28. Februar 2008, 21:48 Uhr

Günstige Wärme und neues Standbein für Bauern

Reiskirchen (la). Änderungen des Flächennutzungsplanes zugunsten des Baus einer »Biogasanlage Reiskirchen« standen im Mittelpunkt der Sitzung des Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschusses am Mittwochabend unter der Leitung von Reinhard Strack-Schmalor im grünen Saal des Bürgerhauses.
28. Februar 2008, 21:48 Uhr

Matthias Wolf vom Ingenieurbüro Fischer (Linden) erläuterte zunächst die Änderung des Flächennutzungsplanes hinsichtlich des Baus einer Biogasanlage. Anwesend waren auch Reiskirchener Ortslandwirte und als Vertreter der Stadtwerke Gießen Matthias Funk (zuständig für die Wärmeversorgung). Knapp vier Stunden dauerte die Sitzung, wobei das Gremium auch das selbst gesetzte Sitzungslimit von 23 Uhr überschritt.

Funk stellte die geplante Biogasanlage vor. Danach nimmt die Versorgung der Reiskirchener Haushalte mit dem Deponiegas in den nächsten Jahren ab, weil sich die vorhandene Menge dieses Gases sehr reduziert. Da in Reiskirchen die Stadtwerke damit schon eine Anlage betreiben, soll mit der Errichtung einer Biogasanlage vorhandenes Potential weiter genutzt und die bisherigen Kunden auch weiterhin mit Wärme versorgt werden.

Mais biete die höchste Ausbeute an Gas, so dass ursprünglich nur dieses Produkt verwendet wurde. Neueste Erkenntnisse führten jedoch dazu, künftig nur noch etwa 50 bis 60 Prozent an Mais zu verwenden, für den Rest sollen andere nachwachsende Rohstoffe, wie etwa Grasschnitt, herangezogen werden.

SWG: Keine Geruchsbelästigungen

Die Anlage soll eine Jahresleistung erbringen, die der von etwa 300000 Litern Heizöl entspricht, um somit 150 bis 160 Einfamilienhaushalte mit Wärme oder über 740 Haushalte mit Strom zu versorgen. Gerhard Albach (FW) wünschte Auskunft über das Verkehrsaufkommen und die eventuellen Geruchsbelästigungen. Letzteres wurde von Funk verneint.

Das Verkehrsaufkommen wurde mit etwa 600 Fahrzeugen für zwei Wochen angegeben, in denen die etwa 6000 benötigten Tonnen angefahren würden. Für die Abfuhr des Substrates, das 80 Prozent ausmache und zunächst etwa ein halbes Jahr zwischengelagert werden müsse, sei die Fahrzeugbelastung nicht so konzentriert wie bei der Anfuhr.

Für Bürgermeister Holger Sehrt gibt es drei Vorteile der Anlage: zum einen ein Beitrag für den Umweltschutz, zum anderen auch günstige Fernwärme und drittens ein weiteres Standbein für die heimischen Landwirte.

Hans-Joachim Hofmann erkundigte sich über die Höhe des Berges für die Zwischenlagerung, die Funk mit einer maximalen Höhe von zwei Metern angab.

Heidemarie Hagemann-Haag fragte nach der Rentabilität und damit auch nach der Vergütung für die Landwirte. Ein hohes Potential sah Funk in den nach seiner Meinung noch vorhandenem Brachland, was jedoch von den anwesenden Landwirten verneint wurde, da es keine stillgelegten Flächen mehr gebe. Reinhard Strack-Schmalor (SPD) interessierte sich für die entstehenden Arbeitsplätze. Hier konnte Funk jedoch keine Hoffnung machen, da es sich hier um ein »BOB-System« handele, um einen »Betrieb ohne Beaufsichtigung«. Es seien zwar zwei Beschäftigte vorgesehen, die jedoch auch schon anderweitig eingesetzt seien.

Für Karl-Heinz Scherer (FW) ist das Abnehmernetz vorhanden, die Einbringungszeit von zwei Wochen entspanne sich sicherlich und der Standort sei sehr positiv, da es sich nicht um die schönste Ecke Reiskirchens handele. Seine Bedenken lagen auf einem anderen Gebiet. So änderten sich die Kulturen in der Umgebung. In seiner Eigenschaft als Jagdvorsteher der Jagdgenossenschaft Reiskirchen beklagte Scherer eventuelle Veränderungen in der Jagdpacht, in der es bestimmt auch Gebiete gebe, die sich nur schwierig verpachten ließen. So werde Mais ohne Kolben angebaut, was auch für das Wild eine Veränderung bedeute.

Für Jürgen Neeb (Burkhardsfelden), der als Ortslandwirt auch für Reiskirchen zuständig ist, gehe das an der Realität vorbei. Das eigentliche Problem liege bei den Stadtwerken und könne nur durch einen entsprechenden Preis gelöst werden.

»Hauptaufgabe ist Lebensmittel-Versorgung«

Das sah auch Renz Hornischer, Gemeindevertreter der Grünen und Biolandwirt in Ettingshausen (Flugplatz). So seien die Preise für landwirtschaftliche Produkte in jüngster Zeit erheblich angestiegen. Der Weg zu erneuerbaren Energien, wie Windkraft, Sonnenenergie und Wasserkraft sei unbedingt zu begrüßen, da fossile Brennstoffe begrenzt seien. Hauptaufgabe der Landwirtschaft sei es jedoch, die Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen.

Joachim Otto (Beuern), Betreiber des Agrarmarktes in Reiskirchen, befürchtete sogar eine Bauruine, wenn es an »Rohstoff« wegen eines geringen Preises mangele. Angesprochen wurde auch die Verwendung von genveränderten Mais.

Matthias Wolf vom Ingenieurbüro Fischer erläuterte die erforderliche Änderung des Flächennutzungsplanes. Die Stadtwerke gelten als Gewerbebetrieb, so dass ein Sondergebiet auszuweisen ist. Einhellig empfahlen die Ausschussmitglieder der Gemeindevertretung die Verabschiedung des Aufstellungsbeschlusses. Vorgesehen ist die Besichtigung der in Heskem vorhandenen Anlage.

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