23. Januar 2009, 21:30 Uhr

Dorfbistro in Odenhausen in ausrangiertem Bahnwaggon?

Rabenau (vh). Nachdem der alte Ortskern des 500-Einwohner-Dorfs Odenhausen für den Zeitraum 2008 bis 2016 als Förderschwerpunkt in das Hessische Dorferneuerungsprogramm aufgenommen worden war, skizzierten vier thematisch gegliederte Arbeitsgruppen in kleiner Runde den Istzustand und erarbeiteten Zukunftspläne. Gemeinsame Treffen zum Gedankenaustausch im vergangenen August und am Donnerstag fanden im Dorfgemeinschaftshaus statt.
23. Januar 2009, 21:30 Uhr

Rabenau (vh). Nachdem der alte Ortskern des 500-Einwohner-Dorfs Odenhausen für den Zeitraum 2008 bis 2016 als Förderschwerpunkt in das Hessische Dorferneuerungsprogramm aufgenommen worden war, skizzierten vier thematisch gegliederte Arbeitsgruppen in kleiner Runde den Istzustand und erarbeiteten Zukunftspläne. Gemeinsame Treffen zum Gedankenaustausch im vergangenen August und am Donnerstag fanden im Dorfgemeinschaftshaus statt. Jeweils mit dabei waren Anja Püchner und Barbara Scheffer von dem für die Planungsphase zuständigen Moderationsbüro Püchner & Scheffer (Alten-Buseck) sowie die Sachbearbeiterin Anne Schreiner von der Dorferneuerungsbehörde beim Lahn-Dill-Kreis-Landratsamt (Wetzlar). Im Zeitverlauf erweisen sich manche Projektideen als unrealistisch, während andere sich langsam konkretisieren.

Noch im August wurde die Reanimierung eines Dorfladens favorisiert, nun ist dieses Thema wegen mutmaßlich zu geringen Interesses vom Tisch. Weil es am Ort keinerlei Einkaufsmöglichkeit mehr gibt, decken die Bewohner ihren Grundbedarf in Geilshausen und Londorf. Alternativ zum Dorfladen steht nun die Idee einer gemeinsamen Einkaufsfahrt für ältere Bürger, etwa wöchentlich nach Londorf, zur Diskussion. Angeblich habe Bürgermeister Hillgärtner einen Kleinbus in petto.

Wohl das wichtigste Projekt für Dorferneuerung ist die Neugestaltung im Bereich der Bushaltestelle gegenüber dem historischen Gebäude-Ensemble am Ortsausgang (ehemaliger Bahnhof, ehemalige Schule, Pfarrhaus). Laut Bauamtsleiter Thomas Mohr sei die Anlage einer Platz sparenden Wendeschleife und amtliche Ausweisung des Gesamtareals als verkehrsberuhigter Bereich ohne Problem möglich. Innerhalb des Areals sollen der offizielle Ortsmittelpunkt und eine zweckmäßige Gastronomie entstehen. Unterschiedlich sind vorerst die Meinungen über Standort und Machart.

Die etwa von Dieter Kroll vertretene Ansicht sieht für diesen Zweck das vorübergehende Aufstellen einer Anzahl Gartenpavillons während der warmen Jahreszeit auf der Wiese hinter dem Dorfgemeinschaftshaus vor. Jürgen Bender formulierte die Idee, einen ausrangierten historischen Eisenbahnwaggon auf dem Bushalteplatz fest zu installieren. Mittlerweile fehle in Odenhausen durch Streckenstillegung der direkte Bezug zur Eisenbahn, doch wäre ein Waggon eine Erinnerung an alte Zeiten und zudem ein künftiger Blickfang, sagte Pfarrer Jörg Gabriel als im Pfarrhaus wohnender Platznachbar.

Weil Odenhausen aktuell über keine Dorfgastronomie verfügt, aber nachdrücklich von der Tourismusregion »Gießener Land« profitieren will, könnte sich ein Bistro im Bahnwaggon - in der Tat einmalig im Kreisgebiet - als Publikumsmagnet entwickeln. Günstigerweise führt auch der Radwanderweg Lumda - Wieseck am alten Bahnhof vorbei. Laut Mohr ist dieser Radweg auf der Homepage <%LINK auto="true" href="http://www.bahntrassenradeln.de" text="www.bahntrassenradeln.de" class="more"%> (deutschlandweite Zusammenstellung von Radwanderwegen auf stillgelegten Eisenbahntrassen) verzeichnet.

Edwin Rabenau plädierte für den Sanierungsbedarf des alten Schulsaals. Das Gebäude, in dem jeder Odenhäuser einst die Schulbank drückte, sei im »kollektiven Gedächtnis« geschichtsträchtig, der frühere Unterrichtsraum gehöre in Form einer »guten Stube« (Feierlichkeiten) unbedingt zum Dorfmittelpunkt. Allgemeine Zustimmung gab es dafür in der Runde. An der Kreuzung Hauptstraße/Kirchstraße (dort liegt der geografische und historische Ortskern) soll das verwahrloste Grundstück am eingestürzten »Hexenhäuschen« durch Freiflächengestaltung zur grünen Oase hergerichtet werden. Naturstein, Grünzeug, Bäume, Hinweisschilder zur Orientierung, schlug Bender vor. Auf keinen Fall dürfe es einen doppelten Ortsmittelpunkt geben. Auch dem stimmte die Runde zu. Edwin Rabenau monierte den Treppenaufgang zur Kirche. Die zu gering bemessene Stufenfläche bei gleichzeitig überdimensionierter Höhe führe dazu, dass viele ältere Bürger keinen Kirchbesuch mehr machten. Da sich das Gelände im Kirchenbesitz befindet, will der Odenhäuser Kirchenvorstand eine Anfrage zur Kirchenleitung nach Darmstadt schicken.

Jugendliche sollen bei der Dorferneuerung nicht außen vor bleiben. Pfarrer Gabriel informierte über die Idee des Gemeindepädagogen Papendorf, zusammen mit Jugendlichen eine Homepage für Odenhausen zu erstellen - einschließlich des historischen Ortsbildes. Feuchte Wände im Jugendzentrum (Keller des Dorfgemeinschaftshauses) sollen saniert, Gerät für Basketball und Tischtennis installiert werden. Generationenübergreifende Projekte (etwa Fahrdienst zum Einkauf) sind bisher unkonkret. Zum Erhalt von Streuobstwiesen wurde über Schnittlehrgänge und Patenschaften nachgedacht.



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