08. Juli 2015, 18:13 Uhr

Bundesjugendspiele abschaffen? Nein!

Gießen (khn/ti). Generationen von Schülern haben sie schon absolviert: die Bundesjugendspiele. In einer Online-Petition fordert nun eine Frau, die Sportveranstaltung abzuschaffen. Ihre Begründung: Weniger sportliche Schüler würden jedes Jahr aufs Neue gedemütigt. Was sagen Experten aus dem Gießener Land dazu?
08. Juli 2015, 18:13 Uhr
Beim Schlagballweitwurf kommt es auf die Technik an. (Foto: Alexander Geck)

Alfred Nachbar ist sicherlich nicht dazu geeignet, gegen die Bundesjugendspiele zu wettern. Er ist Schulsportkoordinator des Landkreises Gießen und Sportlehrer an der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar/Staufenberg. »Ich bin absolut für diese Veranstaltung«, sagt er. Aber er hat eine differenzierte Sichtweise auf das Thema und betont, dass es vor allem die Aufgabe von Lehrern sei, weniger sportliche Kinder und Jugendliche im Vorfeld des Wettkampfes mitzunehmen. »Man muss sie vorbereiten und nicht am Tag der Jugendspiele zum ersten Mal 800 Meter laufen lassen.«

Nachbar wendet zum Beispiel Kniffe wie Mannschaftswettkämpfe an: Weniger trainierte Schüler könnten in einer Disziplin wie Werfen glänzen, anstatt sich die Lunge aus dem Leib zu rennen. Ansonsten wäre es auch möglich, sie als Kampfrichter und Helfer einzusetzen. Der Schulsportkoordinator erinnert sich an ein korpulentes Mädchen, das er ehemals als Schiedsrichterin eingesetzt habe. »Heute läuft sie selbst.«

Nachbars Motto lautet: Alle machen mit, aber jeder nach seinen Möglichkeiten. »Das Kind muss im Mittelpunkt stehen.« Seine Aufgabe als Pädagoge sei es, Schwächere zu unterstützen und zu loben. »Wer als Letzter ins Ziel kommt, hat oftmals mehr geleistet, als Trainierte.« Es gehe darum, den Kindern beim Lernen Spaß zu vermitteln und sie dazu zu bringen, Fortschritte zu machen. »Kinder wollen etwas leisten«, betont er. Am Ende seien die, die von den Bundesjugendspielen mit einem schlechten Gefühl nach Hause kämen, Einzelfälle. Es gehe aber darum, die Kinder an die Leistungsgesellschaft heranzuführen. »In dieser leben wir nunmal.« Deshalb erwartet der Sportlehrer von seinen Schülern nicht immer nur Leistung, sondern vor allem Grundtugenden: Sportsachen mitbringen, pünktlich sein, Einsatz zeigen.

Für Fortschritte loben

Das Pro und Contra der Bundesjugendspiele haben Jürgen Vesely und sein Kollegium bereits vor vielen Jahren diskutiert. Sie kamen zu dem Schluss, dass das Abschaffen des Wettbewerbs keine Alternative ist. »Gewinnen und verlieren gehört zum Leben dazu«, sagt Vesely, Schulleiter der Erich-Kästner-Schule in Lich. Deshalb steht er für die Beibehaltung des Wettkampfcharakters. Allerdings haben die Licher Grundschüler die Möglichkeit, neben den Kerndisziplinen auch spielerische Angebote wie »Speed Stacking« oder »Ball über die Schnur« wahrzunehmen. Das werde sehr gut angenommen (in diesem Jahr wurde wegen der Hitze allerdings darauf verzichtet).

Darüber hinaus sei es wichtig, die Schüler gut auf die Sportveranstaltung vorzubereiten und bereits während des Trainings für Fortschritte zu loben. »Wenn ein Kind in der einen Woche vier Meter mit dem Schlagball wirft und in der nächsten Woche sechs, dann hat es sich weiterentwickelt«, sagt der Schulleiter. Wenn der Lehrer dies dem Kind richtig vermittelt, spielt es in Veselys Augen keine Rolle, dass eine solche Weite im Vergleich zu anderen kein gutes Ergebnis darstellt. Seitens der Eltern seien bisher keine negativen Stimmen an ihn herangetragen worden, so dass eine Abschaffung der Bundesjugendspiele in Lich kein Thema ist.

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