schon immer Radio gehört und versucht, Lieder nachzuspielen. »Nur nicht Abba, denn das war zu kompliziert. Zu viele krumme Tonarten.« In seiner Heimatstadt im südschwedischen Schonen besuchte er ein Musikgymnasium, später studierte er an der Hochschule für Musik in Malmö Jazzklavier, Komposition und Improvisation.

2003 gründete er mit Omar Rodriguez Calvo (Bass) und Jürgen Spiegel (Schlagzeug) das Tingvall Trio, das unter anderem dreimal mit dem Jazz-Echo ausgezeichnet wurde. Weil sie im Herbst erst eine neue CD aufgenommen hatten, gab Tingvall zu, für seinen Soloauftritt in Lich viel geübt zu haben. Das merkte man natürlich keineswegs, denn gekonnt präsentierte Tingvall Stücke seines bisher einzigen Soloalbums »En ny dag« wie »En börkan – ein Anfang«. Vor allem probierte der Pianist neue Kompositionen aus.

Skandinavische Melancholie, die zarten, leisen Töne, aber auch die hämmernden, lauten, bei denen er dem Flügel alles abverlangte. Besonders erheiterte das Publikum die Geschichte zu »Debbie and the Dogs«. Seine Hochzeitsreise nach Jamaika platze, weil Tingvalls Reisepass einen Riss hatte. Mit viel Verständnis habe die Vermieterin in Jamaika darauf reagiert und stets in den E-Mails mit »See you in the sun, Debbie and the dogs« gegrüßt. Nicht weniger Schmunzeln mussten die Besucher aber auch über »Ohne Strom in Harare«, das auf den Erlebnissen basiert, die eintreten, wenn der Kontrabass guillotiniert wurde und gleichzeitig bei dem Konzert in der simbabwischen Hauptstadt auch der E-Bass nicht funktionieren kann, weil der Generator Probleme macht, weil nebenbei auch Steaks gegrillt werden – elektrisch.

Es ist aber gerade auch die Filmmusik, die es Tingvall angetan hat. Neben Musik für den Film »Jahr des Drachen« oder der Dortmunder Tatort-Folge »Eine andere Welt« hat der Musiker, der in der Nähe von Ystad – bekannt aus Henning Mankells Kommissar-Wallander-Romanen – aufgewachsen ist, unlängst die komplette Filmmusik für das ARD-Drama »Zwei Freundinnen« geschrieben. Der neueste Film, zu dem er die Musik beisteuerte, »Der Hüter der Tundra«, kommt am 20. Januar in die Kinos.

Dann gab’s Tingvalls Filmempfehlung, das französische Drama »Der Geschmack von Rost und Knochen«.

Am 20. Februar kommt die klassisch ausgebildete Musikerin Poppy Ackroyd aus London zu »artist’s view« nach Lich. (Foto: nab)

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