Linden

Ronja Lux aus Linden: Großer Auftritt – warum nicht?

Linden (agl). Ronja Lux wird bald ihr nächstes Musikvideo präsentieren. Die 15-Jährige singt dann über das Thema Weihnachten. Ein professionell gemachtes Halloween-Video ist bereits bei Youtube zu finden. Mit der Gießener Allgemeinen Zeitung sprach sie über ihre Begeisterung für den Gesang, über die Resonanz und ihre Pläne.
27. November 2014, 18:53 Uhr
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Ronja Lux aus Linden. (Foto agl)

Mit knallig orangefarbenen Haaren, grellgelber Mütze und auch sonst ganz freakig gekleidet stolziert das Mädchen auf einer Industriebrache umher. Ein abgewracktes Auto, vollgesprühte Wände, Unkraut zwischen altem, zerfallenem Beton. Dann rennt sie wieder durch den Wald, hat diesmal Klamotten an, die eher für den gemütlichen Couch-Abend gedacht sind. Gemütlich aber ist es nicht, gruselig trifft’s schon eher, denn schließlich ist Halloween. Was allein beim Refrain schon unüberhörbar ist. Denn das Mädchen läuft nicht nur, es singt auch – alles in allem poppig, leichter Elektrosound, geschmeidig, möglicherweise massenkompatibel. Orts- und Zeitenwechsel: Das Mädchen, Ronja Lux, 15 Jahre alt, sitzt zu Hause in Linden am Wohnzimmertisch, diesmal im weihnachtlichen Kostüm, rot und weiß.

Die Professionalität, mit der ihr Musikvideo auf Youtube rüberkommt, macht neugierig. Offensichtlich gut gelaunt verweist sie auf die dänischen Pralinen, von denen man sich doch gerne bedienen solle. Gemütlich ist es, weihnachtliche Deko hat schon Einzug gehalten, der Kamin ist befeuert, auch ein Klavier gehört zum Mobiliar. Ob sie selbst in die Tasten haut? Nein früher habe sie mal Blockflöte gespielt. Der Klassiker also.

»Lampenfieber nicht erwähnenswert«

Und singen? Bis vor einem Jahr eher nicht. Dann kam ihr Auftritt an der Ricarda-Huch-Schule in Gießen. Kurz vorher habe ihr ein Musiker gesagt, sie könne nicht singen. Einen Tag vor dem Auftritt ging sie zu einem Gesangslehrer, der durchaus Potenzial gesehen hat. Dann kam der Tag, an dem Ronja vor 350 Zuhörern Christina Aguileras »Lift me up« erklingen ließ. »Natürlich hatte ich Lampenfieber. Aber um ehrlich zu sein: nicht erwähnenswert.«

Solch ein Satz zeugt von Selbstsicherheit. Aber weder Ronja noch ihre Mutter Susan machen beim Pressegespräch den Eindruck, als müsse auf Biegen und Brechen die ganz große Karriere starten. Andererseits scheinen beide auch davon überzeugt, dass es weiter bergauf geht. Nach dem Halloween-Video seien zahlreiche Anfragen gekommen, ob wegen Autogrammen oder wegen einer Zusammenarbeit. Bei einem US-Radiosender habe ihr Song auf der Playlist gestanden. Plattenfirmen hätten sich gemeldet, der Gitarrist von Jan Delay, Loomis Connell Green, habe eine Zusammenarbeit angeboten, berichten Ronja und ihre Mutter.

Erstmal hat die 15- Jährige alles abgeblockt. Was nicht heißt, dass sie unproduktiv gewesen wäre. Am 6. Dezember soll das nächste Video auf Youtube stehen. Diesmal Thema Weihnachten, der Titel: »Best Time of the Year«. Wieder heißt der Produzent Harry J. Ross. Der Gießener war bereits bei »Halloween« mit an Board.

Ronjas Können bewertet er so: »Ihre vielseitigen Talente in Schauspiel und Gesang kommen ihr im Videodreh doppelt zugute.« Das Weihnachtsvideo werde viel professioneller und strukturierter sein, kündigt Ronja an. Um das Gemeinschaftsgefühl an diesem Fest soll es gehen. In Skandinavien – Ronjas Mutter ist Dänin – spiele das Gemeinschaftserlebnis Weihnachten eine noch größere Rolle als hierzulande, sagt Ronja. Und so heißt es in »Best Time of the Year«: »You don’t have to buy a thing, I don’t need no diamontring. The best gift of the year is us together here.«

Susan Lux spielt schon mal die Musik, ohne Gesang, auf dem Laptop ab. Am nächsten Tag steht für Ronja die Aufnahme im Studio an. Ihre Mutter präsentiert auch gleich den nächsten Song. Der soll im Frühjahr rauskommen. Geht’s diesmal um Ostern? Nein, völlig daneben geraten. Um Drogen dreht sich das Lied. »Ein kritischer Song, aber schön verpackt«, verrät Ronjas Mutter. An Texten und Melodien habe sie bereits genug fertig, damit es für ein Album reichen würde, sagt Ronja.

Und so stellt sich übrigens der Produktionsprozess eines Liedes samt Video dar: Ronja schreibt einen Text, hat eine Gesangsspur als Idee, Harry J. Ross komponiert dazu passend die Instrumentierung und produziert den Track aus, so dass Ronja auf diesem Track zu Hause üben kann. So werde man im Studio bei den Aufnahmen nicht zu sehr aufgehalten, erläutert Ross. Das Video wird immer erst dann gedreht, wenn das Lied fertig ausgearbeitet und aufgenommen ist. Das Halloween-Video hat der 15-jährige Jannis Schneider komplett gedreht und geschnitten.

Bei Ronja scheint die Musikalität plötzlich dagewesen zu sein. Was hört sie eigentlich selbst? Christina Aguilera, Rihanna und Eminem – das fällt nicht aus dem Rahmen. Wäre da nicht der Zusatz, dass sich die junge Lindenerin auch für Klassisches begeistern kann – für Smetanas »Moldau« beispielsweise.

Das bisherige kreative Schaffen der 15-Jährigen kann man in die Kategorie ungewöhnlich einordnen. Gewöhnlicher scheint da schon die Teilnahme an einer Castingshow. Dem allerdings kann Ronja nichts abgewinnen, Musik werde da »wie ein Boxkampf« dargestellt. Hat sie denn Interesse, Hits großer Künstler nachzusingen? »Ich bin keine Coversängerin, weil ich viel zu gern schreibe«, hat die junge Künstlerin auch da klare Vorstellungen.

Bevor der Pressetermin zu Ende geht, steht noch das Fotografieren an. Ronja im Weihnachtskleid, rot und weiß, und sie macht den Eindruck, als gehörten Fotoshootings seit langem zu ihrem Alltag. Mal schauen, vielleicht wird ja was aus der Karriere. Talent, Willen und Selbstbewusstsein sind schon mal da. Aber hat sie denn auch einen Plan B? »Ja, Chirurgin«, antwortet Ronja. Sie sei schon oft krank gewesen, das motiviere dazu, den Dingen medizinisch auf den Grund zu gehen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/linden/Linden-Ronja-Lux-aus-Linden-Grosser-Auftritt-warum-nicht;art99,96898

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