22. April 2016, 17:43 Uhr

Wenn Schwergewichte reisen

Staufenberg (pad). Wenn man sich eine Modell-eisenbahn bestellt, dann liefert die meist die Post. Doch was macht man, wenn eine Schienenschleifmaschine oder eine Straßenbahn transportiert werden soll? Dann kommt oft die Universal Transport Gruppe ins Spiel. Das Unternehmen beschäftigt in Staufenberg 70 Mitarbeiter und hat 1,5 Millionen Euro in den Ausbau des Standorts investiert.
22. April 2016, 17:43 Uhr
Der Schwertransport, hier ein Turmsegment eines Windrades, wird von einem Begleitfahrzeug abgesichert. (Foto: bpf)

In Staufenberg steht ein Fuhrpark von kräftigen Zugmaschinen sowie eine Vielzahl verschiedener Aufliegertypen bereit. Denn etwa für den Transport eines 70 Meter langen Windradrotorblattes muss der Auflieger anders als etwa für den Transport eines Flugzeugteils ausgestattet sein. Staufenberg ist eine von 17 Niederlassungen in Deutschland, weitere gibt es unter anderem in Ungarn, Tschechien und Ägypten. Über 600 Mitarbeiter und 350 Fahrzeuge hat Universal Transport weltweit.

Den Ausschlag, die Niederlassung in Staufenberg auszubauen, machte die gute Lage. »Dank der zentralen Lage in Mittelhessen haben wir für uns ein Drehkreuz zu wichtigen Wirtschaftsstandorten in der Rhein-Main-Region geschaffen. Zudem ist die Anbindung an die Autobahn dank der neu gebauten Umgehungsstraße auch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und Grund genug, warum hier investiert wurde«, sagte Unternehmenssprecherin Claudia Sahan.

Die Arbeit bei einem Schwertransport unterscheidet sich deutlich von der normalen Speditionsarbeit. Mal einfach aufladen und losfahren – das geht zum Beispiel bei einem 60 Tonnen schweren Wärmebehälter oder der genannten Schienenschleifmaschine nicht. Es braucht umfangreiche Planungen und geschickte Fahrer.

Für Transporte bei denen das Gesamttransportgewicht die Grenze von 40 Tonnen nicht überschreiten und fest definierte Gesamtlängen und -breiten eingehalten werden, hat das Unternehmen eine Dauergenehmigung für ganz Europa. Bei Transporten, die jedoch über diese Abmessungen hinausgehen, sind weitere Genehmigungen notwendig. So kann unter Umständen auch das Sonntags- oder Nachtfahrverbot aufgehoben werden, wenn die Verkehrsbehinderungen sonst zu groß würden.

Zudem muss oft die Strecke kontrolliert werden. Können Brücken überhaupt das Gewicht tragen? Gibt es Hindernisse wie Stromleitungen oder Ampeln, die im Weg stehen? Oder sind die Kurven zu schmal, als das ein langer Transport durchpasst? »Bei großen Projekten müssen vorab Machbarkeitsstudien durchgeführt werden«, sagte Sahan. »Unsere technischen Außendienstleiter erstellen zudem auch entsprechende Schleppkurvenzeichnungen, um sicherzustellen, dass der Lkw auch wirklich in der Transportnacht um die geplante Kurve kommt. « So kann es vorkommen, dass man einige Umwege fahren muss, weil ein Transport auf direktem Weg, etwa wegen enger Bebauung in Ortskernen, unmöglich ist. Die Behörden müssen dann die festgelegte Strecke genehmigen.

Wenn der Transport dann rollt, ist der Berufskraftfahrer nicht auf sich alleine gestellt. Speziell ausgebildete Transportbegleiter unterstützen ihn beispielsweise durch das Lotsen durch enge Streckenabschnitte und warnen andere Verkehrsteilnehmer mittels Rundumleuchten und beleuchteten Signaltafeln. »Unser Fahrpersonal sind ausgebildete Berufskraftfahrer«, sagt die Unternehmenssprecherin. »Zudem werden regelmäßig unternehmensinterne Seminare, etwa zu Themen wie vorausschauenden Fahren und Ladungssicherung, abgehalten.« Mit viel Gefühl und Geschick geht es dann dem Ziel entgegen.

Europaweit sind im Durchschnitt pro Nacht 300 Großraum- und Schwertransporte von Universal Transport unterwegs. Oftmals ist die Begleitung durch die Polizei notwendig. Da diese jedoch oft überlastet ist, greift man in Niedersachsen auf Hilfspolizisten zurück. Insgesamt hat das Land knapp 70 erfahrene Begleiter ausgebildet und Anfang April 16 Begleiter von Universal Transport zum »Hilfspolizisten« ernannt. Seither dürfen diese als polizeiersetzende Transportbegleitung eingesetzt werden. In Hessen ist so etwas noch Zukunftsmusik.

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