13. März 2015, 21:43 Uhr

Wißmarer sind besorgt wegen neuer Hells-Angels-Zentrale

Wettenberg (sha/so). »Was machen wir, wenn morgen die Frankfurter hier auftauchen? Da können Sie uns keine Sicherheit geben. Das ist ein Riesenproblem für uns«, machte ein Wißmarer seinen Befürchtungen Luft, es könne quasi vor seiner Haustüre zu Auseinandersetzungen von rivalisierenden Gruppierungen der Hells Angels kommen. Den Wißmarern brennt das Thema auf den Nägeln.
13. März 2015, 21:43 Uhr
(Foto: Red)

Das machte das volle Haus am Donnerstag deutlich beim Informationsabend der Wettenberger SPD im Bürgerhaus zum Thema Hells Angels und organisierte KriminalitätSeit vergangenen Sommer sind die Rocker in dem Dorf präsent, haben ein ehemaliges Bordell zum Vereinsheim umgebaut. Seitdem suchen die Menschen auch und gerade bei der Politik um Antworten nach, wollen wissen, wie man die ungeliebten Nachbarn wieder loswerden könne. In den vergangenen Monaten wurde seitens der Gemeinde eine Bürgerversammlung eher skeptisch beurteilt – die Veranstaltung vom Donnerstag, moderiert von Prof. Ulrich Ellinghaus, SPD-Fraktionsvorsitzender in Wettenberg, zeigt aber, wie nötig dies war.

Rocker bieten wenig Angriffsfläche

Die Angst, die Rocker könnten ihre Machtkämpfe in Wißmar austragen, konnte Gastredner Peter Brustmann vom Landeskriminalamt den Bürgern zwar nicht nehmen. Eine konkrete Gefahr für das Dorf sieht er aber nicht. Nicht erst seit der Schießerei zwischen Rockern des neu gegründeten Gießener Charters und Frankfurter Angels im Juli vergangenen Jahres in der Mainmetropole beobachte die Polizei die Szene genau. Immer wieder zeigten die Beamten auch in Wißmar Präsenz. Und vor allem: Die Höllenengel regelten ihre Konflikte intern, betonte der Leiter der Abteilung »Schwere und organisierte Kriminalität«. Genau wie andere Rockergruppierungen agierten sie im Verborgenen, um ihren illegalen Geschäften mit Drogen, Prostitution und Waffen nachzugehen. Aus diesem Grund seien die Höllenengel eher darauf bedacht, nicht aufzufallen und möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Brustmann ermunterte die Wißmarer, der Polizei ebenfalls Beobachtungen zu melden. Wann parken besonders viele Autos auf dem Gelände der früheren Villa Kleopatra? Aus welchen Regionen kommen sie?

Deutliche Worte an heimische Höllenengel

Bürgermeister Thomas Brunner betonte, dass solche Hinweise natürlich vertraulich behandelt würden. Er unterstrich, dass die Höllenengel – nach außen hin – sehr unauffällig arbeiteten und kaum eine Angriffsfläche böten. Beispiel: Die in dem vormaligen Club existierende Schankerlaubnis für alkoholische Getränke. Tatsächlich seien die Rocker einer neuen Genehmigung einfach dadurch ausgewichen, dass sie in dem Gebäude keinen Alkohol mehr verkauften.

Trotzdem richtete Brunner klare Worte an die »heimischen« Angels, von denen sich ganze zwei unter das Publikum gemischt hatten: »Diese Menschen sind bei aller Großzügigkeit und Weltoffenheit nicht willkommen.« Eine Reaktion der beiden Höllenengel blieb aus. Kriminaldirektor Brustmann rief die Bürger dazu auf, wachsam zu sein, damit die Polizei auf der Basis von Hinweisen, »alle rechtsstaatlichen Mittel einsetzen kann«. Und: Dass die Rocker in Hessen ihre Symbole als »Zeichen der Macht« nicht mehr öffentlich zeigen dürfen sei keine Kleinigkeit. »Das tut denen weh.«

Sorge vor Wertverlust der Häuser

Nancy Faeser, innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, brach eine Lanze für die bei der Bundes-SPD höchst umstrittene Vorratsdatenspeicherung. Die sei ein geeignetes Mittel im Kampf gegen organisierte Kriminalität. Auch die Möglichkeit des Verbots bestimmter Gruppen der Angels müsse immer wieder geprüft werden, um »an die bestehenden Strukturen ranzukommen«.

Ein Rocker meldete sich doch noch zu Wort: Allerdings nicht aus Wißmar, sondern aus Hanau. Kein Hells Angel, sondern von der »Latin American Motorcycle Association«. Bei ihnen seien auch Polizisten Mitglieder, betonte der Mann. Denn: Nicht alle Kuttenträger seien Verbrecher. Mag sein. Manch ein Wißmarer sorgt sich aber, dass wegen »der Kutten« der Wert seines Hauses sinkt.



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