17. März 2011, 18:00 Uhr

Seyfert-Vortrag bei HGV Reiskirchen über Kelten und Römer

Reiskirchen (la). »Zu unseren Vorfahren zählen nicht nur die Germanen, sondern auch die Kelten.« Diese These war das Thema eines zweistündigen Vortrags, den Dr. Gernot Seyfert am Mittwochabend im ausgezeichnet besuchten Gemeindesaal des Pfarrhauses in Reiskirchen hielt.
17. März 2011, 18:00 Uhr
Dr. Seyfert

So konnte HGV-Vorsitzender Kurt Herber auch viele auswärtige Besucher begrüßen. Dr. Seyfert befasste sich in seinem Vortrag vor allem mit den Ergebnissen der Ausgrabungen auf dem Dünsberg sowie in Waldgirmes.

Als Resümee konstatierte Seyfert, im Gießener Land sei um die Zeitenwende nicht nur »allerhand los gewesen«, das Gießener Land habe sich damals an einem Brennpunkt der Weltpolitik befunden, obwohl die Stadt Gießen erst 1200 Jahre später gegründet werden sollte.

Zwar sei schon immer bekannt gewesen, dass die Ringwälle um den Gießener Hausberg auf die Kelten zurückgingen, aber erst seit den Ausgrabungen von Karl-Friedrich Rittershofer ab 1999 stehe fest, dass sich hier eine für damalige Verhältnisse große Stadt von etwa 2000 Einwohnern befunden hatte, dass deren Einwohner zum Stamm der keltischen Ubier gehörten und dass das »Dünsberg-Oppidum«, wie es die Vor- und Frühgeschichtler nennen, die Hauptstadt der Ubier gewesen sei. Bekannt sei, dass die Kelten Münzen hergestellt hätten, die mit verschiedenen Symbolen ausgestattet waren. Die Kelten seien auch hervorragende Schmiede gewesen. So hätten sie es verstanden, Wagenreifen warm aufzuziehen, was die Römer zu dieser Zeit noch nicht beherrschten.

Es habe bei den Kelten ausgezeichnete Handwerker gegeben, wenn auch das Gros Bauern gewesen seien. Mit diesem Wissen sei es möglich, die Geschehnisse der damaligen Zeit, der Zeit kurz vor und nach Christi Geburt nachzuzeichnen, weil diese durch römische Historiker, vor allem durch Cassius Dio, beschrieben wurde.

Drusus besiegelt Ende der Keltenstadt

Die Ubier vom Dünsberg wurden von dem Statthalter Agrippa im Jahre 38 vor Christi vom Dünsberg weg auf die linke Rheinseite umgesiedelt, an die Stelle, an der 70 Jahre später die Stadt Köln entstand. Der Kriegszug des Drusus im Jahre 9 vor Christi Geburt bedeutete dann das endgültige Ende der Dünsbergstadt.

Dass die Römer fast in Sichtweite des Dünsberg-Oppidums eine eigene Stadt gründeten, die offenbar die Hauptstadt der zukünftigen Provinz »Germania Magna« werden sollte, wurde durch die Ausgrabungen in Waldgirmes deutlich. Man habe nämlich die Reste eines Reiterstandbildes aus vergoldeter Bronze, das höchstwahrscheinlich den Kaiser Augustus darstellte, gefunden.

Dass diese Stadtgründung schon nach 13 Jahren abgebrochen wurde, hänge wohl mit der Schlacht im Teutoburger Wald zusammen, als der Cherusker Arminius drei römische Legionen vernichtete, die Römer sich danach hinter den Rhein zurückzogen und den Versuch aufgaben, Germanien zu unterwerfen.

»Halloween« hat keltische Wurzeln

Im letzten Teil seines Vortrages widmete sich Dr. Seyfert den Spuren, die die Kelten hinterlassen haben, zum Beispiel das Fest »Halloween«, das gar kein amerikanischer Import sei, sondern lediglich das Fest »Samhein« der keltischen Vorfahren fortführe.

Auch Märchen- und Sagenfiguren wie die Fee Morgane, Schwester des britischen Königs Artur, Frau Holle oder die Hexe in Hänsel und Gretel hätten ihren Ursprung im religiösen Glauben der Kelten, vermutlich auch die sieben Zwerge und sogar Rumpelstilzchen.

Der Vorsitzende der Heimatgeschichtlichen Vereinigung, Kurt Herber, dankte Seyfert für die interessanten Ausführungen, die zugleich auch eine hervorragende Einführung und Information für die am 26. Juni von der HGV vorgesehene Tagesfahrt zum Glauberg seien, die Dr. Seyfert begleiten wird. (Foto: la)

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