17. Juni 2008, 18:44 Uhr

»Nachtwächter« Pfeiff macht mit Historie des Dorfs bekannt

Rabenau (vh). Solche Führungen wie vom Verkehrsverein Rabenau ausgerichtet, sind eine nützliche Sache.
17. Juni 2008, 18:44 Uhr

Rabenau (vh). Solche Führungen wie vom Verkehrsverein Rabenau ausgerichtet, sind eine nützliche Sache. Anlässlich der Festwoche zur 1250-Jahr-Feier machte Verkehrsvereinsvorsitzender Karl-Eberhard Pfeiff zwei Mal das Angebot einer historischen Führung durch den alten Ortskern und seine Peripherie. Etwas Pech hatten Pfeiff und seine jeweils über 20 Interessenten mit dem Wetter, weil es an beiden Tagen, Donnerstag wie Sonntag, pünktlich zur Führung regnete.

Nun ist es bekanntlich so, dass Führungen mit historischem Charakter natürlich in der Kreisstadt Gießen, aber auch in Grünbergund Laubach zum touristischen Angebot gehören. Wo allerdings der Hauch der Geschichte weht, und jener braucht ja nicht unendlich sein, kann durchaus eine 2000-Seelen-Gemeinde wie Londorf den Stoff für Geschichten aus der Geschichte anbieten. Am Tag des Stehenden Festzugs, Sonntag, um 16 Uhr, startete Pfeiff seinen zweiten Rundgang am Gartenhaus im Burggarten.

Kostümiert mit Dreispitz und Umhang, imitierte Pfeiff einen Nachtwächter, auch eine historische »Funktionsstelle« in Londorf (andere Gestalten, die durch ihre mittelalterliche Aufmachung bereits zuvor in den Straßen des Stehenden Festzugs für Aufsehen gesorgt hatten, gehörten dagegen dem »Verein der vereinslosen Marktpilger zu Mittelhessen« an, kamen aus Londorf, Geilshausen, aber auch aus Gießen, Frankfurt/ Main und Fürstenfeldbruck). - Allein der Bereich Gießener Straße/Burgstraße/Lumda verweist auf die Rabenauer Adelstradition und die ehemalige Londorfer Talburg; in der Burgstraße wohnen die Nachfahren der Freiherren von Nordeck zur Rabenau: Christoph Graf von Schwerin und Freiherr Roeder von Diersburg. Es gibt die Unterteilung in Oberburg (heute Hofgut Roswag), Mittelburg (hier wohnt Graf von Schwerin, Eigentümer des Burggartens) und Unterburg (Wohnheim der Schottener Reha-Einrichtung).

Dichter Rainer Maria Rilke ließ sich 1905/1006 vom Burggarten mit Springbrunnen, Sonnenuhr und Gartenpavillon zu einigen späteren Gedichten inspirieren. Leider ist die Sonnenuhr im Verlauf der Zeit abhanden gekommen. Doch sind bereits Bestrebungen im Gange, eine Kopie des Originals wieder aufzustellen. Pfeiff berichtete von der ersten Privatspende in Höhe von 300 Euro, die für das Vorhaben bereits zugesagt worden sei. Prof. Dr. Erich Unglaub, Vizepräsident der internationalen Rilke-Gesellschaft, der anlässlich der Festwoche im Burggarten über Rilke sprach, habe ebenfalls über eine Stiftung etwas in Aussicht gestellt. Pfeiff machte die Teilnehmer seiner Führung mit der Verwechslungsgefahr von Gartenhaus und Gartenpavillon bekannt. Im 1992 restaurierten Gartenhaus ist eine Gaststätte untergebracht, der Pavillon aber wurde vom Parkeigentümer zu Wohnzwecken an eine Privatperson vermietet. 1600 der insgesamt 15 382 Quadratmeter großen Parkfläche nutze der Verkehrsverein für seine Minigolfanlage. Weiter ging's zur 1955 errichteten katholischen Pfarrkirche St. Franziskus. Anlass für Pfeiff, die besondere Bedeutung der Ökumene in Londorf herauszustellen.

Gemeinsames Kreuz am »Galgenberg«

1954 sei auf dem »Galgenberg« ein symbolisches Kreuz von beiden Kirchen aufgestellt worden; die Pfarrer Bill (evangelisch) und Kröger (katholisch) hätten damals den Beginn einer bis heute fruchtbaren Zusammenarbeit eingeläutet. Das werde auch durch das gemeinsame Läuten der Kirchenglocken, jeden Samstag zur gleichen Uhrzeit, deutlich, so Pfeiff. Mit dem Umbau des alten Lokschuppens am früheren Bahnhof zum »Bürgersaal am Bahnhof«, so Pfeiff im weiteren (Ver-)lauf, habe Londorf 1995 als letzter Ortsteil der Rabenau sein Dorfgemeinschaftshaus erhalten. In den Jahren 1928/29 war die »Volkshalle« gebaut worden, in den 50er Jahren der Schlauchturm am Feuerwehrgerätehaus, der am 18. Januar 2007 dem Sturm »Kyrill« zum Opfer fiel.

Schlussendlich führte der Rundgang auch zur evangelischen Kirche, deren Turm aus dem 13. Jahrhundert stammt, deren Kirchenschiff 1864 neu errichtet wurde - dass das Gotteshaus als »Dom der Rabenau« das Wahrzeichen des 1250-jährigen Dorfes ist, gehört längst zum oberhessischen Allgemeinwissen.



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